Sandwichinseln oder Hawaii-Inseln, eine zu Polynesien gehörige Inselgruppe im nordöstl. Teile des Stillen Oceans, zwischen 154 30 und 161 westl. L. (von Greenwich) und zwischen 18 50˙ und 22* 30 nördl. Br. gelegen, bestehend aus acht größern bewohnten Inseln und fünf kleinen Eilanden, im Gesamtumfang von 16 946 qlm mit (1884) 80578 E., darunter 40014 Eingeborene, 4218 Mischlinge, 17939 Chinesen, 9377 Portugiesen, 2066 Nordamerikaner, 1600 Deutsche, 1282 Engländer, 956 fremdbürtige Polynesier, 362 Norweger, 192 Franzosen und 116 Japaner. Von den 80578 C. sind 51539 männlichen und 29039 weiblichen Geschlechts, nach der Konfession bekennen sich 29685 zum Protestantismus und 20072 zum Katholizismus. Die Inseln gehören zur Kuasse der hohen austral. Inseln, sind vulkanischer Natur, enthalten noch thätige Vulkane, namentlich auf Hawaii den Mauna-Loa und den Kilauea mit seinem riesigen Krater, und werden von hohen Gebirgen bedeckt, die auf Hawaii im Mauna-Kea bis zu 4000 m Höhe ansteigen. Fruchtbar, von mildem Klima und gut bewässert, bilden sie die reizendste Gruppe Polynesiens. Die Küsten sind meist steil und hoch, aber bis auf eine Ausnahme ohne Dammriffe, weshalb gute Häfen selten. Ursprünglich an Tieren sehr arm, ist jetzt durch die Verpflanzung der europ. Haustiere, von denen nur das Schaf nicht gedeihen will, der Tierreichtum größer geworden. Dazu ist das Meer reich an Seetieren aller Art, besonders an Schildkröten. Unter den teils einheimischen, teils eingeführten Kulturpflanzen sind Kokosuahy Bananen, Aronswurzel und Bataten Hauptnahrungspflanzen, nächst diesen Mais und Kartoffeln. Außerdem findet man den Papiermaulbeerbaum, das Zuckerrohr der Südsee, schöne Wälder, welche Schiffbauholz liefern, sowie die europ. Südfrüchte, Weintrauben, Melonen, Obst und Gemüse verschiedener Art. Von mineralischen Produkten nur das Salz zu nennen, welches die Küste in Renge liefert. Die Einwohner (Kanaken) gehören zu den schönsten und kräftigsten Stämmen der polynesisch-malaiischen Familie. Noch ehe sie mit den Europäern in genauere Berührung kamen, zeichneten sie sich durch Kunstfertigkeit und sanften Charakter aus. Jetzt sind sie durch engl. und amerik. Missionare zum Christentum bekehrt und an europ. Civilisation, doch auch an deren Laster und Entartungen gewöhnt. Es haben hier ihren Sitz ein apostolischer Vikar und ein Bischof der anglikan. Kirche. Die Eingeborenen zerfallen in vier Stände, deren erster aus der königl. Familie und den höchsten Staatsbeamten, der zweite aus den erblichen Statthaltern der einzelnen Inseln und Bezirke, eine Art Vasallen, von den alten Häuptlingen abstammend, der dritte aus den Vorstehern der Dorfschaften und Unterbezirke, der vierte aus der Masse des Bolks besteht. Die Inselgruppe führt offiziell den Titel Königreichder Hawaiischen Inseln; die Verfassung wurde im Okt. 1840 festgesetzt, 1845 aber und namentlich 6. Dez. 1852 unter dem Einflusse der Nordamerikaner durch sehr freisinnige Institutionen modifiziert, endlich 20. Aug. 1864 durch eine neue Verfassung ersetzt. Nach dieser muß der König in wichtigen Angelegenheiten einen Geheimen Ratpversammeln, bestehend aus den Ministern (des Außern, Innern, der Finanzen), dem Oberstaatsanwalt und aus vom König ernannten Mitgliedern, welche zur Hälfte aus Eingeborenen, zur Hälfte aus naturalisierten Fremden ausgewählt werden. Das Parlament besteht aus einem Herrenhause (House of nobles) von höchstens 20 auf Lebenszeit ernannten und einem Abgeordnetenhause von höchstens 42, mindestens 24 auf zwei Jahre gewählten Mitgliedern. Es muß alle zwei Jahre zusammenberufen werden; es verhandelt gleicherweise in der Muttersprache und in der englischen. Die Staatsreligion ist die protestantische; andere christl. Kulte werden geduldet. Es gibt Schulen für die Kinder der königl. Familie und der Abkömmlinge der frühern Häuptlinge, andere für die Kinder der höhern Stände, welche sämtlich von der Regierung unterhalten werden. Die Elementarschulen gehören den Gemeinden undwerden vondiesen unterhalten. Die Rechtspflege