Schafherden treffliche Weiden. Westlich schließen sich die Lowther Hills an, mit dem Hart-Fell (55 m) und dem Broadlaw (784 m) im O., dem Tinto-Hill (622 m) im N., dem Queensberry Hill (646 m) im S. und den eigentlichen Lowther-Hills (721m) im W., über dem Bergwerksorte Leadhills (376 m), einem der höchsten bewohnten Orte der brit. Inseln. Auch noch weiter im W. und SW. breitet sich eine hohe Gegend bis zur Irischen See aus, mit unregelmäßiger Oberfläche, ohne Kettenbildung, aber mit zahlreichen einzelnen Höhen, z.B. Blac-Larg (558 m), Cairns-Muir of Deugh (740 m), Merrick-Mount (791 m) und in der Ebene am Solway-Firth der isolierte Criffel (534 m). Von dem östl. Hauptteile des ganzen Berglandes durch eine thalähnliche Einsenkung getrennt, liegen im N. des Tweed die Lammermuir⸗, Moorfoot⸗ und Pentland-Hills (bezüglich 500, 656 und 526 m). Grüne Ebenen wechseln in Südschottland mit sanft aufsteigenden Hügeln, ergiebigen Kulturthälern, Fruchtfeldern, mit Wald und Weide, während schroffe Felsen, unfruchtbare Moore und Heiden die reizende Mannigfaltigkeit des Landes noch Sortohn Mittelschottland, im S. von dem Forthbusen und der Einsenkung des Forth⸗ und Clydethals, im N. vom Moraybusen und dem vom Caledoniakanal durchzogenen Thale von Glenmore begrenzt, ist zu mehr als drei Viertel Gebirgsland, das großenteils über 300 m Seehöhe hat und die höchsten Gipfel Großbritanniens enthält. Die Hauptmasse ist die breite Region des Grampiangebirges (s. d.), welches in drei Gebirgszüge zerfällt. Die Centralen Grampians ziehen von der 1332 m hohen Masse des Ben-Nevis am Linnhe-Loch, dem höchsten Berge der brit. Inseln, ostwärts bis südlich von Aberdeen. Die bedeutendsten Höhen östlich vom Ben-Nevis sind der Ben-Alder (1044 m), der Cairn-Celar und Ben-Dearg (958 und 1015 m), der Ben-More und Cairn-Gowars (1031 und 1065 m), der Glash-Meal und sein nördl. Nachbar (1001 und 1087 m). Von dem 989 m hohen Knotenpunkte Scarsoch, unweit des Cairn-Celar, ziehen gegen NO. die Nördlichen Grampians, auch Cairn-Gorm-Range genannt, und gegen SW. von dem berühmten Paß von Killiecrankie, über welchen die Hauptstraße und Eisenbahn über das Gebirge ins Thal des Spey führt, bis zum Clydebusen die hohen Massen der Südlichen Grampians. Die Berggegend im S. und SO. der Grampians erreicht nicht die Küste, sondern endet an der über 126 km langen, 1,5 bis 26 km breiten Ebene Strathmore, die sich von Stonehaven gegen SW. bis Stirling am Forth hinzieht und die größte zusammenhängende Strecke Kulturlandes in ganz S., den Hauptbestandteil der eigentlichen Lowlands bildet, trefflich bebaut und ergiebig an Gerste und Kartoffeln. Im SO. von dieser Ebene finden sich wieder zwei Hauptketten: die Sidlaw-Hills, die von Perth gegen NO. ziehen, im Kings-Seat 330 m sich erheben, steil aus der Cbene aufsteigen und in Terrassen ostwärts zum Meere, südwärts zu der 3,7 Kkmebreiten Ebene längs des Tay, dem Carse of Gowrie, einer der schönsten und fruchtbaren Striche S.s, abfallen, und die Ochill-Hills, die, etwas füdlicher, von Perth gegen SW. streifen und in Craig-Rossie 675 m, im Ben-Cleugh 717 m, in einer östl. Verzweigung, den Lochmond-Hills, noch 522 m Höhe erreichen. Nordchottland, der unwirtsamste und am geringsten bevölkerte Teil Großbritanniens, besteht aus einer kahlen, häufig von Torfmooren und Sümpfen eingenommenen Hochebene von 150—425 m Meereshöhe, auf welcher zahlreiche Gipfel von beträchtlicher Höhe emporsteigen, wie der Mainsuil (1107 m), der Ben-Wywis (1043 m), der Ben-Derag (1115 m), der Nördliche Ben-More (938 m). Diese Höhen bilden eine durcheinander geworfene Masse, grausiger und wilder als in Mittelschottland, eine kahle, steile Bergwildnis. Kaum