Famagusta, Stadt auf der Ostküste Cyperns, wurde, wie es scheint, als Kama Augusta, vielleicht an Stelle einer ältern Stadt Arsinoé, in der röm. Kaiserzeit gegründet oder wiederhergestellt, muß aber bald verödet sein, was auch der griech. Name Ammochostos (vom Sande verschüttet) ausdrückt, wenn dieser auch vielleicht aus dem röm. Namen entstanden ist und nur durch Volksetymologie diese Calar erhalten hat. Als aber das nahegelegene Salamis (s. d.), das den Namen Constantia erhalten hatte, immer mehr verödete, bevölkerte sich F. wieder zu Anfang des 8. Che. n. Chr. und seit Ausgang des 12. an l. n. Chr. wurde F. unter Guido von Lusignan (s. d.) und dessen Nachfolgern die reichste und mächtigste Stadt der Insel. Durch die Lusignans, die Genuesen, welche, als Peter II. 1372 alle Genuesen auf der Insel hatte töten lassen, sich F.s bemächtigten und die Stadt fast ein ahrhundert hindurch besetzt hielten, und vollends durch die Venetianer, in deren Besitz Cypern durch den Verzicht der Caterina Cornaro 1488 überging, wurde F. auch eine der stärksten Festungen jener Zeit, deren 5 m starke Mauern noch stehen. Doch mußte die Stadt, nachdem sie eine zehnmonatliche Belagerung rühmeh ausgehalten hatte, 1571 sich den Türken ergeben. Seitdem ist sie in tiefern Verfall geraten. Obgleich noch Festung, wurde sie zuletzt nur noch von wenig Türken bewohnt. Von den vielen Kirchen F.s (es soll 300 gehabt haben) stehen nur noch zwei: die Kathedrale, welche als türk. Moschee, und eine andere, welche als Speicher und Stall benutzt wird. Im übrigen macht die düstere, öde Stadt mit den zahlreichen Ruinen von Kirchen und prachtvollen Häusern und Palästen einen unheimlichen Eindruck. Doch sieht dieselbe nunmehr, nachdem die Verwaltung Cyperns in die Hände der Engländer übergegangen ist, bei ihrer wichtigen Lage, da F. die gegenüberliegende asiat. Küste wie den Zugang zu der die Mitte der Insel einnehmenden Ebene beherrscht und einen großen Hafen hat, von neuem einem Aufschwung entgegen. Die Engländer haben bereits begonnen, den versandeten Hafen wieder zu vertiefen und die Quais herzustellen.