FeedSpasowicz (Wladimir)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Spasowicz (Wladimir), namhafter Jurist und Schriftsteller poln. Nationalität, geb. 16. Jan. 1829 in Rzeczyca (im Gouvernement Minsk), studierte in Petersburg die Rechte, war 1857—61 Professor des Strafrechts an der dortigen Universität, dann Docent an der Rechtsschule daselbst, von welcher Stelle er jedoch 1864 abgesetzt wurde infolge seines Lehrbuch des Kriminalrechts (russ., Petersb. 1863), dessen leitende Grundgedanken Mißfallen erregten. In demselben Jahre nahm er in der Kommission für Kriminalprozeß an der Redaction der Civil⸗ und Kriminalproceduren teil. Seit 1866 ist S. einer der angesehensten Advokaten in Petersburg und bekannt durch sein Auftreten als Verteidiger in den Hochverrats⸗ und Nihilistenprozessen. In polit. Beziehung wirkt S. auf eine Versöhnung zwischen den Polen und Russen hin; in diesem Sinne nahm er an der «„Geschichte der slaw. Litteraturen von A. Pypin (russ., Petersb. 1865; 2. Aufl. 1879—81) teil, für die er die Geschichte der poln. Litteraturn verfaßte, welche mit dem Hauptwerk ins Deutsche und Czechische und dann auch noch allein ins Polnische (von A. Bem, Warsch. 1885) übersetzt wurde. Es bekundet sich darin ein selbständiger kritischer Geist. Durch den eichen Charakter zeichneten sich auch die öffentlichen orträge aus, welche S. in Warschau über den Dichter Pol, über Hamlet und Byron hielt. Dalöst erscheint auf seine Kosten die poln. wissenchaftlich-litterarische Monatsrevue Ateneums (seit 1876). S. selbst schrieb noch »Leben und Politik des Markgrafen Wielopolstis (russ.⸗Petersb. 1882), sowie mehrere Flugschriften über Rechtswissenschaft und litterarische Kritik in poln. und russ. Sprache. Seit 1883 nimmt er hervorragenden Anteil an der Redaction des in Petersburg erscheinenden poln. polit. Wochenblatts Krajo.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 54Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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