Savoyarden sind ein armes Volk, doch wegen ihrer Treue, Biederkeit und Arbeitsamkeit bekannt. Ungeachtet ihres Fleißes und ihrer Genügsamkeit gewährt ihnen der Boden nicht ausreichend Nahrung, sodaß sie in großen Massen nach andern Ländern, namentlich nach Frankreich als Arbeiter auswandern. Sie leiden bis in 810 m Höhe sehr am Kropf und Kretinismus. Vor der Abtretung an Frankreich zerfiel das Herzogtum in die sieben Provinzen Chambery (Ciamberi), Hochsavoyen (Alta Savoja), Maurienne (Moriana) und Tarentaise (Tarantasia), Genevais (Genevese), Chablais (Ciablese) und Faucigni (Fosigni), wovon seit 1851 die vier ersten die Division Chambéry, die drei letzten die Division Annecy bildeten. Hauptstadt des Herzogtums war Chambéry. Gegenwärtig zu Frankreich gehörig, zerfällt das Land in die beiden Departements Savoie im S. und Haute-Savoie im N. Beide haben zusammen ein Areal von 10074,22 qkm mit (1881) einer Bevölkerung von 540525 Seelen. Beide Departements gehören zum Appellhofe und zur Akademie von Chambery, zum 14. Armeekorps in Lyon und zur 27. Militärdivision in Grenoble. In kirchlicher Beziehung steht Haute-Savoie unter dem Erzbischof von Chambery, dagegen Savoie teilweise unter diesem, teilweise unter dem Bischof von St.⸗Jean de Maurienne. Beide Departements werden von der Savoyischen Eisenbahn durchschnitten, welche von Culoz am Rhöne über Chambery durch das Mauriennethal oder Thal des Are nach Modane und dem Tunnel des Mont-Cenis führt, welcher nicht durch den seit 1805 von einer Kunststraße überschrittenen Mont-Cenis, sondern 24 km südwestlich von letzterm unter dem Col de Fréjus hindurchführt. Das Departement Savoie zählte 1881 auf 5759, qkm nur 266 438 E. und zerfällt in die vier Arrondissements Chambery, Albertville, Moutiers und St.⸗Jean de Maurienne, zusammen mit 29 Kantonen und 328 Gemeinden. Hauptstadt ist Chambéry. Das Departement Haute-Savoie oder Hochsavoyen zählte 1881 auf 4314,72 àkm 274087 E. und wird in die vier Arrondissements Annecy, Bonneville, St.⸗Julien und Thonon geteilt, die zusammen 314 Gemeinden in 28 Kantonen umfassen. Hauptstadt ist Annecy. Geschichte. S. gehörte im Altertum zu Gallien und war von den Allobrogern bewohnt. Seit 122 v. Chr. stand es unter röm. Herrschaft und 447 kam es an das burgund. Reich. Beim Untergange desselben 534 wurde es fränk. Provinz und 879 ein Teil des Arelatischen Reichs, mit dem es 1032 an Deutschland gelangte. Das Land wurde hierauf durch Grafen als Vasallen des Reichs verwaltet, unter welchen der Markgraf von Susa der mächtigste war. Als dessen Haus 1035 erlosch, erlangten die Grafen von Maurienne, die Stammväter der Herzöge von S., das übergewicht über die andern Statthalter. Als erster Graf von Maurienne wird Beroald erwähnt, ein Sachse, den der letzte König im Arelat, Rudolf III., 1016 zum Statthalter ernannt haben soll. Graf Amadeus (gest. 1072) brachte durch seine Verheiratung Susa, AÄosta und Turin an sein Haus. Unter Amadeus II. wurden 1111 durch Kaiser Heinrich V. die Besitzungen des Hauses zur Ael. Geaf 21 erhoben, die nun den Namen S. erhielt. Graf Thomas IJ. (gest. 1233) erwarb durch Kauf die Stadt Chambery so- wie das Waadtland und erhielt viele Reichslehen. Den Grafen Amadeus III. (gest. 1253) erhob der Kaiser Friedrich II. zum Herzog von Chablais und Aosta. Seine Neffen, Thomas und Amadeus IV., Söhne des Grafen Thomas von Piemont, wurden als Erben der Grafschaft S. die Stifter der Linien Piemont und Savoyen. Die erstere wurde in den Reichsfürstenstand erhoben und erlosch 1418, worauf Piemont wieder an S. fiel. Der Stifter dieser letztern Linie, Amadeus V. (IV.; gest. 1323) wurde 1313 Reichsfürst und führte 1307 das Erstgeburtsrecht in seinem Hause ein. Der Fürst Aymon, gest. 1343, erwarb durch seine Vermählung die Anwartschaft auf Montferrat. Der Fürst Amadeus VI. (gest. 1391) unterwarf sich 1388 die Grafschaft Nizza, Ventimiglia u. s. w. Sein Sohn Amadeus VII., der 1401 die Grafschaft Genevois kaufte, viele andere Besitzungen erwarb und 1416 von Kaiser Sigismund zum Herzog erhoben wurde, legte w1434 die Regierung nieder. Er war 1439—48 unter dem Namen Felirx V. Papst, leistete aber, da ihm die Beseitigung des Schisma nicht gelang, Verzicht