wird von besondern Justizbeamten besorgt. Das Strafgesetzbuch ward vom Parlament 21. Juni 1850 erlassen. Ein oberster Gerichtshof ist aus dem Kanzler und zwei Richtern zusammengesetzt. Der Oberstaatsanwalt ist Mitglied des Kabinetts und Chef der Polizei. Der König hat das Recht, alle Eingeborenen ohne Ausnahme zu den Fahnen zu rufen. Das stehende Heer beträgt nur 75 Mann. Außerdem bestehen vier Kompagnien freiwilliger Infanterie, Kavallerie und Artillerie, zusammen 400 Mann, welche in Honolulu stehen. Eine Kriegsmarine gibt es nicht von Staats wegen. Der Handel il bei der Lage der Inseln, auf den großen Seehandelswegen zwischen Amerika, Asien und Australien, sehr blühend; besonders dienen sie den Walfischfahrern als Stations⸗ und Sammelpunkt. Der früher sehr lebhafte Export von Sandelholz nach China hat mit der Erschöpfung der Wälder aufgehört. Der Verkehr wird vorzüglich von den Nordamerikanern und Engländern, doch auch durch die Eingeborenen betrieben, die eine zum Teil von ihnen selbst gebaute Handelsmarine besitzen. Der Gesamtimport in sämtlichen Häfen der Hawaiischen Inseln stellte sich 1884 auf 4638000 Doll. Haupteinfuhrgegenstände sind fertige Kleidungsstücke, wollene und baumwollene Waren, Eisen⸗ und Stahlwaren, Bauholz u. s. w. Der Wert der gesamten Ausfuhr betrug 8185000 Doll.; die wichtigsten Produkte der Ausfuhr sind Zucker, Reis, Kaffee, Talg, Pulu, Wolle, Bananen, Rinds⸗ und Ziegenfelle. Der Hauptexport findet nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, nach Australien, Neuseeland und Britisch-Columbia statt. Eingelaufen waren in den Hafen von Honolulu im J. 1884: 239 Schiffe zu 186871 t, von denen 191 nordamerikanische, 29 englische, 4 französische, 4 deutsche und 11 hawaiische. Die Handelsflotte zählt (1884) 53 registrierte Fahrzeuge von 9826 t, darunter 12 Dampfer. Die Einnahmen betrugen in der Periode 1. April 1882 bis 31. März 1884 im ganzen 3218 626 Doll., die Ausgaben 3216 406 Doll. Die Staatsschuld stellte sich 1. April 1884 auf 898 800 Doll. Kraft des Gesetzes vom 5. Aug. 1882 ist der Finanzminister ermächtigt worden, im Laufe von drei Jahren eine sechsprozentige Anleihe bis zur Höhe von 2 Mill. Doll. zu kontrahieren, die zur Bestreitung der Kosten für gemeinnützige Arbeiten bestimmt ist. Das Wappen der S. ist ein quadrierter Schild, in dessen erstem und viertem silbernen Felde drei rote und blaue Querstreifen erscheinen, im zweiten und dritten goldenen ein Wedel sich befindet; in dem grünen Mittelschilde liegt ein solcher über zwei Pfeilen. Üüber dem Schild schwebt eine Krone, auf deren Zinken ein ausgespannter Schirm mit dem Reichsapfel ruht. Neben dem Schild stehen zwei Eingeborene mit hoher Mütze, in den Händen Stab und Speer. Die Flagge enthält sieben horizontale Streifen rot, weiß, blau, rot u. s. w., in der obern Ecke am Fahnenstock ein blaues Feld zweimal rotweiß gekreuzt. Ein Ritterorden des Königs Kamehameha wurde 4. April 1865 gestiftet. Die acht bewohnten Inseln der Gruppe sind Hawaii, Maui, Kahulaui (auch Kahulawe), Lanai, Molokai, Oahu, Kauai und Nühau. Die östlichste und größte derselben ist Hawaii (11 356 glem mit 24 991 E.), die wichtigste ist Oahu (1680 alem mit 28 068 E.). Den ganzen südl. Teil der letztern Insel nimmt eine große fruchtbare Ebene ein, die den ergiebigsten, am besten angebauten und am stärksten bevölkerten Distrikt des ganzen Archipels bildet. Auch ist diese Südküste, an der sich einige erloschene Vulkane erheben, von einem breiten Dammriff umgeben, das mit dem Lande den einzigen vollkommen guten Hafen der Inselgruppe bildet, welche die Hafen⸗ und Residenzstadt Honolulu, Mittelpunkt der Regierung und des gesamten Verkehrs, mit 20487 E., enthält. An Eisenbahnen sind eröffnet: auf Hawaii die Linien von Hilo nach der Plantage Waiakea (8 kKm) und von Mahukona durch den Distrikt Kohala (32 km; im Norden der Insel); auf Maui die Linie vom Hafenort Kahulaui über Wailuku nach Haiku und Makawao (11 km); zusammen 51 km. Die erste Telegraphenleitung, zwischen Wailuku und Lahaina auf Maui (64 