Semper (Gottfr.), ausgezeichneter deutscher Baumeister, geb. 29. Nov. 1803 in Hamburg, erhielt seine erste Bildung zu Altona, besuchte hierauf das Johanneum seiner Vaterstadt und widmete sich dann zu Göttingen mathem., besonders aber militärwissenschaftlichen Studien. Seit 1825 studierte er in München und arbeitete einige Zeit in Regensburg bei Herausgabe des Domwerks, mußte aber infolge eines Duells die Stadt verlassen und wandte sich nun nach Paris, um seine Studien unter Gau zu vollenden. Nach dreijährigem Aufenthalt begab er sich 1830 auf eine längere Studienreise nach dem Süden, besuchte Italien, Sicilien und Griechenland, und gewann hier die eigentümlichen Ansichten über die bei den Griechen übliche Polychromie (s.d.), über welche er mehrere geistreiche Schriften verfaßte. Nach S.s der Aulien hat eine durchgängige Bemalung der antiken Tempel stattgefunden, wogegen andere eine nur teilweise Polychromie zugeben, wie insbesondere Kugler. Bei der Rücktehr 1832 war er zunächst nach Berlin zu Schinkel gegangen und hatte bei diesem sympathische Aufnahme gefunden. Hierauf wurde er 1834 zum Professor der Architektur an die dresdener Akademie berufen. Durchdrungen von der überzeugung, daß das bauliche Kunstwerk nur aus der organischen Gestaltung des Zwecks erwachsen könne, schuf S. hier auf der Grundlage der Antike mit freier Kraft im Sinne der ital. Renaissance. Nachdem er sich beim Bau der neuen Synagoge zweckentsprechend an den byzant.⸗Orient. Centralbau gehalten und namentlich das Farbensystem der Dekoration meisterhaft durchgebildet, gab er in dem Hoftheater (seit 1839) das glänzendste Zeugnis seiner Genialität. Seiner Anregung verdankte auch die zu Schmuck des Hauses berufene Plastik neuen Aufschwung, um so mehr, da namentlich Rietschel und Hähnel seinen Intentionen kongenial entgegenkamen. Neben verschiedenen charakteristischen Bauten anderer Art (Kaserne in Bautzen, Villa Rosa in Neustadt-Dresden, dem Palais Oppenheim an der Elbe in Altstadt, einem ernsten venet. Prachthause, und einem zweiten Renaissancebau für denselben Bauherrn) beschäftigte ihn als Hauptwerk seit 1846 der Neubau des dresdener Museums, welches S. als Abschluß der noch unverbundenen Hauptanlagen des Zwingers errichtete. Die Möglichkeit eigener Vollendung dieses Monumentalwerks verscherzte sich S. durch seine Beteiligung an dem Maiaufstande 1849. Er rettete sich durch die Flucht nach Straßburg und war im Begriff, nach Amerika zu reisen, als ihm in England bei der Akademie zu Marlboroughhouse ein Wirkungskreis angeboten wurde. Sein Rat war wesentlich mitbestimmend bei der seit 1851 in England beginnenden Reform der höhern Gewerbe und besonders bei der Anlage des Kensington-Museums. Damals entstand seine Schrift UÜber die vier Elemente der Baukunst v (Braunschw. 1851) und verschiedene andere kunstgewerbliche Abhandlungen, die ihre systematische Weiterführung in dem epochemachenden Buche Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten v (2 Bde., Münch. 1860—63; 2. Aufl. 1878—79) erhielten, welches als eine praktische Asthetik der technischen und tektonischen Künste geradezu der litterarische Kanon für alle die folgenreichen Bestrebungen der neuesten Zeit auf dem Gebiete der Kunstgewerbepflege geworden ist. Schon 1853 war der Ruf an das neuerrichtete Polytechnikum in Zürich an S. ergangen und er folgte demselben, um nun den großartig schlichten Bau für diese Anstalt, zugleich aber auch die Leitung der in demselben zu lehrenden Disciplinen in die Hand zu nehmen. Der große Plan der Errichtung eines zunächst für Richard Wagners Operndramen bestimmten Theaters in München zerschlug sich zwar, jedoch wurde S. bald danach die Gelegenheit geboten, an Stelle seines am 21. Sept. 1869 abgebrannten Theaters in Dresden ein neues und größeres zu [bauen, welches 1877 zum Abschluß kam; den Bau führte sein Sohn, Manfred S., ein in der Schule des Vaters gebildeter tüchtiger Architekt. Im J. 1869 wurde S. als Hauptleiter der neuen Hof- und Musealbauten nach Wien berufen, wohin er 1871 übersiedelte. Hier hat S. zunächst in den Kunstmuseen, welche unter Beteiligung Hasenauers in Angriff genommen wurden, seine geniale Gestaltungskraft in neuer Frische bewährt. Die letzten Jahre seines Lebens verlebte er in Italien und starb in Rom 15. Mai 1879. Von S.s Schriften sind noch zu erwähnen; aliber die formelle Gesetzmäßigkeit des Schmucks und Wissenschaft, Industrie und Kunste (Braunschw. 1852), Qiber die bleiernen Schleudergeschosse der Altenv (Frankf. 1859). Vgl. Hans Semper, «Gotttfried S. Ein Bild seines Lebens und Wirkenso )GBerl. 1880); Lipsius, «Gottfried S. in seiner Be9deutung als Architekte (Berl. 1880). scher und Reisender, Neffe von Gottfried Semper, rgeb. 6. Juli 1832 zu Altona, besuchte das Gymnasium daselbst, die Seekadettenschule zu Kiel und die Polytechnische Schule zu Hannover und bezog dann die Universität Würzburg, wo er Naturwissenschafdten, speziell Zoologie studierte. Von 1859 bis 1861 „bereiste er den größten Teil der Philippinen, 1862 „die Palau-Inseln. Nachdem er 1864 noch eine nReise nach Mindanao unternommen hatte, kehrte er nach Europa zurück, habilitierte sich 1866 an der Universität Würzburg als Docent für Zoologie und wurde 1868 zum außerord., 1869 zum ord. Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie daselbst ernannt. Im J. 1872 erhielt er das Direktorium des neugegründeten zoolog.⸗zootomischen Instituts. Im J. 1877 begab er sich nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, um in Boston eine Reihe wissenschaftlicher Vorträge zu halten, und bereiste dann Nordamerika bis zum Stillen Ocean. Von Sis größern Schriften sind zu nennen: (Entwickelungsgeschichte der Ampullaria polita Deshayes, nebst Mitteilungen über die Entwickelungsgeschichte einiger andern Gastropoden aus den Tropeno (Utr. 1862), «Reisen im Archipel der Philippinend (Bd. 1: (Holothurieno, Lpz. 1867—69; Bd. 2: Malakologische Untersuchungeno, Wiesb. 1870 —72; Bd. 3:«Landmolluskeno, Wiesb. 1872), „Die Philippinen und ihre Bewohnero (Würzb. 1869), «Die Palau-Inseln im Stillen Oceano (Opz. 1873), KReisen im Archipel der Philippineno (Bd. 1—5, Wiesb. 1867—86), «Die natürlichen Existenzbedingungen der Tierer (Lpz. 1880), Die Verwandtschaftsbeziehungen der gegliederten Tierey (Würzb. 1875). Die unter seiner Leitung im zoolog.⸗ zootomischen Institut zu Würzburg angestellten Untersuchungen haben seit 1872 die Herausgabe eines wissenschaftlichen Journals: «Arbeiten aus dem zoolog.⸗zootomischen Instituto, möglich gemacht, von welchem bis 1886 7 Bände erschienen sind.