Schleswig (d. h. Bucht der Schlei), Hauptstadt der preuß. Provinz Schleswig-⸗Holstein und Kreisstadt des Kreises Schleswig, liegt in einer höchst anmutigen Gegend halbkreisförmig am westl. Ende der Schlei, Station der Linie Neumünster-Vamdrup der Preußischen Staatsbahnen und der Schleswig-Angeler Bahn. Die Stadt ist an 6 ki lang und besteht aus drei Teilen: der Altstadt mit dem sog. Holm, dem Lollfuß (benannt nach einer vormals Eabisas verehrten Reliquie, dem Fuße des heil. Erzbischofs Lollus von Mainz) und dem Friedrichsberg. Letzterer stößt südlich an das Dorf Bustorf, in dessen Nähe die einzeln stehende Kirche von Michebye belegen ist. Zwischen Lollfuß und Friedrichs—⸗ berg liegt das Schloß Gottorp (s. d.). Die Stadt S. ist Sitz des Oberpräsidenten, des Provinzialschulkollegiums und der Regierung für Schleswig-Holstein, des Generalsuperintendenten für S., eines Landrats, eines Amtsgerichts und der Hardesvogteien für die beiden benachbarten Landdistrikte. S. hat drei (luth.) Kirchen, unter denen die nach dem Brande von 1440 im got. Stile wiedererbaute Domkirche (St. Peterskirche) in der Altstadt sich durch schöne Verhältnisse und sehenswerte Denkmäler auszeichnet. Als eins der hervorragendsten Meisterstücke der Holzskulptur gilt der aus Eichenholz geschnitzte Altarschrein mit 398 Figuren, welcher 1521 von dem Bildschnitzer Hans Brüggemann aus Husum vollendet ist. Derselbe stand ursprünglich in der Kirche zu Bordesholm bei Kiel und ward erst 1666 in die Domkirche von S. übertragen. Außerdem hat S. ein Gymnasium und Realprogymnasium (die sog. Domschule), die Irrenanstalt und die Taubstummenanstalt für die Provinz Schleswig-Holstein. Auf dem Holm liegt das St. Johanniskloster, ein adeliges Fräuleinstift. Die Stadt zählt (1885) 15187 E., welche nur wenig Handel, aber ziemlich lebhafte Industrie unterhalten. Die auf dem Holm wohnenden Fischer betreiben starke Fischerei in der Schlei. Im Süden von S. und Bustorf erstrecken sich die Reste zweier alten Grenzwälle, das Danewerk (s. d.) und der Kograben. Zwischen beiden, unweit von dem Dorfe Selk, liegt der Königsberg (König Sigurds Hügel) mit einem Denkmal für die daselbst Febr. 1864 gefallenen Ssterreicher. „Der Ursprung Ses reicht bis in die vorgeschichtliche Zeit zurück; es erscheint schon im 9. Jahrh. als Handelsplatz und hieß bei den Dänen Hätheby (Hedeby), d. h. die Heidestadt. S. vermittelte die Handelsbewegung zwischen Ost und West über die Cimbrische Halbinsel und war sogar den arab. Geographen im fernen Orient wohlbekannt. Die Waren, welche aus der Ostsee die Schlei aufwärts kamen, gingen der Sage nach auf dem Landwege bis zu dem jetzigen Dorfe Hollingstedt und von da die Treene abwärts in die Nordsee. Die erste christl. Kirche wurde in S. wahrscheinlich auf dem Holm durch Ansgar um 850 erbaut, und um 948 ward hier ein Bistum errichtet. Auch die dän. Statthalter und nachmaligen Herzöge residierten in S., und zwar seit 1268 auf dem früher bischöflichen Schloß Gottorp. Die Stadt erhielt von den Landesherren ausgedehnte Privilegien, und ein eigenes schlesw. Stadtrecht wurde gegen Ende des 12. Jahrh. aufgezeichnet. Dagegen verlor S. allmählich seine kommerzielle Bedeutung. Der Handel ward durch die zahlreichen Kriege im 12., 13. und 14. Jahrh. gestört, auch die Stadt wiederholt verwüstet und geplündert, während zugleich das aufblühende Lübeck eine lebhafte Konkurrenz machte und mit der Zeit S. ganz in Schatten stellte. Auch in dem langwierigen Kriege, welchen der dän. König Erich von Pommern gegen die schlesw.⸗holstein. Landesherren aus dem schauenburg. Hause führte, hatte S. 1416 — 18 und 1427 sehr viel zu leiden. Die verarmte Stadt hob sich erst wieder, seit nach der ersten Landesteilung im Oldenburger Hause 1490 Herzog Friedrich I. von Schleswig-Holstein, später auch König von Dänemark (gest. 1533) hier seine Residenz nahm. Der letzte kath. Bischof von S. starb 1541; doch bestand das Bistum als Pfründe für Prinzen des landesherrlichen Hauses bis 1624 und das Domkapitel zu ähnlichen Zwecken bis 1658 fort. Bei der zweiten Landesteilung 1544 r S. und Gottorp an Herzog Adolf (gest. 1586), en Stammvater der Gottorpschen Linie (s. Oldenburger Haus), und dessen Nachkommen residierten hier, bis sie 1713 von dem dän. Könige Friedrich IV. ganz aus S. vertrieben wurden. Von 1731—1846 war S. und Gottorp die Residenz der königl. dän. Statthalter von Schleswig-Holstein. Auch erhielten hier 1834 die schlesw.⸗holstein. Regierung sowie das Obergericht und die Provinzialständeversammlung für das Herzogtum Schleswig ihren Sitz. Nach dem Treffen bei Bau beseßzten die dän. Truppen 10. April 1848 die Stadt S., wurden aber schon 23. April beim Danewerk von den Preußen und Schleswig-Holsteinern geschlagen und aus S. vertrieben. Die sog. Gemeinsame Regierung und die Statthalterschaft Schleswig-Holsteins hatten hier ihren Sitz; aber nach der Schlacht bei Idstedt fiel die Stadt 25. Juli 1850 wieder in die Hände der Dänen. Zur Strafe für ihre patriotische Haltung verlor sie jetzt den Rang der Landeshauptstadt, die Ständeversammlung und alle obersten Provinzialbehörden, die nach Flensburg verlegt wurden. Am 6. Febr. 1864 wurde S., nachdem die Dänen die Danewerkstellung geräumt, von den Osterreichern besetzt. Zu Ende 1864 nahm die kaiserl. österr. und königl. preuß. Civilbehörde für Schleswig-Holstein und Lauenburg ihren Sitz in S., und vom Sept. 1865 bis Juni 1866 residierte daselbst der königl. preuß. Gouverneur des Herzogtums Schleswig. Vgl. Schröder, Geschichte und Beschreibung der Stadt S.» (Schlesw. 1827); Sach, «Geschichte der Stadt S.v (Schlesw. 1875).— Der Kreis Schleswig zählt(1885)auf 1055 qkm 62407 E. — Der Regierungsbezirk Schleswig umfaßt die ganze Provinz Schleswig-⸗Holstein (s. d.).