FeedSaint-Cyr
GeschichteBrockhaus 1882

Saint-Cyr (Laurent Gouvion, Maraquis de), Marschall und Pair von Frankreich, geb. zu Toul. 16. April 1764, widmete sich der Miniaturmalerei, welche er 1782 und 1783 in Rom erlernte. Während der Revolution wurde er 1792 in einem pariser Freiwilligenbataillon zum Hauptmann gewählt. Er war schon 1793 Generaladjutant und stieg nach der Schlacht bei Kaiserslautern zum Brigadegeneral. Seit 1794 Divisionsgeneral, erhielt er 1798 an Masseénas Stelle den Oberbefehl in Rom. Doch mußte er bald das Kommando niederlegen, weil er die franz. Regierungskommissare gezwungen hatte, eine der Familie Doria geraubte kostbare Monstranz zurückzugeben. Im J. 1799 kämpfte er unter Jourdan in Deutschland, später in Italien unter Moreau. Nach der Schlacht von Hohenlinden 1800 wurde er zum Staatsrat ernannt. Nach dem Frieden von Lunéville übertrug ihm Bonaparte den Oberbefehl gegen Portugal. Als Lucian Bonaparte von dem Gesandtschaftsposten zu Madrid abgerufen wurde, trat S. an dessen Stelle. Er übernahm 1803 den Befehl über das Armeekorps im Königreich Neapel. Nachdem er bei Errichtung des Kaiserthrons Generaloberst der Kürassiere geworden, übernahm er in Italien unter Massena den Schutz der Küste des Adriatischen Meers gegen die Österreicher, leitete die Einschließung von Venedig und nötigte 24. Nov. 1805 bei Castel-Franco das Korps des Prinzen Rohan zur Kapitulation. Im J. 1807 kämpfte er in Preußen und Polen und führte nach dem Frieden von Tilsit ein Korps in Catalonien. Weil er jedoch die Belagerung von Gerona nicht energisch genug geführt, wurde er auf seine Güter verwiesen und erst 1811 wieder zu Gnaden angenommen. Bei Eröffnung des russ. Feldzugs übernahm er den Befehl des 6. Armeekorps (Bayern), welches mit Oudinots Korps gegen Wittgenstein stehen blieb, und nach Oudinots Verwundung auch über dessen Korps. Er errang bei Polozk 17. Aug. 1812 einen Sieg über die Russen, der ihm den Marschallsstab brachte. Während des Rückzugs bestand er 14. bis 20. Okt. auf demselben Schlachtfelde wiederum gegen Wittgenstein mehrere Gefechte, in denen er schwer verwundet wurde. Im Feldzuge von 1813 zeichnete er sich in der Schlacht bei Dresden aus und blieb zur Verteidigung der Stadt nach dem Aufbruch der Hauptarmee zurück. Erst 11. Nov. schloß er eine ehrenvolle Kapitulation, welche jedoch die verbündeten Monarchen verwarfen, sodaß er mit 16000 Mann kriegsgefangen nach Ungarn abgeführt und erst nach der Restauration der Bourbons entlassen wurde. Ludwig XVIII. erhob ihn zum Pair und ernannte ihn, weil er während der Hundert Tage treu geblieben, 9. Juli 1815 zum Kriegsminister. Um nicht die Verträge mit den fremden Mächten zu unterzeichnen, dankte er im November wieder ab. Der Hof gab ihm die 5. Militärdivision und erhob ihn zum Grafen, dann zum Marquis. Am 23. Juni 1817 übernahm er das Ministerium der Marine, 12. Sept. wieder das des Kriegs. Nachdem er 19. Nov. 1819 sein Portefeuille abgegeben, beschränkte er seine öffentliche Thätigkeit auf die Pairskammer. Seit 1821 zog er sich gänzlich zurück. Er starb 17. März 1830 auf einer Reise nach den Hyerischen Inseln. S. war ein edler, streng rechtlicher Charakter; als General gehörte er mehr zu den tüchtigen als zu den ausgezeichneten. Er veröffentlichte sein Journal über den Feldzug in Catalonien unter dem Titel Matériaux pour servir à Phistoire de la guerre d'Espagner (Par. 1821). Auch schrieb er „Mémoires sur les campagnes des armées du Khin et de Khin et Moseller (4 Bde., Par. 1829) und Mémoires pour servir à Lhistoire militaire sous le Directoire, le Consulat et IEmpire) 4 Bde., Par. 1831). Vgl. Gay de Vernon, Vie de Gouvion S.5 (Par. 18579).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 111Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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