FeedRzewuski (Heinr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Rzewuski (Heinr.), namhafter poln. Schriftsteller, geb. 3. Mai 1791 zu Slawuta (in Volhynien) aus einer vornehmen Magnatenfamilie, machte in seiner Jugend viele Reisen und wurde 1830 in Rom von Mickiewicz zur Schriftstellerei aufgefordert. Sein erstes Werk waren die „Denkwürdigkeiten des Pan Severin Soplicav (4 Bde., Par. 1839; deutsch von Ph. Löbenstein, Lpz. 1876), eine Reihe Erzählungen aus dem Szlachtaleben des 18. Jahrh., welche die Vergangenheit anschaulich darstellen, aber mit Absicht zu einseitig in ihren Lichtseiten. Diese retrograde Tendenz steigerte sich S ist der 18. Buchstabe des lat. Alphabets und steht an dieser oder benachbarter Stelle in den aus dem lateinischen abgeleiteten abendländ. Alphabeten. Die Figur des lat. S ist aus der des griech. X (sigma) umgebildet, und das letztere stammt wie das gesamte griech. Alphabet aus dem phönizischen. Mit dem Zeichen s werden in verschiedenen Sprain R.s weitern Werken immer mehr und machte ihn, trotz seines bedeutenden Schriftstellertalents, zuletzt ganz verhaßt. In den vierziger Jahren wurde er Journalist, erst in Petersburg, dann in Warschau, wo er den von der russ. Regierung subventionierten Dziennik Warszawski o herausgab. Zuletzt zog er sich ganz vom litterarischen Leben zurück und starb 26. Febr. 1866 auf seinem Gute Czudnowo (Gouvernement Schitomir). Für R.s besten Roman gilt Listopado (Petersb. 1845; deutsch von W. Bachmann unter dem Titel „Der Fürst Mein Liebchen und Ichriepercriän erv, 2 Bde., Berl. 1856). Ferner schrieb er Erzählungen:Das Schloß u Krakaus, Adam Smigielskis (diese beiden auch tsch übersetzt, Berl. 1857 u. 1858), 4«Ritter Lizdejkov, Der goldhaarige Pager u. a., verfaßte unter dem Pseudonym Jarosz Beila Moralische Miscellen (2 Bde., Wilna 1841—43) und gab die Memoiren Bartholomäus Michalowskis heraus (8 Bde., 1856—.57). Aus einer im Manuskript hinterlassenen „Geschichte der Civilisatione R.s (geschrieben 1840) veröffentlichte Boleslawita (d. i. Kraszewski) 4Histor. Probeno (1868). Riha (Franz von), Ingenieur und Spezialist auf dem Gebiete des Tunnelbaues, geb. 28. März 1831 zu Hainspach in Böhmen, absolvierte das Polytechnikum zu Prag und begann 1851 seine praktische Laufbahn beim Bau der Semmeringbahn. Seit 1852 nahm er am Bau der Karstbahn teil und wurde 1856 zum Bau des Tunnels bei Cjernitz in Schlesien berufen. Seit 1858 als Unternehmer bei dem Bau der Ruhr-Siegbahn in Westfalen thätig, wirkte er seit 1861 als Abteilungsingenieur beim Bau der braunschweig. Linien Kreiensen-Holzminden und Braunschweig-Helmstedt, wurde 1866 in den braunschweig. Staatsdienst als Oberbergmeister berufen, verwaltete als solcher die fiskalischen Kohlengruben und kehrte 1870 nach Ssterreich zurück. Er tracierte umfangreiche Eisenbahnlinien in Böhmen, wurde 1874 als Oberingenieur in die Dienste des österr. Handelsministeriums und 1876 als Professor des Eisenbahn⸗ und Tunnelbaues an die Technische Hochschule zu Wien berufen, welches Amt er seitdem bekleidet. Während des Baues des Arlbergtunnels wirkte er als technischer Konsulent; 1883 erfolgte seine Erhebung in den Adelsstand. Im J. 1860 wandte R. zum erstenmal den in der Folge weit verbreiteten Ausbau der bergmännischen Stollen mit Eisenschienen an, und 1861 führte er bei den Tunnelbauten von Naensen und Ippensen das 1e ihm benannte Tunnelbausystem in Eisen in die Praxis ein. Seine Hauptwerke sind: „Lehrbuch der gesamten Tunnelbaukunsty (2. Aufl., 2 Bde., Berl. 1874), Der engl. Einschnittsbetriebo (Berl. 1872), Die neue Tunnelbaumethode in Eiseno (Berl. 