FeedWeingarten
ErdkundeBrockhaus 1882

Weingarten, Stadt im Oberamtsbezirk Ravensburg des württemb. Donaukreises, ist Sitz eines Kameral⸗ und Forstamts, zählt (1885) 5448 E., welche meist Ackerbau, Viehzucht und Viehhandel treiben, auch Baumwoll⸗, Leinen⸗, Strumpfwebereien, Tabaks⸗,Hefe-und Maschinenfabriken, Flachs- und Hanfspinnereien unterhalten und war bis 1865 ein Marktflecken mit dem Namen Altdorf-Weingarten. In der Mitte der Stadt, auf dem Martinberg, steht das große Schloß Weingarten, früher eine reiche Benediktinerreichsabtei mit großartiger, 1715—25 im Jesuitenstil erbauter Kirche, welche außer vielen Freskogemälden, Stuccaturarbeiten, Statuen u. s. w. eine große Orgel mit 6666 Pfeifen und 75 Registern enthält. Als Reliquie bewahrt sie einen Tropfen vom Blut Christi, der die Veranlassung zu dem berühmten Blutritt, einer alljährlichen Wallfahrt und einem damit verbundenen Umritt in militärischem Aufzug am Freitag nach Himmelfahrt gab. Die Abtei wurde 920 als Frauenkloster gegründet, 1047 in ein Mannskloster verwandelt und 1053 in das Schloß, den Stammsitz des welfischen Hauses, verlegt. Das Schloß samt seinen Nebengebäuden ist jetzt Infanteriekaserne.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 519Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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