und starb 1451 zu Genf. Sein Sohn und Nachfolger Ludwig (gest. 1465) vermählte sich 1438 mit Anna von Lusignan, der Tochter des Königs Johann II. von Cypern. Ihm folgte sein erstgeborener Sohn Amadeus VIII. (gest. 1472). Der zweite Sohn Ludwig (gest. 1482) vermählt mit der Königin Charlotte von Gwerd, en Müter Sohn, Philibert, stellte sich an die Spitze des piemontes. Adels gegen seinen ältern Bruder und erregte Unruhen, bis er in Gefangenschaft geriet. Auf Amadeus VIII. folgten seine Söhne Philibert (gest. 1482) und Karl I. (gest. 1489), den die Königin Charlotte 1485 zum Erben von Cypern einsetzte. Seit dieser Zeit führt das Haus S. den Königstitel von Cypern, wie es sich auch wegen der Ansprüche des Hauses Lusignan auf das Königreich Jerusalem denkönigl. Titel von diesem beilegte. Karls IL. Sohn und Nachfolger, Karl II., starb 1496 unmündig; ihm folgte Philibert II., der 1504 starb. Unter dessen Bruder und Nachfolger, dem Herzog Karl III. (gest. 1553), der in dem Kriege zwischen dem Kaiser Karl V. und Franz J. von Frankreich auf des erstern Seite stand, gingen 1533 nicht nur das Walliserland und Genf, welche sich unter den Schutz der Schweiz begaben, und 1536 das Waadtland, Chablais und Ger, welches von Bern in Besitz genommen wurde, verloren, sondern es teilten sich schließlich in dem Vertrage zu Nizza von 1538 Frankreich und der Kaiser in die gesamten savoyischen Länder. Erst Karls III. Sohne, dem Herzog Philibert Emanuel, der als Feldherr Karls V. und Philipps II. im Kriege gegen Frankreich sich einen berühmten Namen erwarb, gelang es, im Frieden zu Chäteau-Cambresis 1559 und in dem zu Lausanne 1564 die väterlichen Besitzungen wieder zu erlangen. Inzwischen hatte sich der Protestantismus in S. gusgebreitet. Auf Zureden des Papstes wollte der Herzog die Protestanten, denen sich die in Piemont angesiedelten Waldenser angeschlossen hatten, mit Gewalt bekehren; allein mehrmals von ihnen geschlagen, mußte er ihnen freie Religionsübung einräumen. Er suchte den Gewerbfleiß zu erhöhen; besonders legte er durch Anpflanzung vieler Maulbeerbäume den Grund zum Seidenbau. Auch ließ er Festungen und die Citadelle von Turin anlegen. Durch Tausch brachte er 1576 das Fürstentum Oneglia und durch Kauf die Grafschaft Tenda an sein Haus. Ihm folgten in der Regierung Karl Emanuel I., 1580 — 1630, dessen Söhne Victor Amadeus I. und Thomas die Stifter der ältern Linie Savoyen und der Linie Savoyen-Carignan wurden. Auf Victor Amadeus (gest. 1637) folgten dessen Söhne, Franz Hyaeinth, der nur ein Jahr regierte, und Karl Emanuel II., 1638 — 75. Des letztern Sohn und Nachfolger, Herzog Victor Amadeus II., erwarb im Spanischen Erbfolgekrieg durch schlaues Handeln einige Stücke von Mailand (Alessandria, Val-di-Sesia u. s. w.) als Reichslehen und das Herzogtum Montferrat, sowie im Utrechter Frieden von 1713 Sicilien mit dem Königstitel. Doch mußte er 1720 Sicilien gegen die Insel Sardinien an Osterreich abtreten, worauf er Sardinien und S. zu einem Königreich Sardinien erhob. Nach dem Erlöschen der ältern Linie Savoyen im Mannsstamm mit dem König Karl Felix, 27. April 1831, folgte auf dem sard. Throne die Linie Savoyen-Carignan in dem Herzog Karl Albert. Aus einer Seitenlinie der letztern stammt der Graf Eugen (geb. 1816), der 1834 zum Prinzen von Savoyen-Carignan erklärt wurde. König Victor Emanuel II. brachte durch den Krieg von 1859 das Haus S. auf den Thron von Italien, mußte aber für die von Kaiser Napoleon III. geleistete Unterstützung S. und Nizza durch den Vertrag vom 24. März 1860 an Frankreich abtreten. (Vgl. Frankreich, Italien und Sardinien.) Vgl. außer den Werken über das Königreich Sardinien: Guichenon, XIIistoire généalogique de la maison royale de Savoien (2 Bde., Lyon 1660); Cibrario, Notizie sopra la storia dei principi di Savojas (Tur. 1825); Frézet, (Mistoire de la maison de Savoien (3 Bde., Tur. 1826 -28); Bertolotti, «Compendio della storia della casa di Savoja (Tur. 1830); St.⸗Genis, «Iistoire de Savoies (3 Bde., Chambéry 1869); Gerbaix-Sonnaz, „Studi storici sul contado di Savoiaee marchesato in Italiad (Bd. 1, Tur. 1883); Manno und Promis, «Bibliografia storica degli stati della monarchia di Savoja (Bd. 1, Tur. 1884).