ein Zwanzigstel des Landes ist eben, hauptsächlich an der Ostküste, wo die welligen Ebenen von Caithneß und von Cromarty einiger Kultur Raum geben. Der wunderbare Wechsel von mächtigen Bergen, von mäßigen Höhen, oft mit Burgen gekrönt, von tiefen, schmalen Felsschluchten (Glens), von offenen Thälern (Straths oder Carses), besonders an der Ostseite, von malerischen Felsenküsten, von Seen, Flüssen und Wasserfällen verleihen dem gesamten S. die Reize höchster Romantik. Fast alle Flüsse des Landes entspringen im Gebirge, haben einen viel raschern Lauf als die Englands, steigen oft plötzlich an und sind viel weniger zur Schifffahrt geeignet. Die bedeutendsten sind im Osten der Tweed (155 km lang mit einem Gebiet von 4845 qkm); der Forth (s. d.), der bedeutendste von allen; der Tay (149 Km lang, mit einem Gebiet von 5837 qkm und größerm Wasserreichtum als die Themse), der Dee von Aberdeen, der Don, der Spey, der schönste von allen (144 km lang, mit einem Gebiet von 3083 qkm), der Neß, Findhorn und Shin: im Westen der Clyde (s. d.) und der Lochy mit dem Spean. Die zahlreichen Landseen (Lochs) sind teils Süßwasserseen, teils tief in das Land eindringende Seearme, durch großen Umfang oder reizende Umgebung, fast alle durch außerordentlichen Fischreichtum ausgezeichnet. Die bedeutendsten der Süßwasserseen sind der Loch-Lomond (40,7 km lang, bis 11,1 km breit, 115,6 groß, mit mehr als 30 Inseln), der Loch-Awe (37 km lang, 1,8 bis über 3,7 km breit und 40, ꝗEm groß), der Loch-Neß (40,7 km lang, 2,47 km breit und 50 qkm groß), der Loch-Shin, Loch-Maree, Loch-Tay, Arkaig, Shiel, Lochy-Laggon und Moror. Der einzige bedeutendere See im Tieflande ist der historisch berühmte Loch⸗-Leven in Kinroß. Der Loch⸗-Neß, Oich und Lochy im Thale Glenmore sind durch den Caledonischen Kanal (s. d.) verbunden; außer diesem sind wichtige Kanäle: der Große oder Clydekanal (61,2 Kmelang), der von demselben bei Falkirk abgehende Edinburgh-Glasgow-Unionkanal (51,8 Km), der Aberdeenkanal, der nach In-Kanal führt (29,6 Km). Diese und alle andern Kanäle haben zusammen 240,5 km Länge. Von der Bodenfläche S.s kommen auf das Ackerland unter Pflug 26,8 Proz., auf Wiesen 20,7, Grünland 13,%1, Kleeland 25, Holzungen 13,8. Die Landwirtschaft hat zwar in dem größten Teil des Landes mit Schwierigkeiten zu kämpfen, steht jedoch in Südschottland gegenwärtig auf einer fast höhern Stufe als in England. Hafer ist die Stapelware des Ackerbauers und die Brotfrucht des Landmanns; Gerste wird meistens zum Branntweinbrennen benutzt. Auch die Schafzucht, welche im ganzen der englischen nachsteht, hat sich bedeutend gehoben und sogar in die Hochlande verbreitet. Die Wollproduktion beläuft sich jährlich auf etwa 13 Mill. Pfd. übrigens wird auch in S., wie in England, bei der Schafzucht weniger auf Erzeugung von guter Wolle als von gutem Fleisch gesehen. Von Rindern unterscheidet man verschiedene Stämme. Die Gallowayrinder, ohne Hörner, meist schwarz oder gefleckt, liefern vorzügliches Fleisch, weniger gute Butter. Die Rinder von Aberdeen, Fife, Ayrshire, Argyle und den Highlands haben Hörner von mittlerer Länge und liefern teilweise vorzügliches Fleisch und reichliche Milch. Clydesdale hat kleine, aber ausdauernde Ackerpferde, das Hochland Ponies, die jedoch hauptsächlich auf den Shetlandsinseln vorkommen. Auch Hochwild und niederes Wild sind vorhanden, sowie Wasser⸗ und Seevögel in Menge, Eidergänse vorzüglich auf den Inseln. Die Fischerei ist bei der großen Küstenausdehnung sehr bedeutend. Der Heringsfang bildet, seit die Holländer aus dem Alleinbesitz desselben verdrängt wurden, eine Hauptbeschäftigung der Küstenbewohner, besonders im Westen und auf den Orkney⸗ und