1864). chen, oft auch in derselben Sprache, verschiedene Laute bezeichnet; die s-Laute faßt man als Zischlaute (Sibilanten) zusammen, die Zischlaute bilden eine Unterabteilung der Spiranten (zu denen z. B. auch f, v u. a. gehören), diese eine Klasse der Geräuschlaute. Jeder s-Laut kann stumm oder tönend sein, in letzterm Falle besteht bei der Aussprache neben dem zischenden Geräusch in der Mundhöhle noch ein Stimmton im Kehlkopf. Die hauptsächlichsten Formen des s-Lautes lassen sich an Beispielen etwa folgendermaßen veranschaulichen: 1) Laute von der Art des englischen th, dem das sog. aweicher th, z. B. im Artikel the, als tönender entspricht; 2) Laute analog dem sog. scharfen französischen s im Anfang der Worte, z. B. in savoir; als tönender Laut entspricht das französische 2; 3) Laute analog dem deutschen sch, das trotz seiner drei Buchstaben ein einheitlicher Laut ist; als tönender entspricht das französische j. Innerhalb dieser drei Gruppen gibt es indes mancherlei Nuancen. Der Buchstabe s vertritt im Deutschen die unter 2) aufgeführten Laute, d. h. er bezeichnet sowohl tonloses, wie tönendes s, letzteres in den meisten deutschen Dialekten am Anfang der Worte und zwischen Vokalen, z. B. sein, reisen (die ein Franzose zein, reizen schreiben würde), ersteres am Ende, z. B. in das, es. Das tonlose (scharfe) s wird aber in den meisten Fällen im Deutschen durch ß oder ss in der sog. deutschen, durch sz oder ss in der lat. Schrift bezeichnet; es hat sich dabei die von den meisten Schreibenden beobachtete orthographische Regel gebildet, ß am Ende von Silben oder Worten und nach langen Vokalen auch vor folgendem Vokal, dagegen ss nach kurzem Vokal vor folgendem Vokal zu schreiben (3. B. Haß, Muße, hassen), der Laut ist stets derselbe. Das ß, wo es richtig geschrieben wird, ist in der Geschichte der deutschen Sprache durch die sogen. zweite Lautverschiebung aus t hervorgegangen, daher die germ. Dialekte, welche diese nicht kennen, noch heutigentags t in den betreffenden Worten haben, z. B. niederdeutsch biten, engl. bite =beißen, niederdeutsch föt, engl. foot = Fuß. Die jetzige Orthographie ist in der Unterscheidung (s) und es nicht konsequent, so sollte der Artikel edaso (wie z. B. niederdeutsch dat, engl. that) eigentlich Kdaßo geschrieben werden. Es kommt dazu, daß nicht gleichmäßig in allen Gegenden Deutschlands in der Aussprache ß von s unterschieden wird. Der Gebrauch, in der deutschen Schrift s am Anfang und in der Mitte der Worte, 5 am Ende zu gebrauchen, ist ein rein graphischer und hat mit einer Verschiedenheit des Lautes nichts zu thun. In den meisten europ. Alphabeten bezeichnet s irgend eine Nuance der unter 2) angeführten Laute, doch bedeutet s im ungar. Alphabet das deutsche sch, z. B. Pest spr. Pescht, Andrassy spr. Als Abkürzungszeichen steht 8S und s in röm. Inschriften, Handschriften, auf Münzen u. s. w. für Sextus, sacer, salutem, sanctus, securitas, senatus, signarit, signum; in deutschen Büchern steht S. für San, Sankt, auch für Seite und (resp. s.) für Siehe (resp. siehe). Auf ältern franz. Münzen bezeichnet 8 den Prägort Troyes, auf spanischen Sevilla. In der Chemie ist 8 das Zeichen oder Symbol für Schwefel (Sulfur). Auf der Stellscheibe engl. Taschenuhren steht 8§ für Slower (d. i. „langsamero), im Gegensatz zu A für Advance (d. i. eschneller gehene), ähnlich wie auf franz. Uhren R für Retarder im Gegensatz zu A für Avancer. Auf Rezepten ist S die Akürzung für signetur (man bezeichne), seltener für sumatur (man nehme). Sa., Abkürzung für Summa, Betrag. Sa da Bandeira (Bernardo de Sa Nogueira, Marquis de), portug. Staatsmann