FeedHeidel (Herm.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Heidel (Herm.), vorzüglicher Bildhauer, geb. 20. Febr. 1810 in Bonn, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte dann auf den deten seiner Mutter Medizin, verließ aber nach deren Tode diese Laufbahn, um sich der Bildhauerkunst zu widmen. Er trat 1835 zu München in die Werkstatt Schwanthalers, in der er die jetzt im Rathaus zu Bonn bewahrte Büste Beethovens entwarf. Im J. 1838 ging H. sodann nach Rom, wo er statt der Romantik der Münchener Schule die Antike mit Wuckrbe aufnahm. H. kehrte 1842 nach Köln zurück, arbeitete hier eine kleine Statue der Pandora, siedelte aber 1843 nach Berlin über. Hier Wef er, im Verkehr mit Beuth, der den gewerblichen Angelegenheiten vorstand, viele Modelle 5e Geschirren, Humpen, Bechern u. s. w., welche in en Manufakturen ausgeführt wurden. Größere dekorative Arbeiten von ihm sind die Karyatiden im Opernhause und zwei der Prophetengestalten für die Schloßkuppel. Das Lutherstift in Erfurt besitzt von ihm ein Hautrelief, das in einer bedeutenden Anzahl fast lebensgroßer Gestalten den An-Rundf der Thesen versinnlicht. Seine wichtigsten undskulpturen sind: eine Marmorstatue der Iphienie, am 91 stehend, voll Sehnsucht nach dem ande der Griechen für die Orangerie in Potsdam gefertigt; Odipus von Antigone geleitet (1854), nicht minder eine vollendete Gruppe, die jedoch nicht ind Ausführung in Marmor kam. Beide Werke sind wenig unter Lebensgröße gehalten. Der Reichtum Rert Ideen legte sich in zahl— reichen dekorativen Arbeiten, Grabmälern u. s. w. dar. Indes kehrte er immer wieder zur Antike zurück, wie seine Umrisse zur Iphigenien-Sage (1850 und 1851) und mehrere Blätter aus dem Leben der Penelope, sowie auch die reizvollen Reliefs aus Homer beweisen. Sein bestes Werk ist die Statue Händels für Halle, 1859 gegossen. H. starb auf einer Reise 29. Sept. 1865 zu Stuttgart. In seinem Nachlaß befand sich eine in Schrift und Zeichnung ausgearbeitete Anatomie für Künstler.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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