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PflanzenreichBrockhaus 1882

Säen und Saat. Der Bodenanbau geschieht entweder durch unmittelbares Einlegen des Samens in die Erde, durch die Saat oder durch Verpflanzen. Der zur Aussaat bestimmte Samen, das Saatgut, muß keimfähig, vollkommen ausgebildet, esund, dem Klima und der Ortlichkeit angemessen ein. Ein zeitweiliger Samenwechsel ist sehr zu empfehlen. Jedes Samenkorn muß so tief in die Erde gelegt werden, daß es alle Bedingungen des Keimens und Fortwachsens erfüllt findet. Die Samenmenge hängt hauptsächlich von dem Umfange ab, den die einzelnen Pflanzen einnehmen, wird aber auch bedingt von der Güte des Samens, der Zeit der Saat, der Beschaffenheit des Bodens und dem Gebrauchszwecke der Früchte, indem meistens guter Samen, frühe Saat und fruchtbares Erdreich eine dünne Saat gestatten, und umgekehrt. Die Zeit des Säens richtet sich hauptsächlich nach der Natur der zu kultivierenden Pflanzen, dann aber auch nach Klima, Witterung und Boden. In rauhem Klima und auf bindendem, wenig fruchtbarem Boden muß im Herbst früher, im Frühling später gesäet werden als in warmem Klima, thätigem und fruchtbarem Boden; doch hat eine frühe Saat meistens Vorzüge vor einer späten. Das Säen wird mit der Hand oder mit Maschinen ausgeführt; bei der letztern Art unterscheidet man breitwürfige, Drill⸗(s. Drillen) und Dibbel⸗ (s. Dibbeln) Saat. Das Verpflanzen findet dann statt, wenn solche Gewächse kultiviert werden sollen, die in ihrer Jugend gegen den Frost empfindlich sind und mehr Zeit zu ihrer Ausbildung bedürfen, als unser Sommer gewährt. Der Samen solcher Gewächse wird nicht unmittelbar auf den Acker, sondern auf ein besonderes, geschütztes Samenbeet (Kutsche, Couche) gesäet; sind hier die Pflanzen zu der erforderlichen Höhe emporgewachsen, so werden sie auf die Acker versetzt. Um der vielfach vorkommenden Verfälschung des Saatguts vorzubeugen, sind von Regierungen und landwirtschaftlichen Vereinen besondere oder mit den schon bestehenden Versuchsstationen verbundene Samenkontrollstationen errichtet worden, die erste 1869 in Tharandt unter Nobbe. Um die Landwirte über die seitens der Käufer verlangte Qualität des Samens (3. B. der Braugerste) zu orientieren, sowie gleichzeitig zur Vermittelung des Verkehrs haben sich in neuester Zeit Saatenmärkte etabliert, welche meist im Spätsommer, kurz nach der Ernte abgehalten werden. Vgl. Nobbe, 4Handbuch der Samenkunde⸗ (Berl. 1876); Harz, „Landwirtschaftliche Samenkunde (Berl. 1885); Wollny, «Saat und Pflege derlandwirtschaftl. Kulturpflanzenv (Berl. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 99Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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