Scholten (Joh. Heinr.), Hauptvertreter der neuern prot. —.—.— in den Niederlanden, geb. 17. Aug. 1811 zu Vleuten bei Utrecht, bezog 1828 die Universität Utrecht, wurde 1838 Landprediger zu Meerkerk bei Utrecht, 1840 Professor der Theologie am Athenäum zu Franeker, 1843 außerord., 1845 ord. Professor zu Leiden, ferner hervorragendes Mitglied der niederländ. reformierten Synode, trat 1881 von seinem Lehramt zurück und starb 10. April 1885 in Leiden. Schon bei seiner Antrittsrede in Franeker trat er der sog. Gröninger Schule entgegen, indem er den Satz verteidigte, daß das Christentum keines Autoritätsglaubens an äußere Thatsachen bedürfe. In dem Streite zwischen Oosterzee und Opzoomer über den Sitz der Religion und über das Wesen des Christentums trat S. für die Notwendigkeit philos. Begründung der religiösen Wahrheiten in die Schranken, und zugleich machte er seine freien philos. Grundsätze in den mit größtem Beifall aufgenommenen Vorlesungen über Geschichte der Religion und Philosophie geltend. Aus diesen ging die Schrift hervor: 4Geschiedenis van Godsdienst en wysbegéeertes (Leid. 1853; 3. Aufl. 1863; deutsch von Redepenning, Elberf. 1863). Epochemachend wirkte sein Werk: „De leer der hervormde kerk in hare grondbeginseleno (2 Tle., Leid. 1848 -50; 4. Aufl. 1861—62). Ähnlich wie Schweizer hatte S. als Grundprinzip der reform. Kirchenlehre den ethischen Determinismus bezeichnet, wofür er von allen Seiten Angriffe erfuhr, die ihn nur um so mehr veranlaßten, den deterministischen Standpunkt auch philosophisch zu rechtfertigen. Zur Verteidigung gegen den bedeutendsten seiner Gegner, Hoekstra, verfaßte er seine berühmte Schrift über den freien Willen (De vrije wil. Kritisch onderzoeko, Leid. 1859; deutsch von Manchot, Berl. 1874). Auch andere Arbeiten S.s auf religionsphilos. Gebiet wurden durch Streitfragen des Tags veranlaßt. Zwei Hauptschriften S.s, welche ganz auf dem Boden der neuern Kritik stehen, sind: Het Evangelie naar Johanneso (Leid. 1864; deutsch von Lang, Berl. 1867), und De oudste getuigenissen aangaande de schriften des Nieuwe Testamentso (Leid. 1866; deutsch von Manchot, Brem. 1867). Hieran schlossen sich die Schriften: Ulet oudste Evangelie (Leid. 1868; deutsch von Redepenning, Elberf. 1869), „De doops formule (Leid. 1869; deutsch von Gubalke, Gotha 1885), Het Paulinisch Evangelies (Leid. 1870; deutsch von Redepenning, Elberf. 1881) und Is de derde Evangelist de Schrijver van het boek der Handelingen (Leid. 1873). Vgl. A. Kuenen, Wevensbericht van S.5 (Amsterd. 1885).