den Shetlandsinseln; der größte Teil des Ertrags geht nach Deutschland. Der Walfischfang an der Küste von Grönland und in der Davisstraße wird von S. aus eifrig betrieben, doch bei weitem nicht mehr in dem Umfang wie früher. Lachs, der sich häufig in den Flüssen und Seen findet, bringt man nach London; das jährliche Erträgnis der Lachsfischerei in S. wird auf 126000 Stück angegeben. Die ausgedehntesten Waldungen liegen in Perth, Aberdeen, Roß und Inverneß. In Mittelschottland haben die Wälder an Ausdehnung abgenommen, sind aber noch immer von großer Wichtigkeit und nehmen durch neue Anpflanzungen wieder zu. Ziemlich reich ist das Land an Mineralien, namentlich die Gebirge Mittelschottlands. Blei mit Silber gemengt findet sich auf dem Scheiderücken zwischen den Grafschaften Dumfries und Lanark; Leadhills in Lanark ist der Hauptsitz des Bergbaues auf Blei. Minder wichtig sind die Bleigruben auf den Hebriden. Ansehnliche Eisenbergwerke besitzen die Grafschaften Lanark, Ayr, Clackmannan und Stirling. Kupfer wird am Loch-Tay gewonnen, andere Erze nur in geringer Menge an verschiedenen Punkten. Reiche Lager von Steinkohlen, obschon den bessern englischen an Güte nicht gleich, finden sich zwischen einer Linie von der Taymündung nach dem Nordende der Insel Arran und einer Linie von St.⸗ Abbs-Head nach Girvan in Ayrshire. Das wertvollste Lager erstreckt sich längs des Forth bis zu einer Breite von 18,5 Km. Das Lager im Süden und Osten von Edinburgh nimmt 203,7 km ein. Von Bathgate erstreckt sich die Kohle nach Glasgow und Paisley. Gegen 27 Proz. der Steinkohlenfelder Großbritanniens kommen auf S. Kochsalz wird als Mineral nicht gefunden, sondern aus Meerwasser eingesotten. In der Industrie steht S. hinter England zurück. Die Hauptsitze der schott. Baumwollfabrikation sind Lanark und Renfrew. Glasgow und Paisley liefern treffliche Seiden⸗ und Baumwollwaren. Besonders ausgezeichnet sind die Musseline von Paisley, und in der Kattundruckerei, namentlich der Shawls, hat man es in S. weiter gebracht als in England. Einen uralten Stapelartikel bilden die Leinwand und andere Fabrikate aus Flachs. Diese Industrie ist über das ganze Land verbreitet, zum Teil als Nebenbeschäftigung. Fabrikmäßig betrieben wird sie vornehmlich in Dundee, nächstdem in Forfar, Dumfries, Perth, Aberdeen und Inverary. Seit der Mitbewerbung Irlands und dem vermehrten Gebrauch wollener Stoffe beschränkt sich jedoch S. vorzugsweise auf gröbere Gewebe, zu denen Rußland den Hanf, die Niederlande und Deutschland den Flachs liefern. In der Erzeugung von Plaids, Tartans und Tweeds steht S. unübertroffen da. Hauptsitz der Jute-Industrie sind die Distrikte von Dundee, Glasgow und Arbroath; dundeer Fabrikanten haben in Ostindien wegen der billigern und ungestörtern Arbeiterverhältnisse Etablissements angelegt. Auch der Maschinenbau ist ansehnlich. Ein Hauptsitz der Sodaindustrie ist Glasgow; chem.⸗pharmaceutische Präparate erzeugt Edinburgh. Die Jodfabriken von Glasgow versorgen fast alle Länder. Die Knopffabrikation blüht besonders zu Aberdeen. Raffinerien für Kolonialzucker bestehen namentlich in Edinburgh; Seife produziert Glasgow. Ferner bestehen in S. 20 Porzellanfabriken, ebenso viele Glashütten und über 50 Papiermühlen. Bedeutend ist der Schiffbau, besonders am Clyde. Der Binnen- und Küstenhandel ist sehr wichtig. Außer den Kanälen dienen die Eisenbahnen und gute Kunststraßen zur Förderung des Verkehrs. Im J. 1884 waren 4826 km Eisenbahnen im Betrieb mit einem Anlagekapital von 100 655 000 Pfd. St. und einer Nettoeinnahme von 3687 000 Pfd. St. Vor der Vereinigung mit England unbedeutend, hat der Handel seit der Mitte des 18. Jahrh. mit der Manufakturindustrie