Grouchy (Emanuel, Marquis von), Marschall und Pair von Frankreich, geb. zu Paris 23. Okt. 1766, trat 1781 in die franz. Artillerie, wurde 1785 Kapitän in der Garde-du-Corps und war 1792 Oberst des Dragonerregiments Condé. Schon im September desselben Jahres wurde er zum Brigadegeneral in der Alpenarmee befördert und kämpfte 1794 gegen die Royalisten in der Vendee, wo er sich bei Nantes und Sorrineres auszeichnete. Als Adeliger mußte er dann seine Stelle niederlegen, erhielt jedoch dieselbe nach dem 9. Thermidor wieder zurück, wurde im Juni 1795 zum Divisionsgeneral ernannt und kämpfte in der Küstenarmee unter General Hoche. G. wurde dann Chef des Generalstabes der Nordarmee und 1797 zweiter Befehlshaber des nach Irland bestimmten Korps. Nach dem Scheitern dieses Unternehmens wurde er zu Joubert nach Italien gesendet. Er organisierte 1798 nach der Übergabe Piemonts die Provisorische Regierung, trat 1799 unter Moreaus Oberbefehl, schlug 14. Juni den General Bellegarde bei Alessandria und wurde in der Schlacht bei Novi schwer verwundet und gefangen, aber 1800 wieder ausgewechselt. Im Feldzuge von 1800 berief ihn Moreau zur Rheinarmee, wo er sich besonders in der Schlacht bei Hohenlinden auszeichnete. Nach dem Luneéviller Frieden wurde er zum Generalinspektor der Kavallerie ernannt. Wegen seiner Anhänglichkeit an Moreau fiel er bei Napoleon in Ungnade und blieb ohne Beförderung. Im Kriege gegen Preußen schlug er 26. Okt. 1806 die preuß. Kavallerie bei Zehdenick und zeichnete sich dann bei Lübeck, ebenso 1807 gegen die Russen bei Eylau und Nachdbur aus, wo er eine schwere Wunde erhielt. ach kurzem Dienst in Spanien 1808 wurde er 1809 zur ital. Armee unter dem Prinzen Eugen versetzt, an 9 bie Feldzuge in Italien und Ungarn er teilnahm, hier 14. Juni am Treffen bei Raab. Nachdem er zur Hauptarmee Napoleons gestoßen, führte er auf dem rechten Flügel die gesamte Reiterei über die Donau nach Wagram und trug dort wesentlich zur Entscheidung bei; bei der Verfolgung vernichtete er einen Teil der österr. Nachhut. Napoleon ernannte ihn dafür zum Generaloberst der Chasseurs und Großoffizier des Reichs. Im russ. Feldzuge von 1812 befehligte G. eins der drei großen Kavalleriekorps, nahm Borisow und Orsza und that sich namentlich bei Borodino Rüdzu⸗ wo er schwer verwundet wurde; auf dem Rückzuge ebitdete. er die aus den Trümmern der Reiterei gebildete Escadron saeré. Im Feldzuge von 1813 blieb G. ohne Anstellung. Erst als die Verbündeten in Frankreich eindrangen, übernahm er wieder ein Kavalleriekorps, zeichnete sich bei Vauchamps und Etoges aus, wurde aber 7. März bei Craonne schwer verwundet. Nach der Restauration wurde er verbannt, durfte jedoch im Jan. 1815 zurückkehren. Bei der Rückkehr Napoleons ergriff er dessen Partei, erhielt die Marschallswürde und das Kommando der Alpenarmee und übernahm dann den Oberbefehl über die Reservekavallerie. Nach der Schlacht bei Ligny sollte er am folgenden Tage mit 36 000 Mann und 100 Kanonen den Rückzug des preuß. Heers unter Blücher verfolgen. Allein Blücher hatte sich bereits mit drei Korps zur Verbindung mit Wellington in Marsch gesetzt, und G. stieß nur auf den General Shne alle R. den er 18. Juni bei Wavre angriff. Ohne alle Nachricht gelassen, zog er sich nach seinem Siege bei Wavre, als ihm die Niederlage von Waterloo bekannt wurde, über Namur nach Rethel zurück. Nachdem er die Abdankung des Kaisers erfahren, rief er Napoleon II. zum Kaiser aus und schickte die Kavallerie zur Aufnahme der Heerestrümmer auf Laon und Soissons vor, während er mit der Infanterie auf Rheims zog. Von der ler ttorps de Regierung zum Oberbefehlshaber aller Korps der großen Armee ernannt, wendete er sich nach Soissons und führte nach des Kriegsministers Davoust Befehl das noch 45000 Mann starke Heer unter die Mauern von Paris zurück. Als die Unterhandlungen begannen, legte er das Kommando sogleich nieder und zog sich gänzlich zurück. Abermals verbannt, ging er nach Nordamerika, erhielt aber 1819 die Erlaubnis zur Rückkehr und lebte seitdem als disponibler General auf seinem Gute Ferriere bei Caen. Nach der Julirevolution vom Depart. Allier in die Kammer gewählt, wirkte er für das Interesse der neuen Dynastie. Sein Marschallsgrad wurde 1831 anerkannt und er 1832 zum Pair erhoben. G. starb 29. Mai 1847 während einer Reise zu St.⸗Etienne. Sein Enkel veröffentlichte: Mémoires du maréchal de G.v (Bd. 1—4, Par. 1873—75).