FeedSchafhäutl (Karl Franz Emil von)
NaturlehreBrockhaus 1882

Schafhäutl (Karl Franz Emil von), namhafter deutscher Physiker, Geolog und Musiktheoretiker, geb. 26. Febr. 1803 zu Ingolstadt, widmete sich dem Studium der Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie und Dibit und wurde 1827 Scriptor an der königl. Bibliothek zu München. Seine ersten Abhandlungen betrafen das Wesen des musikalischen Tons und den Bau der musikalischen Instrumente, sowie die Natur des Schmiedeeisens und Stahls, und erschienen unter dem Pseudonym Emil Pellisov. Im J. 1834 wandte sich S. nach England, wo er später zu Swansea ein Laboratorium errichtete. S. erfand unter anderm in England 1836 die erste Puddelmaschine, um Schmiedeeisen anstatt durch Hilfe von Menschenhänden durch Maschinenarbeit zu bereiten, entdeckte zuerst die Anwesenheit des Stickstoffs im Eisen (1838) und konstruierte einen Vibrationsphotometer (1840). Seine Abhandlung alber die Ursachen der Dampfkesselexplosionend (1841) erwarb ihm die große silberne Telford-Medaille. Im April 1841 kehrte S. nach München zurück, wo er 1842 als Mitglied in die Akademie aufgenommen wurde und das geognost. Kabinett gründete, dessen Konservator er wurde. Im J. 1843 erhielt er die Professur der Geognosie, Bergbau- und Hüttenkunde, wurde 1847 zugleich zweiter Vorstand des Polytechnischen Vereins für Bayern und 1849 Oberbibliothekar. Auf den Ausstellungen zu London (1851) und München (1854) war er als Juror und Verfasser des Kommissionsberichts über musikalische Instrumente — Mit besonderm Eifer widmete sich S. der Erforschung des bayr. Alpengebiets, deren geognostische und Paläcntologische Ergebnisse er teils in Leonhards und Bronns Jahrbuchs, teils in den „Geognost. Untersuchungen des südbayr. Alpengebirges) (Münch. 1851) und ⸗Südhayerns Lethaea geognostica) (Lpz. 1863, mit Atlas) niederlegte. Hieran schlossen sich die wichtigen Abhandlungen „Die Geologie in ihrem Verhältnis zu den übrigen Naturwissenschaftenz (1843) und Die neuesten geolog. Hypothesen und ihr Verhältnis zur Naturwissenschaft überhaupte (1844). Daneben beschäftigte er sich mit technisch-akustischen und musikalischen Untersuchungen und erfand unter anderm ein Universal-Vibrationsphotometer, ein Phonometer (1853) und ein Taschenphonometer (1860). Einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Kirchenmusik lieferte er in der Schrift: Der echte gregorianische Choral in seiner Entwickelung bis zur Kirchenmusik unserer Zeitz (Münch. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 293Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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