Scharlach, hochrote, ins Gelbliche abgetönte S Scharlachfieber (Scarlatina), eine fleberhafte akute Infektionskrankheit, deren augenfälligstes Symptom in einem scharlachroten Hautausschlag besteht. Das Scharlachgift, welches seinem Wesen nach noch un ekannt ist, ge⸗ — zu den flüchtigen Kontagien und ist wahrscheinich in der Atmungsluft, in der Hautausdünstung, nach der Meinung mancher Arzte auch im Harn der Kranken enthalten. Die Krankheit bricht nicht unmittelbar nach der Ansteckung aus, sondern etwa erst acht Tage nach derselben (Inkubationsstadium), während welcher das Befinden meist ungestört ist. Die eigentliche Krankheit beginnt mit wiederholtem Frösteln, seltener mit einem Schüttelfrost, dem Gefühl brennender Hitze, mit Brechneigung oder Erbrechen, heftigem Kopfschmerz, allgemeiner Schmerzhaftigkeit und Abgeschlagenheit der Glieder und sehr hohem Fieber. Gleichzeitig ist die Rachenschleimhaut mit den Mandeln geschwollen, gerötet und schmerzhaft. Bald darauf treten unter Steigerung der Allgemeinerscheinungen zuerst am Halse zahlreiche kleine, dicht beieinander stehende, oft zusammenfließende, scharlachrote Flecken auf, die sich in den nächsten 24 — 36 Stunden über den ganzen Körper ausbreiten; im Gesicht werden meist nur die Wangen gerötet. Zugleich nehmen die Entzündungserscheinungen der Mund- und Rachenschleimhaut zu, das Fieber hält noch an und fällt erst, wenn der Ausschlag zu erblassen beginnt, was am vierten oder fünften Tage eintritt. Der Ausschlag erblaßt meist in derselben Reihenfolge, in der er auftrat. Die vom Ausschlag befallene Haut schuppt sich alsdann in den folgenden 8—14 Tagen ab. Der S. bietet verschiedene Formen dar. Der Ausschlag kann auf einzelne Hautstellen beschränkt bleiben, es können Bläschen und Blasen, sowie Blutungen in der Haut daneben auftreten, oder der Ausschlag kann auch ganz fehlen. Ebenso kann die Entzündung der Rachenschleimhaut verschiedene Grade von Heftigkeit zeigen, ja selbst den Charakter der Diphtheritis annehmen. Die den S. stets begleitende Entzündung der Lymphdrüsen und Nieren bedingt nicht selten einen übeln Ausgang der Krankheit und Nachkrankheiten. Unter den letztern ist namentlich die Wassersucht zu erwähnen, welche sich häufig als eine Folge der Nierenerkrankung während der Abschuppung zum S. gesellt. Der S. tritt in den allermeisten Fällen epidemisch auf, und zwar vorzüglich im Herbst und Frühling. Säuglinge und Erwachsene bleiben meist verschont, woegen Kinder, welche das zweite Jahr überschritten buden, leicht angesteckt werden. Die Ansteckung erfolgt von Person zu Person, auch unter Vermittelung von solchen, die selbst nicht erkranken. Bei der Pflege der Scharlachkranken gilt als Regel, im Zimmer eine möglichst gleichmäßige Temperatur von 12˙ R. zu halten, den Kranken nicht mit ungewohnt schweren Betten zu bedecken, ihn aber im Bett zu halten. Außerdem muß man die Luft des Zimmers wiederholt vorsichtig erneuern, als Getränk Wasser oder schwach-säuerliche Limonade geben, nur leichtverdauliche Nahrung (Milch, leischbrühe) zulassen; gegen anhaltend hohes Fieer erweisen sich kühle Bäder, sowie die antipyretischen Mittel CChinin, Salicylsäure, Antipyrin) nützlich. Bei Stuhlverstopfung sind chen von lauem Wasser den Abführmitteln vorzuziehen. Auch nach beendeter Abschuppung müssen die Kranken noch 14 Tage vor Erkältungen gehütet werden und zeitweilig ein lauwarmes Bad erhalten. Wer das Scharlachfieber einmal überstanden hat, ist in der Regel vor einer zweiten Ansteckung gesichert.