Schenkel (Daniel), namhafter prot. Theolog, geb. 21. Dez. 1813 zu Dägerlen im Kanton Zürich, erhielt seine Bildung auf dem Pädagogium und der Universität zu Basel und setzte nach kurzer kirchlicher Amtsthätigkeit in Schaffhausen (1835) seine Studien in Göttingen fort. Von 1838 bis 1841 wirkte er als Privatdocent und Gymnasiallehrer zu Basel und verfaßte mit Bezug auf die Straußschen Händel die Schrift »Wissenschaft und Kirchedo. Im J. 1841 kam er als erster Pfarrer am Münster nach Schaffhausen und trat bald darauf in den Kirchenrat und Kantonsschulrat ein. Noch in Schaffhausen begann er sein großes Werk Das Wesen des Protestantismuso (3 Bde., Schaffh. 1846—51; 2. Aufl. 1861), welches im Geiste der sog. Vermittelungstheologie die Einheit der prot. Grundprinzipien und das Recht der evang. Union geschichtlich zu begründen versuchte. Im J. 1849 wurde er als Professor der Theologie und Mitglied des Kirchenrats nach Basel und 1851 als Professor der Theologie, Seminardirektor und erster Universitätsprediger nach Heidelberg berufen, wo er sich immer entschiedener der freiern kirchlichen Richtung zuwendete. Als litterarisches Organ der kirchlich-freisinnigen Richtung gründete S. 1859 die «Allgemeine kirchliche Zeitschrifto. Seine «Gespräche über Protestantismus und Katholizismuso (Heidelb. 1852fg.), sein Unionsberuf des evang. Protestantismuso (Heidelb. 1855) und «Die Reformatoren und die Reformationo (Wiesb. 1856) gehören noch wesentlich der Vermittelungstheologie an, wogegen seine umfassend angelegte «Christl. Dogmatik (2 Bde., Wiesb. 1858 — 59) bereits vielfach den Übergang zur freiern Theologie zeigt. In den J. 1852—59 redigierte er die Allgemeine Kirchenzeitungo. Aufsehen erregte seine Schrift ⸗Das Charakterbild Jesuv (4. Aufl., Wiesb. 1873), in welcher er auf Grund der drei ersten Evangelien ein echt menschliches Bild Jesu zu entwerfen versuchte. Seit 1863 wirkte er namentlich auch zur Gründung des Deutschen Protestantenvereins mit, dessen Grundgedanken er in der Schrift Christenthum und Kirche im Einklang mit der Kulturentwickelung (Wiesb. 1867; neue Ausg. 1871) eingehend darlegte. Ferner veröffentlichte S. ein Lebens⸗ und Charakterbild Friedr. Schleiermachers (Elberf. 1868) und kleinere Lebensbilder von E. M. Arndt und J. H. Pestalozzi. Im J. 1867 übernahm er die Redaction eines von den namhaftesten prot. Forschern bearbeiteten „Bibel-Lexikono (5 Bde., Lpz. 1868 — 75). Außerdem sind zu nennen: Luther in Worms und in Wittenbergy (Elberf. 1870), Die Grundlehren des Christentums aus dem Bewußtsein des Glaubens im Zusammenhange dargestellte (Lpz. 1877), Das Christusbild der Apostel und der nachapostolischen Zeite (Ipz. 1879). S. starb 19. Mai 1885, nachdem er schon im Jahre vorher von allen seinen Amtern zurückgetreten war.