Murceia, eins der zur Krone Castilien 4 Wrwon Königreiche, im S. vom Mittelmeer, im O. von Valencia, im N. von Neucastilien, im W. von Andalusien (Jaen, Granada, Almerig) begrenzt, umfaßt das Plateau von Mur cia, d. i. die südöstl. Ecke des neucastil. Tafellandes und die östl. Glieder des marianischen und bätischen Gebirgssystems, sowie einen großen Teil der Litoralsteppe. Es wird in ostsüdöstl. Richtung vom Segura durchschnitten, der im Gebirgsknoten der Sagra-Sierra entspringt, in seinem obern Lauf sich durch große Felsmassen und die fast ganz unbewohnten Hochflächen oder Los Despoblados de Murcia windet, links den Mundo, sowie im untern Lauf rechts den Sangonera aufnimmt und schiffbar in der Provinz Alicante mündet. Der Sangonera gibt den Rurei Teil seines Wassers an den Kanal von Murcia ab, der bei Cartagena mündet. M., 711 von den Arabern erobert, bildete unter dem Namen Tödmir eine Provinz des Kalifats von Damascus und (755—1021) von Cordova, nach dessen Auflösung aber ein eigenes maurisches Königreich bis 1241, wo sich der letzte König Mohammed Ibn-Hud dem König Ferdinand III. unterwarf. Seit 1833 zerfällt das Land in die beiden Provinzen M. und Albacete (s. d.). Die Provinz Murcia mit (1883) 462182 C. auf 11597 qkm, ist längs der meist von steilen Felsen umgürteten Küste, sowie im Westen und Norden gebirgig. Unter die gutangebauten und reichbevölkerten Thäler gehört das Segurathal, das eine große Menge Südfrüchte, Wein, Ol und Seide, in den Steppen und auf unbewässertem Terrain Sodapflanzen (Plantas barilleras) und Esparto in Fülle erzeugt, auch großen Reichtum an Erzgängen und daher zahllose Bergwerke besitzt, außerdem auch Steinkohlenlager, Salinen und Mineralquellen hat. Abgesehen von dem Berg- und Hüttenwesen, das hier bedeutender als in irgend einem Teile Spaniens, besteht die Industrie fast bloß in Fabrikation von Soda, Salpeter, Salz, Pulver, Töpfergeschirr, Ziegeln, Seife, Messerwaren, Espartogeflechten und Seidestoffen. Die Hauptstadt Murcia, Ciudad und Bischofssitz mit (1884) 93 546 E. (einschließlich der 49 Ortschaften umfassenden Huerta), durch die Eisenbahn mit Cartagena Albacete und so mit Madrid verbunden, liegt am Segura und am nördl. Rande der prachtvollen, im weiten Umkreise von kahlen, aber höchst malerischen Felsgebirgen umschlossenen Huerta. Die Stadt ist 1Ube unregelmäßig, aber gut gebaut, hat breite Straßen, stattliche, zum Teil prächtige Häuser, meist mit platten Dächern. Die Kathedrale ist ein modernes Gebäude mit einem silbernen Hochaltar und vielen andern Kostbarkeiten. Außerdem besitzt die Stadt 11 Pfarrkirchen, ein Spital, ein Waisenhaus, ein Armenhaus, ein Gefängnis im ehemaligen maurischen Alcazar, einen imposanten bischöfl. Palast, eine große, schöne Getreidehalle (alhôndiga) mit 140 Marmorsäulen, ein Theater, einen Cirkus für Stiergefechte, eine prächtige Brücke über den Segura, an welchem viele Mühlen liegen, herrliche Promenaden und öffentliche Gärten. Es bestehen ein Instituto, eine Zeichen⸗ und eine Bauschule, ein geistliches Seminar, Kasernen, Pulver⸗ und Salpeterfabriken, Espartoflechtereien und Seidenwebereien mit einem großen öffentlichen Spinn⸗ und Färbehaus.