FeedDelitzsch
ErdkundeBrockhaus 1882

Delitzsch, Kreisstadt der preuß. n dore Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, an der Löbber, einem Nebenflusse der Mulde, 18 Km nördlich von Leipzig, 27 kmeöstlich von Halle, an dem Kreuzungspunkte der Halle-Sorau-Gubener Bahn und der Linie Leipzig-Bitterfeld der Berlin-Anhalter Eisenbahn, ist Sitz eines Landratsamts und eines Amtsgerichts und zählt (1880) 8225 meist evang. E., welche besonders Cigarren- und Tabakfabrikation, außerdem auch Strickgarnfabrikation, Landbau, Schuhfabrikation, Bierbrauerei, Elfenbein⸗ und Holzschnitzerei betreiben. Die Stadt hat drei evangelische und eine kleinere, 1869 erbaute kath. Kirche, ein königl. Schullehrerseminar (1873 eröffnet), ein Realprogymnasium, eine höhere Bürger⸗ und höhere Töchterschule, zwei andere städtische Schulen und eine städtische Sparkasse. Das schon im 14. Jahrh. erbaute Schloß ist jetzt Strafanstalt für weibliche Personen. — D. ist eine alte wendische Festung, gegründet von dem sorbischen Stamme der Deleczen, und gehörte vom 12. Jahrh. an zu der Mark Landsberg. Mit der Teilung Sachsens kam es an die Albertinische Linie, die es später dem Hause Sachsen-Merseburg zuteilte. Nach dessen Aussterben 1738 fiel es an Kursachsen und wurde 1815 preußisch. D. ist der Geburtsort des Naturforschers Ehrenberg und des Nationalökonomen Schulze-Delitzsch. Vgl. Lehmann, «Chronik der Stadt D.5 (2 Tle., Delitzsch 1852). — Der Kreis Delitzsch ist 756,63 akm groß und zählt 58 664 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 24Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6