Schottische Kirche. In Schottland wurde die Reformation durch Adel und Parlament im heftigen Kampfe gegen die streng kath. Königin Maria Stuart eingeführt und die Ausübung des kath. Gottesdienstes mit dem Tode bedroht (1550). Der Reformator der Schotten, John Knorx, der in Genf zu den Füßen Calvins gesessen, gab der religiösen Bewegung seines Heimatlandes die Richtung auf ö schroffste Ausprägung des Gegensatzes zu Rom in Lehre, Kultus, Verfassung und Sitte. Puritanischer Eifer und polit. Opposition gegen Klerus und Königtum reichten sich die Hand zum Bunde, um das kirchliche Reformationswerk im strengsten calvinistischen Geiste zu vollenden. Das edinburgher Parlament und die erste kirchliche Generalversammlung führten 1560 das von Knox entworfene Glaubensbekenntnis (die «Schottische Konfessiono), 1561 die schott. Kirchenordnung (Book of discipline) ein, welche die Kirche unter ihrem alleinigen Haupte Christus streng presbyterianisch erfaßte. Die Wahl der Prediger, unter denen jede Rangordnung abgeschafft, wurde den Gemeinden, die kirchliche Gerichtsbarkeit und Gesetzgebung den Kirchensitzungen (Kirk-sessions) der Prediger und Altesten, den Provinzialsynoden und der Generalversammlung (general assembly) übergeben, der Gottesdienst mit Beseitigung aller röm. Ceremonien nach genfer Muster in strengster Einfachheit hergestellt. Die Versuche Maria Stuarts zur Gegenreformation endeten mit der Vertreibung der Königin 1567 und der wiederholten Bestätigung und allgemeinen Durchführung der Presbyterialverfassung (1592). Während in England unter Karl J. zwischen Königtum und Parlament ein heftiger Kampf über die Kirchenordnung entbrannte, befestigte sich der Presbyterianismus in Schottland durch die nur hier vollständig angeeigneten Beschlüsse der Westminstersynode (1643 fg.) und überdauerte alle revolutionären und contrerevolutionären Stürme, von denen die Kirche von England heimgesucht wurde. Nur das Patronatsrecht, welches das Grundgesetz von 1690 (revolution settlement) abgeschafft hatte, wurde durch königl. Gewalt wiederhergestellt (1711). Der kirchliche Unabhängigkeitssinn des Volks machte in erfolglosen Protestationen sich Luft, bis endlich zeitweise die Gemäßigten (moderates) die Oberhand behielten. Erst der neu erwachte puritanische Eifer des 19. Jahrh. regte die Forderung unbedingt freier kirchlicher Wahlen abermals auf. Die Generalversammlung von 1834 forderte den Wahlen der Patrone gegenüber für die Gemeinden ein Veto. Als auch dieses nicht eingeräumt ward, kam es zuerst zu heftigem Widerstande der Non-Intrusionisten, welche von den aufgedrängten Geistlichen nichts wissen wollten, und seit 1843 zur förmlichen Kirchenspaltung und zur Begründung der Schottischen Freikirche (Eree Church), welche ihre volle Unabhängigkeit vom Staate und den Grundherren durch den Verzicht auf alles Kirchengut der Staatskirche und durch unglaubliche freiwillige Opfer zur Begründung eines neuen Kirchenwesens erkaufte. Seit 1874 hat auch die Staatskirche das Recht der Patrone abgeschafft. Die Freikirche hat sich inzwischen immer mehr als Beschützerin des orthodoxen Fanatismus erwiesen,‚ wie neuerdings namentlich in dem Prozeß gegen den Professor W. R. Smith zu Tage trat. Vgl. Sack, «Die Kirche von Schottlando (2 Bde., Heidelb. 1844—45); Köstlin, «Die Schottische Kirche (Hamb. 1852); Cook, «History of the reformation in Scotland o (2. Aufl., 3 Bde., 1819); Cunningham, „Church history of Scotlando (1863).