FeedDistanzgeschäft
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Distanzgeschäft oder Distanzkauf nennt man ein Kaufgeschäft, bei welchem die Ware vertragsmäßig nach einem andern Orte zu übersenden ist. Den Gegensatz dazu bildet das Platzgeschäft, bei welchem der Übergang der Ware aus der Hand des Verkäufers in die Hand des Käufers nicht durch Transportpersonen vermittelt wird. uch für das D. bleibt im Zweifel Erfüllungsort der Ort, wo der Verkäufer zur Zeit des Vertragsschlusses seine Handelsniederlassung oder in Ermangelung einer solchen seinen Wohnsitz hatte, selbst wenn der Verkäufer die Tragung der Transportkosten übernommen hat, und der Käufer trägt also auch die Gefahr des Verlustes oder der Verschlechterung der Ware während des Transports (Handelsgesetzbuch, Art. 345). Letzterer ist auch nach Empfang der Ware zu einer schleunigen Besichtigung derselben verpflichtet, falls er sich das Recht der Beanstandung und Zurückweisung wegen vertragswidriger Eigenschaften konservieren will. (S. Besichtigung der Waren und Empfangbarkeit der Waren.) Nichts gemein mit dem D. hat die Distanzr cht, nämlich die Frachtvergütung, welche dem erfrachter seitens der Befrachter ausnahmsweise auch dann zu zahlen ist, wenn die Ausführung des Transports durch Zufall unmöglich geworden ist, also einer Fracht, die nur entsprechend der bereits zurückgelegten Distanz (daher der Name) geschuldet wird. Vgl. Handelsgesetzbuch, Art. 618, 619, 632, 633, 872. istanzmesser, Entfernungsmesser, auch Telemeter, Diastimeter genannt, bezwecken, die Länge einer Linie im Terrain von einem Endpunkt derselben aus zu bestimmen, oder den Abstand eines Objekts vom eigenen Standort ohne Verlassen des letztern zu ermitteln. In besondern Fällen können noch Beobachtungen und Hilfsmessungen von Stellen her, welche dem Standort benachbart sind, benutzt werden. Bei der topographischen Detailaufnahme eines Terrainteils werden D. gebraucht, um die Entfernungen nebensächlicher Punkte von den Hauptstationen zu ermitteln, wodurch eine wesentliche Abkürzung des Verfahrens erreicht wird. Derartig ermittelte Punkte dürfen aber der beim Gebrauch des D. unvermeidden An dor Wfert nicht weiter übertragen werden. An den Objektsorten werden in diesem Falle sog. Dist anzlatten, d. i. Meßstäbe mit weithin sichtbarer Einteilung aufgestellt, auf welche die Beobachtungen am Standort basiert werden. Andern Bedingungen unterliegt die Distanzmessung im Kriege zu taktischen Zwecken, wobei es sich darum handelt, die Entfernung des Gegners, den man beschießen will, von der eigenen Aufstellung zu ermitteln. Der Ort des Objekts ist hier als unzugänglich zu erachten. Soll ein D. zu Kriegszwecken Wert haben, so muß die Ermittelung in kürzester Zeit ohne umständliche Operationen und Berechnungen geschehen, die D. müssen transportfähig und weder leicht zerbrechlich noch zu kostspielig sein, dabei wird ein hoher Grad von Genauigkeit verlangt. Aus diesen Anforderungen erhellt die Schwierigkeit, kriegsbrauchbare D. zu konstruieren. Es liegt in der Natur der Sache, daß Distanzmessung nur auf Grundlage bekannter Längen möglich ist. Das Ausmessen einer Standlinie, wie bei trigonometr. und topogr. Aufnahmen, ist aber ausgeschlossen, es benähme dem D. eine seiner wichtigsten Eigenschaften. Zwei ineinandergreifende Beobachtungen an verschiedenen Stellen beeinträchtigen meistens ebenso den Wert des Instruments. Nach dem Konstruktionsprinzip kann man die D. in drei Gruppen einteilen: trigonometrische, optische und akustische. Die trigonometrischen D. haben eine kurze Standlinie am Instrument, in Form eines Lineals, dessen Endpunkten sich Diopter oder Visierfernrohre befinden, das eine derselben ist in der Regel unter einem rechten Winkel fest mit dem Lineal verbunden, das andere ist drehbar. Das Unlich dem ruht auf einem dreibeinigen