FeedSalvandy (Nareisse Achille, Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Salvandy (Nareisse Achille, Graf), franz. Staatsmann und Publizist, geb. 11. Juni 1795 zu Condom im Depart. Gers, diente 1813 und 1814 als Freiwilliger, wurde bei Brienne verwundet und stieg bis zum Adjutantmajor. Im J. 1819 erfolgte seine Ernennung zum Reguétenmeister im Staatsrate, welcher Stelle er 1821 wegen einer liberalen Flugschrift entsetzt wurde. Hierauf veröffentlichte er den Halbroman Don Alonzo, ou PEspagnen (4 Bde., Par. 1824; 7. Aufl. 1857; deutsch, 5 Bde., Bresl. 1825), sodann Islaor, ou le barde chrétien, nouvelle gauloiser (Par. 1824; deutsch von Erlach, Heidelb. 1825). Als Historiker versuchte er sich in einer Biographie Napoleons (1824) und mit mehr Erfolg in der (istoire de Pologne avant et sous le roi Jean Sobieski (2. Aufl., Par. 1830; 5. Aufl. 1855; deutsch, Stuttg. 1827). Im J. 1827 wurde S. zum Staatsrat ernannt, legte aber unter dem Ministerium Polignac diese Stelle wieder nieder. Nach der Revolution von 1830 trat er in die Kammer, deren Mitglied er bis 1848 blieb; er schloß sich hier den Doctrinaires an. Im J. 1835 erfolgte seine Wahl zum Mitglied der Französischen Akademie. Im Ministerium Molé übernahm S. an Guizots Stelle 15. April 1837 das Portefeuille des Unterrichts, das er bis März 1839 führte. Nachdem er eine Zeit lang als Vizepräsident der Deputiertenkammer fungiert, ging er w1841 als Gesandter nach Madrid, wo einEtikettenstreit mit Espartero ihn bald zur Rückkehr nötigte. Im J. 1843 wurde er in den Grafenstand erhoben und ging als Gesandter nach Turin, legte aber diese Stelle schon 1844 nieder. Anfang Febr. 1845 folgte er Villemain als Minister des öffentlichen Unterrichts und Großmeister der Universität. Seit 1848 lebte er zurückgezogen und starb 15. Dez. 1856 auf seinem Schlosse Graveron (Eure).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 155Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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