FeedStahl (Friedr. Jul.)
ReligionBrockhaus 1882

Stahl (Friedr. Jul.), einflußreicher Rechtsphilo-H1 soph und Staatsrechtslehrer von konservativ-kirchlicher Richtung, geb. 16. Jan. 1802 zu München, von jüd. Abkunft, trat 1819 zu Erlangen zu der evang. Kirche über und studierte die Rechte zu Würzburg, Heidelberg und Erlangen, worauf er sich im Herbst 1827 als Privatdocent in München habilitierte. Zunächst dem röm. Recht zugewendet, dem auch die Schrift Küber das ältere röm. Klagenrechte (Münch. 1827) angehört, wurde er später, besonders durch Schellings Einfluß, rechtsphilos. Studien zugeführt, auf deren Gebiet ihm seine „Philosophie des Rechts nach geschichtlicher Ansichto (2 Bde., Heidelb. 1830—37; 4. Aufl., 2 Bde., Heidelb. 1870—71) eine bedeutende Stellung gesichert hat. Im Juni 1832 wurde er als außerord. Professor nach Erlangen, schon im November aber als ord. Professor für die Rechtsphilosophie, Politik und Pandekten nach Würzburg berufen. Seit 1835 lehrte er dieselben Fächer wieder in Erlangen, bis er 1840 einem Rufe nach Berlin folgte. Hier gewann er einen weitgreifenden Einfluß, der noch mehr seit der auf die Stürme des J. 1848 folgenden Reaktion hervortrat. Schon in der ersten Auflage seines rechtsphilos. Werks hatte S. eine strengkirchliche Richtung eingeschlagen. Gegen Hegel polemisierend, folgte er ganz den Impulsen Schellings und suchte Recht und Staat auf der christl. Offenbarung zu begründen. Sein ganzes System wurzelt in der Behauptung, daß der Staat wegen der biblischen Lehre vom göttlichen Ursprunge der Obrigkeit eine göttliche Institution sei. Daraus folgert er, daß die Befehle der Obrigkeit die Macht eines göttlichen Gebots haben, dem sich der einelne unbedingt fügen muß. Die Kirche des Staats ol eine streng konfessionelle sein. Seine Schrift über den christl. Staat und sein Verhältnis zum Deismus und Judentum» (Berl. 1847) entwickelt diesen Gedanken weiter. Seit 1849 Mitglied der — — Ersten Kammer, schwang er sich rasch zann ührer der Feudalpartei empor, die ihn als ihren bedeutendsten Redner und als thätigstes Mitglied der Kommissionen in allen polit.praktischen Fragen mit Ansehen und Ehren überhäufte. Im Erfurter Parlament 1850 widersetzte er sich der Herstellung des i Bad Bundesstaats. S. starb 10. Aug. 1861 im Bade Brückenau. Von seinen kleinern Schriften, die sich an die Zeitereignisse anschließen, sind für die Beurteilung seines Standpunktes hervorzuheben: «Was ist Revolution?» (3. Aufl., Berl. 1853) und &Wider Bunsen» (1. bis 3. Aufl., Berl. 1856). Seine parlamentarische Thätigkeit veranschaulicht die nach seinem Tode herausgeebene Sammlung: „«Siebzehn parlamentarische edend (Berl. 1862). Außerdem erschien von ihm: „Die gegenwärtigen Parteien in Staat und Kircher (Berl. 1863; 2. Aufl. 1868). Vgl. «Pernice, Savigny, S. v (Berl. 1862).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 141Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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