Stativ (ähnlich dem eines Theodoliten oder eines Meßtischs) und wird zuerst mit dem festen Fernrohr auf das Objekt gerichtet, dann festgestellt und nunmehr das Objekt mit dem beweglichen Fernrohr anvisiert, wodurch sich der mit dem Abstand des Objekts wechselnde Winkel an der Spitze eines rechtwinkeligen Dreiecks ergibt, in welcher das Objekt liegt, während die Basis und zugleich eine Kathete des Dreiecks das Lineal ist. Ein kleineres dem genannten ähnliches Dreieck, dessen Hypotenuse mit der Projektion der Achse des beweglichen Fernrohrs zusammenfällt, gestattet die unmittelbare Ablesung der Entfernung am Instrument, erspart also jegliche Berechnung. Die Standlinie kann hier nur 1—4 m lang sein, während die zu ermittelnden Distanzen eine Anzahl von Kilometern betragen können. Der gemessene Winkel ist daher immer außerordentlich gering, und es bedarf, um eine genügende Genauigkeit der Messung zu erzielen, sehr starker Fernröhre und einer sehr genauen Arbeit, woraus der hohe Preis solcher D. sich ergibt. Diese D. sind hauptsächlich für den Feld⸗ und Belagerungskrieg bestimmt; bei der Verteidigung der Küsten können längere Standlinien zu Grunde gelegt werden, von deren beiden Endpunkten sich gegenseitig ergänzende Messungen stattfinden. Die Ergehnisse der Nebenstation werden auf elektromagnetischem Wege auf die Hauptstation übertragen. Unter diesen Umständen ist eine sehr genaue Messung möglich. Auf Kriegsschiffen kann die Standlinie in der Längenrichtung des Fahrzeugs liegen, an deren einem Endpunkt ein bewegliches, am andern ein festes Fernrohr angebracht ist. Letzteres wird durch Drehung des ganzen Schiffs mittels des Steuerruders angestellt. Die Ablesung geschieht wie oben an einem ähnlichen Dreieck. —Hierher gehören auch die D., bei welchen die Standlinie durch einen auf- und abzuwickelnden Maehi (oder Kette) von bestimmter Länge (etwa 40 m) gebildet wird, von deren Endpunkten aus die Winkelmessungen durch Spiegelinstrumente (Prismen) stattfinden. Diese D. sind weniger kostspielig als die vorher genannten, aber umständlicher. Die optischen D. beruhen auf der Erscheinung, daß mit der zunehmenden Entfernung eines Objekts von konstanter Höhe der Sehwinkel abnimmt, oder bei gleichem Sehwinkel ein Objekt um so weiter entfernt sein muß, eine je größere Höhe desselben von den äußersten Sehlinien eingeschlossen ist. Letzteres ist der Grundgedanke der sog. Distanzfernröhre, welche in Verbindung mit der oben erwähnten Distanzlatte gebraucht werden und beim topogr. Aufnehmen Anwendung finden. Jedes gewöhnliche Visierfernrohr, wie es an der Kippregel oder am Theodoliten vorkommt, kann als D. oder Tachymeter eingerichtet werden, indem man dem Fadenkreuz einen obern und einen untern Horizontalfaden beifügt, welche in gleichen Abständen vom mittlern Horizontalfaden sich befinden. Der Abstand der beiden äußern Fäden wird bei den Kippregeln des preuß. Generalstabes so bemessen, daß jeder von denselben umspannte Centimeter der Distanzlatte einer Objektsentfernung von Imuentspricht. Die Distanzlatte hat hier eine 300 em lange Einteilung und können so Distanzen bis 300 m bei Anwendung des mittlern und eines äußern Horizontalfadens bis 600 m gemessen werden (bei den neuesten Kippregeln sogar bei 1200 m). Die erste Idee der tachymetrischen Fernrohre rührt von dem Optiker G. von Reichenbach (s. d.) her, sie wurde dann von dem ital. Major Porro, sowie von Ertel weiter geführt und vom preuß. Generalstab gegen 1880 angenommen. Optische D. zu Kriegszwecken beruhen auf dem veränderlichen Sehwinkel bei konstanter Objektshöhe, als welche die Höhe des aufrecht stehenden Mannes (im Mittel 1,75 m) dient. Ein rohes, indes für geringe Distanzen allenfalls brauchbares Instrument dieser Art ist die Stadia, eine Mekallplatte, in welche eine Durchsicht eingeschnitten ist, deren Offnung