Sankt Helena (frz. Sainte-Hélene), berühmte brit. Insel, Napoleons I. Verbannungsort und bis 1840 dessen Begräbnisstätte, erhebt sich, fast senkrecht aus dem Meere aufsteigend, einsam unter 15 55 südl. Br. und 11 57, östl. L., 1900 — von der afrik., 4450 von der amerik. Küste und 1120 der Insel Ascension entfernt, in der Mitte es Atlantischen Oceans, im Diana-Peak bis zu 538 über dem Meere. Die Insel besteht aus Alee felsen, die in vielfältigen Richtungen von rrercls durchschnitten sind, und ers cheint aus der Ferne als eine schwarze, verbrannte, vielfach zerspaltene, allen Seiten steil aufsteigende Felsenmasse. ie wurde 22. Mai, dem Namenstage der heil. Laddeer 1502 von dem Portugiesen Jodo de Noza entde und nach dieser Heiligen benannt. Damals war sie unbewohnt, und man fand daselbst nur Schildtröten und Seevögel. Die Portugiesen versehten 2p vierfüßige Tiere und Geflügel dahin, machten Anpflanzungen und säeten mancherlei Sämereien aus, doch legten sie keine Niederlassung an. Zu verschiedenen malen ließen sich Europäer auf dieser Insel nieder, wurden aber immer wieder vertrieben. Endlich setzten sich die Holländer fest, verpflanzten neue Tiere dahin und säeten neue Getreidearten aus. Die Englisch-Ostindische Kompagnie erhielt 1650 S. von den Holländern gegen Abtretung des Vorgebirges der Guten Hoffnung und legte daselbst 1660 eine Niederlassung an. Die Holländer bemächtigten sich zwar 1673 der Insel wieder durch Überrumpelung; doch noch in demselben Jahre eroberte die Kompagnie sie von neuem, baute das Fort St.⸗James und blieb seitdem im Besitz derselben, bis 1834 die Verwaltung in die Hände der brit. Regierung überging. Die Insel hat einen Flächeninhalt von 122 qm, 11 Kirchen und Kapellen, 18 Schulen und (1883) 5085 E., darunter Neger, Malaien und einige Chinesen. Vermöge der vulkanischen Natur der Insel ist sie mit Lava und fruchtbarer Erde bedeckt. Sonderbar aber ist es, daß sich die Fruchtbarkeit nur in den höhern Regionen zeigt, während die niedrigern Anhöhen und die Thäler ziemlich öde sind. Gerade die höchsten Gipfel und Plateaus sowie die steilsten Abhänge sind mit üppigem Pflanzenwuchs bedeckt. Eine 7—8 Ekm im Umkreise haltende Hochfläche ist die größte Ebene der Insel. Das Klima ist sehr mild, nur zwischen 10—16* R. schwankend und dabei sehr ungesund; in den Thälern ist es drückend heiß. Stürme und Erdbeben sind selten. Die Regenzeit tritt zweimal im Jahre ein, im Januar und im Juni, und dauert jedesmal 9—10 Wochen. Das Pflanzenreich liefert afrik. und europ. Produkte nebeneinander, Palmen und Eichen, Bambusrohr und Kastanien, Pisang und Apfel, Bataten, Orangen, Feigen, Granatäpfel, Kaffee, Gemüse u. s. w. Wein und Getreide fehlen und müssen eingeführt werden, besonders vom Vorgebirge der Guten Hoffnung. Von der ganzen Bodenfläche ist nur ein Sechzigstel kultiviert, obwol ein Fünftel guten Boden hat, ein Viertel wird von Grasweiden eingenommen. Es gibt wenige Pferde, desto mehr Ziegen, Rindvieh, Schafe, Schweine, Kaninchen, Perlhühner, Rebhühner, Fasanen, Schildkröten und Fische. Mehr als 160 klare Bäche geben frisches, gesundes Trinkwasser. Die aus Ostindien nach Europa zurückkehrenden (nicht aber, wegen der Passatwinde, die dahinfahrenden) Schiffe finden bei S. auf halbem Wege den besten Erfrischungsort, und nächst der Landwirtschaft leben die Bewohner hauptsächlich vom Schiffsverkehr. Im J. 1883 betrugen die Einnahmen 10000, die Ausgaben 11000, die Schuld 8000 Pfd. St.; die Einfuhr belief sich in demselben Jahre auf 56000 Pfd. St., die Ausfuhr auf 14000 Pfd. St. Der Hauptort Jamestown an der St.⸗ Jamesbai im NW., in deren Nähe sich das jetzt leere Grabmal Napoleons I. (s. d.) befindet, ist der einzige Landungsplatz der Insel, Sitz eines deutschen Konsulats, Station der Dampfer der Colonial-Mail-Line (London) und der Union Steamship-Company (Southampton), und besteht aus einer Straße mit 4 — 500 Häusern und etwa 1500 Die Häuser sind in einem so engen Thale erbaut, daß sie unmitttelbar an den Felsen stoßen. Die Stadt ist neuerdings durch die aus Afrika herübergekommenen Termiten (Ameisen) arg verwüstet worden. Daneben erhebt sich auf einem 183 m hohen Felsen ein Fort. Bemerkenswert ist eine neuerbaute Sternwarte. Es gibt sonst keine Ortschaften auf der Insel, sondern nur zerstreute Höfe. Ein solcher ist auch Longwood, einst der Aufenthalt Napoleons I., jetzt ein öDkonomiegebäude, das sich im Privatbesitz befindet. Es liegt auf einer 460 m hohen Hochebene. Gegen feindliche Landungen ist die Insel nicht bloß durch die hohen Felsen und die heftige Brandung gesichert, sondern es sind auch 6h0 den vornehmsten Punkten Batterien und Bollwerke angelegt, die sie zu einem Gibraltar machen. Gegen 200 Schiffe kommen jährlich in S. an. Die Insel war von jeher berühmt wegen der Sicherheit ihrer Reede. Um so mehr überraschte das Ereignis vom 17. Febr. 1849, wo die Rollers oder Sturmwogen, stufenweise höher steigend, ge rade über der Stadt hereinbrachen und große Verheerung anrichteten. Etwa 6 km von S. liegt die kleine Felseninsel Egg-Island, auf welcher die Engländer zur Zeit der Gefangenschaft Napoleons I. eine Redoute angelegt hatten. Vgl. Melliß, S., a physical, historical and topographical descriptiono (Lond. 1875).