FeedSchlettstadt
ErdkundeBrockhaus 1882

Schlettstadt, Kreisstadt im elsaß-lothring. Bezirk Unterelsaß, an der Ill, 45 km südlich von Straßburg, Station der Linien Straßburg-Basel, S.⸗Markirch und S.⸗Zabern der Elsaß-Lothringischen Eisenbahnen, ist Sitz einer Kreisdirektion und eines Amtsgerichts, hat zwei Kirchen, ein Realgymnasium, ein Lehrerinnenseminar, eine städtische Bibliothek mit wertvollen Handschriften und zählt (1880) 8979 meist kath. E. In S. bestehen einige Metalldrahtfabriken, sonst wird vorzugsweise Handel mit landwirtschaftlichen Produkten getrieben. S. wird schon in einer Urkunde von 728 erwähnt, wurde durch den Hohenstaufen Friedrich II. 1216 mit Mauern versehen, dann freie Reichsstadt und schloß sich als solche dem Zehn-Städte-Bund an, dessen Archive sich in S. befanden, wurde 1632 von den Schweden, 1634 von den Franzosen eingenommen, welchen es durch den Westfälischen Frieden verblieb. Von Vauban 1676 befestigt, wurde S. 1814 von den Bayern, 1815 von den Osterreichern bombardiert. Im Deutsch⸗-Französischen Kriege kapitulierte die franz. Besatzung am 24. Okt. 1870 nach kurzer Beschießung. Deutscherseits wurde S. als Festung aufgegeben und sind die Festungswerke geschleift. Im 13. Jahrh. wurde zu S. das Glasieren thönerner Gefäße erfunden, im 15. Jahrh. errichtete hier Agricola (s. d.) eine Gelehrtenschule, welche über 900 Zöglinge zählte, darunter Erasmus von Rotterdam, Jakob Wimpheling, Martin Bucer, Jakob Spiegel, Beatus Rhenanus. Vgl. Dorlan, (Notices historiques sur 8. (Colmar 1843); Wolff, 4«Geschichte des Bombardements von S.» (Berl. 1874). — Der Kreis Schlettstadt zählt auf 635,48 dkm (1880) 73 503 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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