Sarawak, ein unabhängiges, an der Nordwestküste der Insel Borneo (s. d.) gelegenes, sich vom Cap Datu bis zum Cap Kidorong auf eine Länge von 520 km an der Küste und auf 150—190 km in das Innere erstreckendes Staatswesen. S. wird östlich von dem Gebiete des Sultans von Bruni, zu welchem es früher gehörte, südlich und westlich von dem, einen Teil der niederländ. Residentschaft Westliche Abteilung von Borneo bildenden Reiche Sambas begrenzt. Die Bodengestaltung wechselt von den flachen, fruchtbaren, vielfach aber morastigen Ebenen an der Küste und den Flüssen bis zu den 2000 m hohen Gebirgsketten im Innern. Das Flußsystem des Landes ist sehr entwickelt. Außer vielen kleinern Flüssen sind größere und schiffbare: der Sarawak, nach welchem das Land den Namen führt, der Batang-Lupar und der Rejang. Letzterer hat noch 220 km landeinwärts 10 m Tiefe. Das tropische Klima ist nur in den sumpfigen, mit Wäldern von Rhizophoren⸗, Avicennien- und Ägicerasarten bedeckten Küstenstrichen minder gesund, in den höher gelegenen Teilen des Innern dagegen gemäßigt, gesund und angenehm. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist sehr groß, sodaß daselbst fast alle tropischen Kulturgewächse gedeihen und namentlich Zuckerrohr, Kaffee und Baumwolle angebaut werden. Andere wichtige Produkte sind Pfeffer, Sago, Arrowroot, Getah-Percha, Kautschuk, Wachs, Rotan und eine Menge der vortrefflichsten Holzarten. Das Mineralreich liefert Gold, Kohlen und vor allem Spießglanz in größter Menge. Die Bevölkerung des Landes, die annähernd auf 200000 angegeben wird, ist eine sehr gemischte. Von Sumatra eingewanderte Malaien wohnen an allen Flüssen. Chinesen kommen als Händler, Ackerbauer und Minenarbeiter im ganzen Gebiete zahlreich vor. Das Hauptvolk bilden die in viele kleine Stämme zersplitterten und verschiedene Dialekte redenden Dajaks. Die Hauptstadt ist Sarawak oder Kutsching am rechten Ufer des Sarawakflusses, das, seit es zum Freihafen erklärt worden, sich bedeutend gehoben hat. Die Einwohnerzahl, welche 1848 erst 6000 betrug, hat sich seitdem lents in als 18000 erhoben, und im gleichen Verhältnis stieg auch der Handel. An der Spitze des Staats steht ein Radscha, welcher nach dem altmalaiischen, Udang-Udang genannten Deroiden wneie regiert, soweit die Bestimmungen desselben nicht barbarischer Natur sind. Es bestehen zwei Gerichtshöfe mit summarischem Verfahren, deren einem der Radscha, deren anderm die malaiischen Häuptlinge oder Datus vorsitzen. In letzterm gilt der Koran. Es besteht eine Kopfsteuer, die zur Unterhaltung der Regierung und Schulen, sowie des einzigen Kriegsdampfers dient, der auf die zählreichen Seeräuber Jagd macht. Die Geschichte S.s ist eine der abenteuerlichsten neuerer Zeit. Am 1. Aug. 1839 landete hier mit seinem Schoner Royalist der Engländer James Brooke (s. d.), dem es gelang, den einheimischen Fürsten, Sultan Hassim, zur Abtretung des Gebietes S. zu bewegen. Brooke wurde hierauf 24. Sept. 1841 feierlich zum Radscha des Landes ausgerufen und gründeteeinen unabhängigen Staat. Dem verderblichen Seeraube ward Einhalt gethan, die dajakische Sitte des Kopfabschneidens im Gebiete von S. ausgerottet und ein Grad von Civilisation unter der wilden Bevölkerung eingeführt, wie er bis dahin in Borneo unbekannt war. James Brooke, von der Königin zum Baronet erhoben, ging 1863 nach England und überließ die Regierung seinem Neffen Charles Johnson Brooke, welcher jedoch bereits im Dez. 1868 starb. Diesem folgte ein anderer Neffe, Stuart Johnson Brooke, welcher mit dem Titel Tuwan-Muda, junger Herr, gegenwärtig in S. herrscht. Im Falle der Name Brooke aussterben sollte, fällt nach dem Testament von Sir James Brooke S. an die Königin Victoria von England oder deren Erben. Vgl. Low, 48., its inhabitants and productionso (Lond. 1848); Charles Brooke, Ten years in S.5 (2 Bde., Lond. 1866).