Samothrake, jetzt von den Griechen Samothraki, von den Türken Semenderek genannt, eine felsige Insel im nördlichsten Teile des Agäischen Meeres (dem sog. Thrazischen Meere) von etwa 185 akm Areal, besteht zum größten Teil aus einer in westöstl. Richtung verlaufenden Bergmasse (Saoke bei den Alten), deren höchster, jetzt Phengari genannter Gipfel sich 1754 müber der Meeresfläche erhebt; nur im Norden und Westen sind Strecken von Flachland vor die Berge gelagert. An der Nordküste lag die einzige, ebenfalls Samothrake genannte Stadt, von der noch ausgedehnte, zum Teil sehr altertümliche Ruinen unter dem Namen Paläopolis erhalten sind; die Ausgrabungen Conzes und Hausers 1873 haben namentlich Ruinen eines dorischen Marmortempels und eines Rundbaues bloßgelegt. Die Insel war zuerst von Phönikern, dann von einer wohl mit thrazischen Clementen vermischten griech. Bevölkerung bewohnt; ihre Berühmtheit verdankte sie im Altertum ausschließlich den an den Kultus der Kabiren (s. d.) geknüpften Mysterien. Zur Zeit der attischen Seeherrschaft war sie den Athenern tributpflichtig. Jetzt gehört sie zum türk. Reiche; die fast ausschließlich christl. Bevölkerung nährt sich von Ol⸗ und Getreidebau und Ausfuhr von Holz. Vgl. Conze, Reise auf den Inseln des Thrazischen Meereso (Hannov. 1860); Conze, Hauser und Niemann, Archäol. Untersuchungen auf S.v (Wien 1875).