nach den Größenverhältnissen eingeteilt wird, in welcher ein aufrecht stehender Mann auf verschiedene Entfernungen erscheint. Um das Instrument genauer und auf größere Entfernungen brauchbar zu gestalten, werden Horizontalfäden ähnlich wie beim Tachymeter in ein Fernrohr eingelegt, die hier aber verschiebbar sind. Aber auch in dieser Gestalt hat das Instrument eine nur bedingte Brauchbarkeit, indem eben ein in voller Höhe sichtbarer, aufrecht stehender Gegner vorausgesetzt wird, was nicht immer angenommen werden kann; außerdem sind die Höhen nicht einmal konstant und ein solcher D. gilt, wenn er auch portativ eingerichtet werden kann, nicht einmal für den Zweck hinreichend genau. 556 Küsten⸗ und Seetriege werden die bekannten Höhen der Mastlängen der ½„ u Grunde gelegt. Die akustischen D. beruhen darauf, daß der Schall eine nahezu konstante Fortpflanzungsgeschwindigkeit hat (bei O' Temperatur 333 m in der Sekunde). Erfolgt mit der Gehör⸗-gleichzeitig eine Lichterscheinung, so wird letztere sofort wahrgenommen, da für terrestrische Entfernungen die Lichtwellen sich mit unendlich großer Geschwindigkeit fortpflanzen, die Gehörerscheinung gelangt aber so viel Sekunden später in das Ohr, soviel mal die Schallgeschwindigkeit in der Entfernung enthalten ist. Da beim Abfeuern eines Geschützes oder Gewehrs mit der Licht⸗ und dan L cheinung durch Erschütterung der umgebenden Luft ein Knall ersolgt, so ist es möglich, aus dem Zeitunterschied in der Währnehmung der einen und der andern Erscheinung den Abstand des feuernden Gegners von der eigenen Aufstellung zu ermitteln. Da Bruchteile von Sekunden hierbei nicht entbehrt werden können, so hat man zu diesem Zwecke besondere Zeitmesser konstruiert, die als D. bezeichnet werden können, entweder auf ähnlichem Prinzip wie eine Taschenuhr beruhend (Schalluhr), oder auf der Fallbewegung eines leichten Körpers in einer Flüssigkeit, welche als von konstanter Geschwindigkeit angenommen werden kann. Eine unbedingte Brauchbarkeit liegt auch hier nicht vor, da nicht immer feuernde Gegner mlicher 5 stehen und bei einer größern Zahl feindlicher Feuerwaffen Irrtümer möglich sind. Doch sind die akustischen D. sehr portativ und wenig kostspielig. Von den 3er Telemet D. zu Kriegszwecken ist besonders der Telemeter des nordamerik. bersten Berdan zu erwähnen. Der Telemeter für den Feldkrieg hat eine Basis von 2 m Länge, meist bis 1800 mauf 25 m, von da bis 3000 auf 50 m genau. Die Aufstellung des saber 10—1 erfordert 10 Sekunden, die Mesung elber 10—15 Sekunden. Der Preis ist 20000 Mark. Der Telemeter für Küsten und Festungen hat eine Standlinie von 4m Länge und ist bis 10 Km anwendbar. Die franz. Feldartillerie hat einen Telemeter von Goulier, welcher einen 40 melangen Draht als Standlinie hat, an dessen Endpunkten zwei Beobachter mit Winkelprismen das Objekt anvisieren. — Unter den optischen D. zu Kriegszwecken ist der Diastimeter des Dr. Romershausen zu erwähnen. Von den akustischen D. ist derjenige des belg. Majors Leboulengé der am meisten brauchbare. In einer graduierten Glasröhre, die mit Glycerin gefüllt 0 liegt ein Schwimmer, der sobald man die Röhre fenkrecht hält, zu fallen beginnt. Jeder Millimeter seiner Bewegung entspricht 25 m Entfernung. Es gibt drei Arten, einen für Infanterie, der Entfernungen bei 1600 m, einen für Artillerie, der bis 4000 m, einen Telemeter für Offiziere, der bis 2500 m mißt. Der Leboulengeésche Telemeter ist sehr portativ und billig, leidet aber an den allemeinen Mängeln des Prinzips. — Für den Küstenrieg existieren trigonometrische D. von Krom⸗ — u. a., welche auf längern Standlinien mit örtich getrennten Beobachtungsstationen 1 Tcbem

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 398Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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