einen immer höhern Schwung genommen. Der Clyde ist der Sammelplatz der meisten schott. Handelsschiffe, und Glasgow der Hauptsitz dieses Verkehrs. Nächstdem sind wichtige Häfen Greenock und Leith(bei Edinburgh), Dundee und Perth, Aberdeen, Le Deaht Montrose, Dumfries. Zur Beförderung des Verkehrs bestehen sehr viele öffentliche Banken, von denen zwölf das Recht der Notenausgabe besitzen. Für die Volkserziehung ist durch Schulen ausreichend und weit besser als in England gesorgt. Schon seit 1696 erhielt jedes Kirchspiel eine Schule, und die Gesellschaft zur Verbreitung des christl. Unterrichts stiftete später auf ihre Kosten allein in dem Hochlande über 320 Schulen. Unter den vier Hochschulen zu Edinburgh, Glasgow, Aberdeen und St.⸗Andrews, die zusammen 100 Professoren und etwa 3000 Studenten zählen, ist die erstere die bedeutendste, besonders für das Studium der Arzneiwissenschaft. Die schott. Universitäten haben nichts von der mönchischen Disciplin der beiden alten englischen und nähern sich in ihrer Einrichtung mehr den deutschen. Mit der allgemeinen Belebung des Volks, um die Mitte des 18. Jahrh., erhob sich auch die Litteratur, welche während der innern Unruhen im 17. Jahrh. in tiefen Verfall geraten war, und aus S. gingen mehrere der ausgezeichnetsten Geister hervor, welche den Ruhm der engl. Litteratur erhöhten. (S. Schottische Dichter.) Der administrativen Einteilung nach zerfällt S. in 32 Grafschaften (30 Counties und 2 Stewartries), von welchen Orkney und Shetland (Stewartry), Caithneß, Sutherland, Roß und Cromarty (vereinigt), sowie Inverneß zu Nordschottland; Argyle, Bute (Stewartry), Nairn, Elgin oder Moray, Banff, Aberdeen, Kincardine oder Mearns, Angus oder Forfar, Perth, Fife, Kinroß, Clackmannan, Stirling, Dumbarton zu Mittelschottland; Linlithgow oder Westlothian, Edinburgh oder Midlothian, Haddington oder Ostlothian, Berwick, Renfrew, Ayr, Wigtown, Lanark, Peebles, Selkirk, Rorburgh, Dumfries und Kirkeudbright zu Südschottland gerechnet werden. Die Gebietsgröße dieser Grafschaften ist sehr ungleich. Die Bevölkerungszahl hat sich seit Mitte des 18. Jahrh. trotz der Auswanderungen mehr als verdoppelt. Um das J. 1700 belief sie sich auf etwa 1050000 Seelen, 1750 auf 1265 380. Von 1801 bis 1841 stieg sie von 1559068 auf 2620 184, im J. 1851 auf 2888 742, 1861 auf 3062234, 1871 auf 3360018, 1881 auf 3735573 Seelen und Mitte 1885 wurde sie auf 3907 736 berechnet. Der Schotte ist nachdenkend und besonnen, aber fröhlicher gestimmt als der Engländer, dabei kühn, ehrgeizig und ausdauernd in allen seinen Unternehmungen. Von Liebe zum Erwerb getrieben, wandert er gern aus nach England oder den überseeischen Besitzungen, wird aber in der Fremde nicht leicht heimisch und kehrt später gewöhnlich zurück. In den J. 1853 — 84 zählte man 547 423 Auswanderer, davon kamen auf 1884 21953. Die Schotten, besonders die Hochländer oder Bergschotten, sind tapfer, gastfrei, wohlwollend, dabei stolz auf ihren Stamm (Clan) und ebenso haushälterisch wie die Engländer, aber unmäßiger im Genuß geistiger Getränke. Die Stammverschiedenheit der Hochländer und der Niederländer tritt noch in Sitten und Charakter hervor, und der gegenseitige Haß, der zwischen beiden seit alter Zeit bestand, wird durch die harten Bedrückunen, welche jene als Pächter von diesen oft ereiden müssen, forterhalten. Die hochländische Sprache oder das Ersische ist ein Zweig des Gaelischen und mit dem IJrischen verwandt. Das Niederschottische ist keineswegs bloß ein Dialekt des Englischen, sondern eine eigene Sprache, die sich neben der englischen Denann hat. Die polit. Verfassung S.s hat seit der Union (12.Mai 1707), besonders in neuern Zeiten, mehrere