und Generallieutenant, geb. zu Santarem 26. Sept. 1795, schloß sich 1820 der portug. Revolution an und trat 1823 als Verteidiger der Konstitution in der Gegenrevolution aufl, sodaß er nach dem Siege des Absolutismus ins Ausland entweichen mußte. Nachdem Dom Pedro die Charte verliehen, kehrte S. nach Portugal zurück, wurde im Nov. 1832 Marineminister und gleichzeitig zum Baron da Bandeira ernannt. Doch schon im Mai 1833 erfolgte seine Entlassung als Minister. Nachdem er 5. Sept. 1833 die Linien von Lissabon gegen die Miguelisten verteidigt, ward er Gouverneur von Peniche, im Febr. 1834 Gouverneur von Algarve und nach dem Kriege Pair des Reichs. Von Nov. 1835 bis April 1836 war er abermals Marineminister. Nach der Septemberrevolution von 1836 trat S. wiederum ins Ministerium, stellte sich aber 1846 an die Spitze der gegen den Herzog von Saldanha gerichteten Insurrektion. Er ward seiner Würden entsetzt, jedoch alsbald erfolgte durch die allgemeine Amnestie seine Restitution, und seitdem gehörte er zu den Führern der Opposition in den Cortes. Im Juni 1856 wurde er in dem Kabinett Loulés Marine⸗ und Kolonialminister, und vom Jan. bis Sept. 1857 war er auch Kriegsminister. Mit Loulé zog er sich im März 1859 zurück, übernahm aber, nach dessen Wiedereintritt, im Dez. 1860 das Kriegsministerium, das er bis Anfang 1864 versah. Hierauf wurde er 1867 Adjutant des Königs und Kolonialrat, war 22. Juli 1868 bis 2. Jan. 1869 Präsident des Ministerconseil und Kriegsminister und 31. Aug. 1870 bis 11. Sept. 1871 wieder Ministerpräsident und Minister des Außern. Er starb 6. Jan. 1876. ä de Miranda (Franscisco de), in der span. und portug. Litteratur als Dichter berühmt, aus altadeligem Geschlecht, wurde 27. Okt. 1495 zu Coimbra geboren, wo er auch seine wissenschaftliche Bildung vollendete, widmete sich neben den damals aufblühenden humanistischen Studien der Rechtswissenschaft und bekleidete auch einige Zeit eine jurist. Lehrstelle, gab dieselbe aber nach seines Vaters Tode auf, durchreiste Spanien und Italien und machte sich mit der Sprache und Litteratur beider Länder bekannt. Er starb auf seinem Landsitze Tapada unweit Ponte de Lima 15. März 1558. S. ist einer der Koryphäen der Dichterschule von Coimbra, die durch Nachahmung altklassischer und ital. Muster der heimischen Dichtkunst die antikisierende Richtung gaben; doch ist er, besonders in seinen Eklogen, wovon sechs in span., nur zwei in portug. Sprache abgefaßt sind, und in seinen volksmäßigen Cantigas, Vilancetes und Endechas ganz national geblieben. Er hat die poetische Epistel unter dem Namen Carta, das Sonett, die Terzine und die Canzone in die portug. Dichtkunst eingeführt und kann auch als einer der Begründer des portug. Dramas angesehen werden, wiewohl seine beiden in portug. Prosa geschriebenen Lustspiele „Die Fremden » und «Die beiden Vilhalpandos» ganz nach dem klassisch-ital. Theater gebildet und sogar der Schauplatz, Sitten und Charaktere Italien entlehnt sind. Sein Ruhm ist in den bukolischen Dichtungen begründet und in den in portug. Rundversen verfaßten satirischen Briefen, in welchen er eine kraftvolle Sprache redet. „Seine poetischen Werke erschienen zu Lissabon (1595 u. öfter). Seine Komödien zusammen mit denen des Ant. Ferreira erschienen zu Lissabon 1622 und 1784 und neuerdings in kritischer, mit einer ausführlichen Biographie und litterarhistor. Studien versehener Ausgabe Karl de Vasconcellos (Halle 1855).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 42Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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