FeedSchiffahrtskanäle sind künstliche
VerkehrBrockhaus 1882

Schiffahrtskanäle sind künstliche, für Schifffahrtszwecke hergestellte Wasserläufe. Sie erhalten ein äußerst geringes oder gar kein Gefälle, sodaß das Wasser in ihnen nur eine unmerkliche Strömung hat oder ganz horizontal steht. Die Schiffe müssen nach beiden Richtungen gezogen werden. Die Kanäle folgen den Erhöhungen und Vertiefungen des Bodens, indem dieselben aus einzelnen verschieden hoch angelegten Strecken (Haltungen) mit Hans oder nahezu horizontaler Sohle bestehen, welche untereinander durch Schleusen oder schiefe Ebenen verbunden sind. Wird der Kanal im Flußgebiete parallel zum Flusse gelegt, so nennt man ihn Lateralkanal; verbindet er zwei oder mehrere Flußgebiete miteinander, indem er die zwischenliegenden Wasserscheiden übersetzt, wird er Kanal mit Scheitelstrecken genannt. Der Lateralkanal bietet gegenüber dem schiffbaren Flusse, derselbe mag kanalisiert sein oder nicht, mehrfache Vorteile, insbesondere: 1) Gleichgünstige Ausnutzung der aufzuwendenden Zugkraft für die Berg⸗ und Thalfahrt. 2) Vollständig geregelte Ufer. Man kann an jedem Punkte mit dem Schiffe halten, dort eventuell ohne große Einrichtung laden und löschen, was insbesondere für den Verkehr landwirtschaftlicher Produkte von hohem Wert ist. 3) Vollständige Unabhängigkeit von den Wasserständen und Hochwassern im Flußgebiete. Der Kanal steht, die Zeit, in welcher er eingefroren ist, ausgenommen, das ganze Jahr der Schiffahrt offen. 4) Die Möglichkeit besserer Ausnutzung für Be-und Entwässerung des umliegenden Terrains, insbesondere, wenn man die Kanäle in die höher gelegenen Abdachungen der Thalsohle legt. 5) Billigere und einfachere Erhaltung der Wasserstraßen. Die angegebenen Vorteile lassen es erklärlich erscheinen, daß so häufig die Anlage eines Lateralkanal der Kanalisierung des Flusses selbst vorgezogen worden ist. Man findet parallel zur Marne, Aisne u. s. w. Lateralkanäle, obwohl die Flüsse selbst, wenn auch in ungenügender Weise und nur bei größern Wasserständen, zur Schiffahrt geeignet sind. 6) Endlich ist in vielen Fällen eine Kanalisierung des Flusses der großen Wehr⸗ und Uferschutzbauten wegen meist bedeutend kostspieliger als die Anlage eines Lateralkanals. Profil-Ausmaße. Die Ausmaße der Profile bestehender Kanäle weisen große Unterschiede auf und sind im Interesse des durchgehenden Verkehrs Übereinstimmungen erforderlich. Unter den Vertikaldimensionen ist insbesondere der normale Tiefgang der Schiffe, die Höhe der Unterkante der Brücken über dem Wass erspiegel, für die Horizontaldimensionen sind die lichte Weite der Schleusen und die nutzbare Länge derselben von Bedeutung. Die Höhe der Unterkante fester Brücken über dem Wasserspiegel wurde von dem Technikerkongreß mit 4,5 m Min. empfohlen. In Bezug auf die Feststellung der Normaltype für den Umbau bestehender und den Bau neuer Kanäle und künstlicher Wasserstraßen bestehen wohl nicht überall einheitliche Grundsätze. In Frankreich war es die Kommission für Eisenbahnen und Verkehrswege, welche 1874 von der Nationalversammlung zur Beratung der Maßregeln behufs Abhilfe der Transportkrisis eingesetzt wurde und die sich mit dieser Frage in eingehendster Weise beschäftigte; in Deutschland waren es die Technikerkongresse des Centralvereins für Hebung der deutschen Fluß⸗ und Kanalschiffahrt, welche neuerdings Typen festsetzten. Stellt man nun die franz. Type der deutschen Type Nenn so erhält man die Abmessungen in Netern: Wassertiefe im Kanalu. 0 2,0 Drempeltiefe unter Wasserspiegel 2, 2,5

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 345Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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