FeedMassena (André)
GeschichteBrockhaus 1882

Massena (André), Herzog von Rivoli, Fürst von Eßling, franz. Marschall, wurde 6. Mai 1758 zu Leven bei Nizza als Sohn eines Weinhändlers geboren. In seiner Knabenzeit war er Schiffsjunge, ließ sich aber 1775 für die franz. Infanterie anwerben, wurde Unteroffizier, verließ jedoch 1786 den Dienst und kehrte nach Nizza zurück, wo er sich verheiratete. Im J. 1789 trat er wiederum in ein Freiwilligenbataillon des Depart. Var und wurde 1792 Bataillonschef, Aug. 1793 Brigadegeneral und im Dez. Divisionsgeneral. Als solcher zeichnete er sich in den Feldzügen in Oberitalien vielfach aus, hatte auch später, als Bonaparte 1796 den Oberbefehl übernahm, den ruhmvollsten Anteil an allen Erfolgen und entschied namentlich 14. Nov. 1797 die Schlacht von Rivoli. Im J. 1798 schickte ihn das Direktorium an Berthiers Stelle als Obergeneral in die röm. Staaten; er legte jedoch den Befehl bald nieder, da die franz. Offiziere seiner Erpressungen wegen offen gegen ihn auftraten, und erhielt den Oberbefehl in der Schweiz; 25. Sept. 1799 errang er über die Russen den Sieg bei Zürich. Nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire schickte ihn Bonaparte nach Genua. M. mußte im Juni 1800 die Festung übergeben, erhielt aber dennoch nach dem Siege von Marengo den Oberbefehl über die ganze ital. Armee. Obschon M. Republikaner blieb, wurde er bei Errichtung des Kaiserthrons zum Marschall erhoben. Im Feldzuge von 1805 erhielt er nochmals den Oberbefehl in Italien, eroberte 1806 Gaéta und vertrieb die in Calabrien gelandeten Engländer. Im J. 1807 befehligte er nach der Schlacht von Eylau den rechten Flügel der franz. Armee und wurde nach dem Frieden von Tilsit zum Herzog von Rivoli erhoben. Im österr. Feldzug von 1809 hatte M., dem kurz vorher Berthier unversehens auf der Jagd das linke Auge ausgeschossen hatte, bis zu Napoleons I. Ankunft den Oberbefehl. Während der Schlacht bei Aspern und Eßling 21. Mai deckte er den übergang der Armee über die Donau, indem er beide Dörfer besetzte und verteidigte, wodurch er dann beim Rückzug 22. Mai das Heer vor Vernichtung rettete. Hierauf zum Fürsten von Eßling ernannt, erhielt er 1810 den Oberbefehl in Portugal. Zwar nahm er Ciudad Rodrigo und Almeida und drängte Wellington unter die Mauern von Lissabon, mußte sich jedoch wegen der Unmöglichkeit, das Heer in jener Gegend zu verpflegen, zurückziehen. Er schlug die Briten nochmals 3. Mai 1811 bei Fuentes d'Onor und legte dann, krank und mißmutig, Anfang 1812 den Befehl nieder. Erst als sich Napoleon zum Feldzuge nach Rußland vorbereitete, bot er seine Dienste wieder an und erhielt die 8. Militärdivision in der Provence. Ludwig XVIII. gab ihm einen Naturalisationsbrief und erhob ihn 20. Dez. 1814 zum Pair. M. blieb den Ereignissen der Hundert Tage fern; nach der Schlacht von Waterloo übernahm er den Befehl über die Nationalgarde von Paris. Nach der zweiten Restauration zog er sich ins Privatleben zurück, veröffentlichte Mémoires sur les événements de 1815 en Provence (Par. 1816) und starb 4. April 1817. M.s Mémoireso (4 Bde., Par. 1849) gab General Koch heraus; Toselli schrieb seine Biographie (Par. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 511Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 9

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6