Schievelbein (Herm.), Bildhauer, geb. zu Berlin 18. Nov. 1817, lernte bei Wichmann, trat aber früh selbständig auf und ging nach Petersburg, wo er an den plastischen Arbeiten für den Winterpalast und die Isaakskirche beteiligt war. Im J. 1841 unterbrach er diese Beschäftigung, um in Berlin um den Preis für Rom zu konkurrieren, und bald darauf noch einmal, als es sich um die Ausführung einer der acht Gruppen für die Schloßbrücke handelte. In beiden Bewerbungen glücklich, konnte in Rom 1843 das Modell zu der Gruppe des Jünglings, den Pallas in den Waffen unterrichtet, ausführen, dessen Übertragung in Marmor 1853 in Berlin geschah. Das Werk gehört durch seine maßvolle und gesunde Schönheit zu den vortrefflichsten und anziehendsten Arbeiten der ganzen Reihe. Ferner fertigte er die kolossalen Apostelgestalten für die Kirche zu Helsingfors in Finland und den Relieffries für die Wände des griech. Hofs im berliner teuen Museum, darstellend die Zerstörung von Herculanum und Pompeji, eine 66 m lange Komposition in fast lebensgroßen Gestalten, in Stuck an Ort und Stelle ausgeführt (das kleine Originalmodell in der berliner Nationalgalerie). Eine andere große Reliefkomposition, in gebranntem Thon, lieferte er 1855 für den einen der beiden Portaltürme der Dirschauer Weichselbrücke. Dieses Werk stellt in fast doppelter Lebensgröße der Figuren die Unterwerfung der letzten heidnischen Elemente des preuß. Ordenslandes durch den Hochmeister Heinrich von Kniprode dar. Zur Ausführung in gebranntem Thon wurden von S. auch die Gestalten Luthers und Melanchthons für das neue königsberger Universitätsgebäude, die Figuren der Monate für das Orangeriegebäude in Sanssouci und viele dekorative Arbeiten modelliert. Zu Anfang der sechziger Jahre übertrug man ihm das Monument des Freiherrn von Stein für Berlin. Das Denkmal, von S.s Schülern vollendet, wurde erst 1875 auf dem Dönhofsplatz aufgestellt. Er starb in Berlin 6. Mai 1867. Seit 1859 war S. Professor an der berliner Akademie.