Samoa-Inseln, Navigatoren oder Schifferinseln, eine im NO. der Tongainseln, zwischen 13* und 15 südl. Br. und 169“ und 173 westl. L. von Greenwich gelegene Inselreihe Polynesiens, die aus vier großen und zehn kleinen Inseln besteht, welche zusammen 2787 akm umfassen. Die großen sind Savaii (s. d.), Upolu (s. d.), Tutuila (s. d.) und Manua oder Tau (s. d.). Die Inseln haben hohe, meist steile Küsten, aber bei dem Mangel an Dammriffen keine besonders guten Häfen, und sind alle voll hoher Berge, die auf Savaii eine Höhe von 1300 meerreichen, und deren Gestein durchaus vulkanisch ist. Schöne Ebenen, welche die Berge an den Küsten umgeben und die einzigen bewohnten Teile bilden, zeichnen sich durch gutbewässerten, sehr fruchtbaren Boden und eine reiche Tropenvegetation aus. Die Samoagruppe kann zu den schönsten, ergiebigsten und anmutigsten Inseln der ganzen Südsee gerechnet werden. Die Bevölkerung besteht, abgesehen von etwa 300weißen Fremden und ungefähr 1000 Plantagenarbeitern von andern Südseeinseln, aus (1874) 34265 Eingeborenen polynesischer Rasse, welche sich mit wenigen Ausnahmen zum Christentum bekennen; sie sind hellfarbig, kräftig und schön gebaut. Im Äußern wie im Bildungsstande den Tongainsulanern ziemlich ähnlich, stehen sie diesen auch an Kunstfertigkeit nicht nach, treiben jedoch den Landbau nicht in gleicher Ausdehnung. Auch entbehrten sie der polit. Einheit, welche das Nachbarvolk bei der Entdeckung besaß, und waren in viele kleine Staaten geteilt, die beständige Fehden unterhielten. Die S. wurden 1722 vom Holländer Roggeween entdeckt, welcher sie Baumannsinseln nannte, im Mai 1768 von Bougainville näher erforscht, von diesem aber Navigatoren genannt, weil sich in diesem Teile des Oceans die Kurse mehrerer Seefahrer nahe berühren. La Perouse besuchte 1787 die Inseln; sein Lieutenant de Langle nebst 11 andern Offizieren und Matrosen wurde in der Massacrebai der Insel Tutuila von den wilden Eingeborenen erschlagen. Im J. 1830 begann der Missionar Williams mit der Einführung des Christentums. Im folgten 1836 sechs Glaubensboten der londoner Missionsgesellschaft, und seitdem sind die S. ein Hauptfeld der Missionsthätigkeit in der Südsee geworden. Es bestehen Schulen und Kirchen; im Dorfe Apia auf Upolu befindet sich sogar eine Anstalt für Bildung heimischer Lehrer, sowie eine Druckerei, in welcher eine engl. Zeitung, der KSamoan Reportero, und religiöse Schriften in der Samoasprache gedruckt werden. In diesem Hauptort, in dem sich viele handeltreibende Curopäer niedergelassen haben, ist auch der Sitz eines deutschen, eines engl. und eines amerik. Konsuls. Der Amtsbezirk des deutschen Generalkonsulats zu Apia umfaßt die S. und die Tongainseln, sowie die übrigen Inseln der Südsee, soweit sie nicht einer vom deutschen Reiche anerkannten anderweiten Jurisdiktion unterworfen sind. Der Wert der Einfuhr im Hafen von Apia, dem Mittelpunkte des deutschen Handels in der westl. Südsee, bezifferte sich 1884 auf 1440 285 Mark, davon allein von deutschen Kaufleuten 1032 712 Mark, derjenige der Ausfuhr belief sich in demselben Jahre auf 1464232 Mark, darunter von Deutschen 1384 132 Mark. Von Deutschland werden großenteils bezogen: die Manufaktur⸗, Eisen⸗, Leder⸗, Kurz- und Galanteriewaren, Waffen und Munition, Chemikalien, Droguen, Schiffsbedürfnisse, so- wie fast ausschließlich Steinkohlen und Getränke. Die Ausfuhr, welche gänzlich in deutschen Händen liegt, besteht aus Kopra und Baumwolle. Die deutsche Handels⸗ und Plantagengesellschaft, deren Hauptagentur sich in Apia befindet, hatte 1884 für den von ihr versorgten Teil der Südsee eine Gesamteinfuhr im Werte von 985 112 Mark und eine Ausfuhr im Werte von 2640696 Mark. Im Hafen von Apia liefen 1884 ein und aus: 232 Schiffe von 35090 t, einschließlich der Küstenfahrer; darunter befanden sich 161 deutsche Schisse von 18 620 t, einschließlich 57 Küstenfahrer, außerdem 6 Kriegsschiffe, darunter 3 deutsche. Seit 1880 regiert König Malietoa Laupepa, welcher zu Mulinuu bei Apia auf Upolu seinen Sitz hat; die Residenzdes zum Gegenkönig erwählten Tamasese ist Leulumoega auf Upolu. Durch den zu Washington 17. Jan. 1878 abgeschlossenen Freundschafts- und Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten von Amerika wurde diesen der Hafen von Pagopago auf Tutuila zu Niederlagen für Kohlen und andere Schiffsbedürfnisse zur Verfügung gestellt. Der 24. Jan. 1879 zu Apia abgeschlossene Freundschaftsvertrag mit dem Deutschen Reiche sichert auf den S. den deutschen Staatsangehörigen die gleichen Rechte mit den meistbegünstigten Nationen und stellte den Hafen von Saluafata auf der Nordküste von Upolu den deutschen Kriegsschiffen zur Benutzung und Anlegung von Magazinen zur Verfügung. Am 28. Aug. 1879 wurde zu Apia auch mit Großbritannien ein Freundschaftsvertrag abgeschlossen, wodurch brit. Staatsangehörigen gleiche Rechte wie denen der meistbegünstigten Nationen gesichert und die Anlage einer Marine- und Kohlenstation gestattet wird. Endlich stellte die Konvention vom 2. Sept. 1879 die Stadt und den Distrikt Apia unter eine Municipalität, an deren Spitze die dortigen deutschen, brit. und amerik. Konsuln