FeedSago
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Sago (in der Papuasprache soviel wie Brot: frz. sagou, engl. sago) nennt man ein Stärkemehlpräparat, aus dem Marke des Stammes der Sagopalme (s. d.) dargestellt. Eine Palme von 15 J. Alter vermag bis 400 kg S. zu liefern. Der S. muß gesammelt werden, bevor die Palme blüht, denn nach der Blütenentwickelung ist das Mark vertrocknet. Die Blätter fallen dann ab und die Palme geht ein. Die Kenntnis des S. verdankt man Marco Polo, der die ersten Proben desselben nach Venedig brachte. Zur Gewinnung des S werden die Stämme gefällt und in Balken gespalten, um das mehlreiche Mark herausschaben zu [können, worauf man das letztere zerstößt oder zerreibt, mit Wasser anrührt, den Brei durch Tücher seiht und die Flüssigkeit einige Zeit stehen läßt. Das hierbei sich absetzende Mehl wird an der Luft getrocknet und kommt als Sagomehl in den Handel, um zum Brotbacken u. s. w. verwendet zu werden. Vielfach aber wird dasselbe raffiniert, d. h. in Perlsago verwandelt. Die Bereitung des Perlsago, welche eine chines. Erfindung sein soll, wird hauptsächlich in Singapore betrieben, wohin von Sumatra und Borneo aus große Massen in Form von Hüten von 5 bis 10 kg Gewicht gebracht werden. Das Raffinieren des S. geschieht auf verschiedene Weise, z. B. indem man den zerstoßenen rohen S. mit wenig Wasser mischt und den Teig durch Metallsiebe von immer geringerer Maschenweite gehen läßt, die uber erhitzten Kupfer- oder Eisenplatten Iderele sind. In diesen verwandelt sich ein Teil der Stärkekörnchen in Kleister und klebt die übrigen zusammen, worauf sich bei der Behandlung in Rüttelwerken abgerundete Körner, Perlen, bilden, welche beständig umgerührt werden, bis sie trocken sind. Der raffinierte S. kommt von Singapore jährlich bis zu 100000 Metercentner, meist in Kisten, welche 10—15 Pikul à 2½ bis 3 Doll. Wert enthalten, in den Handel. Man unterscheidet großkörnigen und kleinkörnigen Sago (welch letzterer zuweilen nur Mohnkorngröße hat), ferner weiß en, gelben und braunen Sago (welch letztere beiden Sorten ihre Färbung einem weiter vorgeschrittenen Röstprozeß verdanken). In England und Frankreich kommt auch ein grauer und ein roter S., von den Molukken, ein gelblicher von Sumatra, ein ziegelroter von Neuguinea, ein gelblichweißer von den Malediven, ein reinweißer (Sagoblume) von Java in den Handel. Ein dem S. verwandtes Präparat ist Tapioka (s. unter Manihot). Der wohlfeile künstliche Sago, auch deutscher oder Kartoffelsago genannt, wird aus den reinsten Sorten der Kartoffelstärke bereitet, indem man dieselbe in feuchtem Zustand durch Siebe von 3 bis 4 mm Maschenweite reibt, die so erhaltenen Körner in rollenden Fässern abrundet, absiebt, in einer Art Ofen auf 70—80 C. erhitzt und durch Einleiten von Dampf verglasen läßt, worauf man sie aus dem Ofen nimmt, erkalten läßt, durch Reiben voneinander trennt und bei möglichst niedriger Temperatur trocknet. Diese Fabrikation, welche in Deutschland schwunghaft betrieben wird, kam in der Zeit der Kontinentalsperre auf und wurde von Sattler in Schweinfurt eingeführt. Als die beste Sorte dieses S. wird die neuwieder Ware geschätzt, doch liefern auch Magde9 Halle, Schweinfurt u. a. gute Qualitäten. In ranz. Fabriken bedient man sich zur Erzeugung des Kartoffelsagos besonderer Maschinen, mittels deren man das angefeuchtete Stärkemehl durch gelochte Platten hindurchpreßt und so zu Fäden formt, von welchen beständig der gewünschten Korngröße entsprechende Stückchen abgestoßen werden. Die Körner des unechten S. sind regelmäßiger als die des echten, ostindischen oder Palmensago. Je nach dem Grad der zum Rösten angewendeten Hitze erhält man auch hierbei weißen oder gelben S., wovon der erstere am meisten geschätzt ist; der rote Kartoffelsago ist mit gebranntem Zucker oder mit Bolus gefärbt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 104Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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