Km), wurde 1878 eröffnet und ist seitdem über die ganze Insel ausgedehnt worden. Telephonleitungen umgeben die Insel Oahu (etwa 160 Em) und gehen von Hilo bis Kawaihae auf Hawaii (144 km). Die nordwestlich von der Sandwichgruppe gelegenen Inselchen Läysan und Lisiansky, die südwestlich belegene Cornwallis oder Johnston, welche drei 1857, und die Insel Palmyra unter 5 50“ nördl. Br. und 144 13“ westl. L., welche 1862 von seiten der S. in Besitz genommen wurden, tragen wertvolle Guanolager. Geschichtliches. Die Inseln wurden 1778 durch Cook entdeckt, der 1779 auf Hawaii durch Mord fiel. Von 1784 bis 1810 unterwarf sich König Kamehameha I., der Begründer der Civilisation auf diesen Inseln, die ganze, vormals in mehrere selbständige Reiche getrennte Gruppe. Sein Sohn Kamehameha II. schaffte den Götzendienst ab und reiste mit seiner Gattin nach London, wo beide 1824 starben. Es folgte nun in der Regierung der Bruder des letztern, Kamehameha III., geb. 1814, der 1837 die sich eindrängenden kath. Missionare verbannte, doch wurde die Ausführung dieser Maßregel durch das Erscheinen einer franz. Fregatte unter Dupetit-Thouars verhindert. Der von Frankreich ausgeübte Zwang bestimmte die Ratgeber des Königs, das alte Verhältnis zu England näher zu untersuchen. Man fand, daß die Unterthänigkeit der Inseln zwar in zwei Verträgen stipuliert worden, in der Wirklichkeit aber nie bestanden habe, und erklärte nun feierlich die Unabhängigkeit des Archipels. Nachdem 1842 Dupetit-Thouars abermals erschienen war, um neue Begünstigungen für die Katholiken zu fordern, erfolgte 25. Febr. 1843 die Besetzung der Inseln durch die Engländer, die sie aber schon 8. Juli wieder aufgaben. Gesandtschaften nach London und Washington bewirkten 1844 die Anerkennung der Unabhängigkeit der Inseln und Souveränetät des Königs von seiten Englands und Nordamerikas. Aber schon im Februar desselben Jahres, und nochmals 26. März 1846, schloß England einen Friedens- und Freundschaftsvertrag mit dem Könige, welcher alle Macht in die Hände der Engländer legte und in dem sich der König als Unterthan Englands erklärte. Auch Frankreich schloß im März 1843 einen Handelsvertrag mit dem König ab; aber schon 1849 geriet es wieder in Streit mit ihn. Der franz. Konsul Dillon, gestützt auf eine im Hafen von Honolulu angekommene franz. Fregatte und zwei Kriegsdampfer, forderte von der Regierung Herabsetzung der Zölle, Gleichberechtigung der Missionare, Gebrauch der franz. Sprache in der offiziellen Korrespondenz. Als sich die Regierung dessen weigerte, landeten die franz. Truppen, besetzten das Fort, vernagelten die Kanonen, nahmen die hawaiischen Schiffe im Hafen weg, schifften sich aber nach einer Protestation des nordamerik. und engl. Konsuls nach einigen Tagen wieder ein. Neue Drohunger von seiten der Franzosen im März 1851 führten den König mehr und mehr den Nordamerikanern zu. Ihm folgte 15. Dez. 1854 Kamehameha IV., geb. 1834, vermählt 1856 mit Emma Rooke. Er brach die eingeleiteten Verhandlungen über Annexion des Archipels an die Vereinigten Staaten ab und erwarb sich durch seine kluge und wohlwollende Regierung die allgemeine Achtung, auch in England, das er mit seiner Gemahlin besuchte. Nach seinem Tode im Nov. 1863 regierte sein Bru⸗⸗ der Lot als Kamehameha V., bis derselbe 25. Dez. 1872 starb. Ihm folgte zunächst Lunalilo I. (ein Enkel des Königs Kamehameha I., geb. 31. Jan. 1834), welcher aber schon 3. Febr. 1874 starb.! Seit 12. Febr. 1874 ist Kalakaua I. (geb. 16. Nov. 1836), durch Wahl des Parlaments König in Hawaii, Sohn des Kapaakea und der Kekaulnohi, Nichte des Königs KamehamehaI. Vgl. die Reiseberichte von Ellis (deutsch, Hamb.. 1827), Stewart (Lond. 1830), Anderson (2. Aufl., Bost. 1864), Hill (Lond. 1856), Hopkins (Hawaii, the past, present, and future of its island-kingdomo, 2. Aufl., Lond. 1866), Remy (Ka Moolelo Hawaii. Histoire de l'archipel havaiieno, Par. 1862); Oberländer, Oceanienv (Lpz. 1873); Meinicke, Die Inseln des Stillen Oceansv (Lpz. 1575. Bird, «The Hawaian Archipelagop (Lond. 1875).