Verbesserungen erhalten. Die Repräsentation im Parlament, die früher sehr mangelhaft war, wurde durch die Reformbill vom 7. Juni 1832 verbessert. Zufolge derselben besitzt jetzt das Stimmrecht bei der Wahl der Abgeordneten der Grafschaften jeder wirkliche Besitzer eines Guts, das jährlich 10 Pfd. St. Ertrag liefert, und in den Städten jeder Bürger, der von einem Grundstück als Eigentümer oder Pachter einen jährlichen Reinertrag von wenigstens 10 Pfd. St. zieht. In das Oberhaus sendet S. 16 Peers, die für jede Parlamentssitzung aus dem gesamten hohen Adel S.s gewählt werden, jedoch wegen seiner presbyterianischen Verfassung keinen Geistlichen, und in das Unterhaus aus den 32 Grafschaften 38 und aus den Städten und Flecken 31, von den Universitäten 2, zusammen 71 Abgeordnete. Die Lokalverwaltung ist in S. der englischen sehr ähnlich. Die Lordlieutenants der Counties und die Sheriffs werden von der Krone ernannt; letztere sind jedoch bezahlte Beamte. Die Friedensrichter haben mit ihren engl. Amtsbrüdern ziemlich gleiche Befugnisse. Von den 225 Städten (eities und touns) haben 83 als Burghs eine Municipalverfassung. Der Stadtrat besteht aus Räten (Councillors, Baillies) und einem Bürgermeister (Provost). Für die Justizpflege ist in S. der Court of Sessions das oberste Gericht in Civilsachen und verbindet die Funktionen des engl. Kanzleigerichts mit denen der Common-Law-Courts. Von seinen 13 Richtern bilden 5 den Court of Justiciary, den höchsten Kriminalgerichtshof des Landes. Wie in England Halten die Richter in den Hauptstädten des Landes Assisen ab. Verbrecher werden durch den Lord-Advokaten oder seine Stellvertreter in Anklagestand versetzt und auf öffentliche Kosten verfolgt. Sollte dieser sich weigern einzuschreiten, so kann jeder Privatmann auf eigene Verantwortung dies thun. „Die niedern Gerichte in den Grafschaften werden von den Sheriffs und Friedensrichtern, in den Städten von den Baillies abgehalten; ihre Wirk⸗ „samkeit ist jedoch eine beschränkte. Von den schott. .Gerichten appelliert man an das Haus der Lords. Die allgemeine Landeskirche oder Church of Scotland (s. Schottische Kirche) ist die der Presbyterianer (s. d.). Sie bezieht den Zehnten, aber gegenwärtig gehört ihr die Majorität des Volks nicht mehr an. Im J. 1875 wirkten in den 1023 „Kirchspielen etwa 1050 Geistliche; 6—34 Kirchspiele bilden ein Presbyterium, 2 oder mehrere Presbyterien 1 Synode. Die oberste kirchliche Behörde ist die General-Assembly (386 Mitglieder), die jährlich im Mai zusammentritt und aus Geistlichen und Laien besteht, die von den Presbyterien und Universitäten gewählt werden. Ein Lord-High-Commissioner wohnt ihr als Repräsentant der Krone bei. Schon früher hatten sich zahlreiche Gemeinden von der Landeskirche getrennt. So 1766 die reform. Synode, gewöhnlich Cameronians genannt, welche jetzt 42 Gemeinden bildet; 1732 die Seceders, 1752 die Relief, die sich 1847 zur United-Presbyterian-Church vereinigten, mit 505 Gemeinden und 155000 Mitgliedern. Alle diese Sekten sind Calvinisten und Presbyterianer und unterscheiden sich nur in Sachen der Disciplin. Vereinigt würden sie die große Masse des Volks bilden. Hierzu kommen noch: die Schottisch-Bischöfliche Kirche mit 7 Bischöfen und 199 Geistlichen, die getrennt von der Anglikanischen Kirche besteht; die Römisch-Katholischen mit 3 Bischöfen (zu Glasgow, St.⸗Andrews und Edinburgh) und 227 Geistlichen (1845 hatten sie erst 66 Kirchen und 89 Geistliche); EnglischeIndependenten mit 101Kirchen; Wesleyaner Methodisten mit 27 Kirchen und 3500 Mitgliedern; Taufgesinnte mit 100 Kirchen; Anglikaner mit 8 Kirchen u. s. w. Von der Gesamtbevölkerung des Landes gehören etwa 46 Proz. der