Saxifräga L., Steinbrech, typische Gattung der Pflanzenfamilie der Saxitragacéae. Fastalleihre Arten sind perennierend, selten halbstrauchig, und bewohnen die Polargegenden oder das Hochgebirge, in welchem sie, in großer Zahl auftretend, bald mit zarten, meist hellfarbigen, zierlich gezeichneten, oft zu reicher Inflorescenz gesammelten Blüten vom träufelnden Felsgestein herabhängen, bald den Felsen mit moosartigen Polstern oder dichtem Rasen überkleiden, bald aus Haufen zierlicher Blattrosetten verhältnismäßig hohe Blütenpyramiden (S. Cotyledon) emportreibend u. s. w. Die Belaubung erinnert bald an die in zarte Läppchen zerschnittenen Blätter vieler Doldengewächse, bald nach Form und Substanz an die Dickblattgewächse (Crassulaceen), bald an das lappige Blatt der Ribesieen (Johannis- und Stachelbeeren), bald an die Blätter der Hortensien. Die Blüten sind fünfzählig; die Blumenkrone steht samt den zehn Staubgefäßen perigynisch um den oberständigen oder epigynisch auf dem unterständigen, von zwei Griffeln gekrönten Fruchtknoten, der zu einer zweischnäbeligen, zweifächerigen, vielsamigen Kapsel wird. Die Steinbreche steigen bis zur Schneegrenze hinauf und durchlaufen hier alle Entwickelungsphasen oft binnen den wenigen Wochen des Hochsommers, in welchen die Schneelinie um etwas zurücktritt. Nur einige wenige Arten steigen in die Thäler hinab. Die in Deutschland gewöhnlichste ist S. granulata L., der Körner-Steinbrech, mit langgestielten, nierenförmigen, gekerbten Stockblättern und einem mit körnerartigen Knöllchen besetzten Wurzelstocke. In den Gärten kultiviert man eine Varietät dieser Art, mit einer lockern Rispe dicht gestellter weißer Blumen auf einem etwa 20 em hohen Stengel. Allgemein beliebte Zierpflanzen des freien Landes sind S. crassifolia L., in Sibirien zu Hause, mit sehr breiten, lederartigen, verkehrt-eiförmigen Blättern und auf fleischigem, rötlichem Schafte mit einer dichten Scheidedolde dunkelrosenroter Blumen, und 8. cordifolia Haro., ebendaselbst einheimisch, mit herzförmig-ovalen, sehr stark genervten und grob ezähnten Blättern und hellrosenroten Blumen. In den Gärten häufig kultiviert wird auch 8S. umbrosa L., der Schollen-Steinbrech, gewöhnlich Porzellan- oder Febodahblümchen genannt, mit verkehrt eirund-keilförmigen, knorpelrandigen, in Rosetten zusammengedrängten Blättern und auf 10—15 em hohen Schäften, mit einer dichten Rispe weißer Blüten mit zarter rötlicher oder gelber Zeichnung. Vom Wurzelstocke gehen Rosetten tragende Ausläufer aus. Man braucht diese zierliche Pflanze oft zu Einfassungen. Auf künstlich aufgebauten Steingruppen kultiviert man mit mehr oder weniger Erfolg Arten der höhern Alpenregion, wie 8. caespitosa L., S. hypnoides L., S. muscoides Wulf., S. crustata V. u. a. Erwähnung verdienen noch zwei in China und Japan einheimische und in Gewächshäusern und Wohnräumen oft unterhaltene Arten. S. sarmentosa L. (s. Tafel: Ampelpflanzen, Fig. 4, eine rauh behaarte Pflanze mit gestielten, rundlichen, doppelt gezähnten, unten rötlichen, oben grünen, weiß geaderten Blättern, zwischen denen sich auf 20—30 em hohen Stengeln eine pyramidale Rispe weißer, im Grunde gelb gefleckter Blüten erhebt; diese Pflanze bildet lang herabhängende, fadenförmige Ausläufer, an welchen sich kleine Blattrosetten entwickeln, woher der allgemein gebräuchliche Name Judenbart. Sie eignet sich sehr gut zur Besetzung von Ampeln. 8S. Fortunei Hoo. steht dieser Art nahe, hat aber mehr nierenförmige, siebenlappige gezähnte und einfarbig grüne Blätter und größere rein weiße Blüten. Sehr schön ist Var. tricolor, deren Blätter unterseits rosenrot sind, während oberseits auf dunkelm Grunde rote Flecken und Ränder nach dem Maße der Entwickelung der Blätter rosa, fleischfarbig und zuletzt weißlich werden. milie aus der Gruppe der Dikotyledonen. Man kennt gegen 500 Arten, die in den gemäßigten und kalten Zonen fast über die ganze Erde verbreitet vorkommen; in den Tropengegenden finden sich nur wenige. Es sind aher krar von sehr verschiedenem Habitus, meistens aber krautartige Gewächse. Die Blüten sind zwitterig und von regelmäßigem Bau, sie bestehen aus einem fünfteiligen Kelche, der mit dem Fruchtknoten verwachsen ist, fünf Kronenblättern, fünf oder zehn Staubgefäßen, einem zwei- oder mehrteiligen Fruchtknoten mit zwei oder mehrern Griffeln; die Frucht ist meist als Kapsel oder Beere ausgebildet. Neuerdings rechnet man zu den S. auch die Ribesiaceen, Grossularien, Philadelpheen u. s. w. Die typische Gattung ist Saxitraga (s. d.).