FeedSankt Blasien
ErdkundeBrockhaus 1882

Sankt Blasien, ehemals eine gefürstete Reichsabtei, zum österr. Breisgau gehörig, ist jetzt der Name eines Pfarrorts und eines Amtsbezirks im bad. Kreise Waldshut. Der Ort, an der obern Alb, inmitten großer Waldungen gelegen, ist Sitz eines Bezirksamts und eines Amtsgerichts, zählt (1885) 1219 E. und erfreut sich eines steigenden Rufes als klimatischer Kurort. Die Klostergebäude in S. sind jetzt Fabrikanlagen (Baumwollspinnereien) überlassen und zugleich Sitz großherzogl. Be hörden. Ihren Ursprung verdankt die Abtei Einsiedlermönchen, die sich anfangs Brüder an der Alb und ihre Wohnungen Albzelle nannten und erst, nachdem sie im 9. Jahrh. die Gebeine des uun Blasius in ihre Verwahrung genommen atten, ihrem Kloster den Namen S. gaben. Als eigentlicher Begründer der Abtei ist aber Reginbert von Seldenbüren zu betrachten, der 945 der Gemeinschaft der Brüder beitrat und ihnen Kloster alle seine Güter einverleibte. Durch kaiserl. Privilegien, Begünstigungen der Päpste und zahlreiche Schenkungen erlangte die Abtei sehr bald bedeutenden Länderbesitz, während sie gleichzeitig durch die hohe Wissenschaft mehrerer Abte und Glieder zu hohem Ansehen gelangte. Sie stand ursprünglich unmittelbar unter dem Kaiser; nachdem aber 1361 der Erzherzog Leopold von Ssterreich zum Schirmvogt gewählt worden war, wußte das Haus Osterreich diese Würde erblich zu machen. Schon 1405 erhielt der Abt vom Papste den Rang eines infulierten Prälaten. Um die frühere Unabhängigkeit wieder zu erlangen, kaufte der Abt Martin 1. 1611 die Grafschaft Bondorf, welche ihn zum Mitstand des Reichs machte und ihm einen Sitz im schwäb. Grafenkollegium gewährte. Ssterreich aber, um die reiche Benediktinerabtei an sein Haus zu fesseln, erhob 1746 den damaligen Abt Franz II., sowie alle seine Nachfolger in den Reichsfürstenstand, mit dem Titel eines kaiserl. Erberzhofkaplans; auch wurde ihnen der Vorsitz bei den Prälatenversammlungen im Breisgau zugesichert. Die Abtei brannte 1768 ab, wobei die kostbare Bibliothek verloren ging. Nebst den übrigen Klöstern des Breisgau wurde auch S. 1802 zur Entschädigung des Malteserordens bestimmt und, da dieses nicht zur Ausführung kam, im Preßburger Frieden von 1805 an Baden abgetreten, worauf 25. Juni 1807 die Aufhebung der Abtei erfolgte. Die Kirche zu S., welche nach dem Muster des Pantheons in Rom 1773—83 mit ungemeinem Kostenaufwande aufgeführt wurde, war eine der prächtigsten in ganz Deutschland. Im J. 1874 brannte die Kirche teilweise nieder, wurde aber mit eisernem Dachstuhl wiederhergestellt und dient nun als Ortskirche. Vgl. Bader, Das ehemalige Kloster S.» (Freib. i. Br. 1874); Buisson, &S. in topographischer und geschichtlicher Beziehung, so- wie als Luftkurorte (Freib. i. Br. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 198Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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