Flensburg, Kreisstadt in der preuß. Provinz Schleswig-Hölstein, Regierungsbezirk Schleswig, liegt 33 Km im NNW. von Schleswig in Hufeisenform um das Südende der Flensburger Föhrde, eines 30 kmlangen tiefeinschneidenden Busens der Ostsee, den ein Kranz bewaldeter Hügel gegen alle Winde schützt und dessen innerster Teil den vortrefflichen und geräumigen Hafen bildet. F., Station der Linie Altona-F.⸗Wamdrup der Altona-Kieler Eisenbahn (zu der von der Stadt die 5 km lange Zweigbahn F.⸗Nordschleswigsche Weiche führt) und Endpunkt der normalspurigen Sekundärbahn Kiel-Eckernförde-F., ist Sitz eines Landratamts, eines Land⸗, Schwur-⸗und Amtsgerichts und eines Hauptsteueramts, einer Reichsbankstelle (1880 Gesamtumsatz 97601 600 Mark), einer Handelskammer, eines Kreditvereins, der Flensburger Privatbank, einer Filiale der kopenhagener Nationalbank, einer Lotseninspektion, eines Seeamts, eines Seemannsamts, zweier Strandämter, hat vier evang. Kirchen, eine kath. Kapelle, ein Gymnasium, mit Realschule erster Ordnung, eine Landwirtschaftsschule, eine Navigationshauptschule, eine Landesdiakonissenanstalt und ein kath. Hospital und zählt (1880) 30 956 E. (von denen 30367 Cvangelische, 460 Katholiken und 63 Juden), welche meist Schiffahrt und Handel mit Holz, Getreide, Zucker, Kaffee, Reis, Thee, Südfrüchten, Steinkohlen und Fettvieh (1879 Export nach England 24519 Rinder und 42249 Schafe) treiben. Nicht unbedeutend ist auch die Fischerei und der große Pferdemarkt. F. besitzt mehrere Werften, ein großartiges Etablissement für den Bau eiserner Schiffe, mehrere Bierbrauereien, darunter eine namentlich auch für den Export arbeitende Brauerei, Brennereien, drei Eisengießereien und Maschinenfabriken, Olmühlen, zahlreiche Ziegeleien, eine Pavierfabrik, Messing⸗ und Hellowmetall⸗, Palmöl⸗, Brotfabrik, Reismühle, Glashütte, Fabriken für Tabak und Cigarren, Tuch-und Wollwaren, Watte, Seife, Zündwaren, Tapeten, Preßhefe, Cement, Essig, Thonwaren und eine Dampfsägemühle und Holzbearbeitungsfabrik. Auf dem Friedhofe stand bis 1864 das kolossale Löwendenkmal, welches die Dänen 1862 errichteten. F. wurde wahrscheinlich im 12. Jahrh. gegründet und erhielt 1284 durch Herzog Waldemar IV. Stadtrechte. Vgl.« Reise- und Badeführer für F. und Umgegend » (3. Aufl., Flensb. 1882). Der Kreis Flensburg zählt auf 1047,89 akm (1880) 71327 E. (70549 Evangelische, 515 Katholiken, 63 Juden, 168 Sektirer und 32 Andersgläubige), mithin 69 E. auf 1 qkm.