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ErdkundeBrockhaus 1882

Dumfries, eine der westl. Grafschaften Südschottlands, umfaßt 2856,76 ꝗkm, mit (1881) 76 124 E. Das Land wird von Zweigen der Cheviothills durchzogen, ist größtenteils bergig, namentlich im Norden, und auf weiten Strecken mit dürrer Heide, hier und da mit Moor bedeckt. Nur 23 Proz. der Bodenfläche sind angebaut. Die Grafschaft wird vom Annan, Nith und Esk bewässert, hat mildes, aber feuchtes Klima, an den Flüssen, die fischreich sind, ergiebigen und ausgezeichnet gut mit Hafer und Kartoffeln bestellten Ackerboden und auf den Thalgeländen treffliche Vieh-, besonders Schafweiden. Zu den hohen Gipfeln gehören der Louther-Hill, 768 m, der Queensberry-Hill und Ettrick-Pen, 688 mehoch. Am Fuße des 804 mhohen Hart-Fell finden sich reiche Steinkohlenlager, und bei Moffat Alaunwerke, sowie in dem Leadshill, an der Grenze von Lanark, fleißig betriebene Gruben für Blei, Kupfer, Antimon, Mangan. Auch gewinnt man Kalk, Gips und Bausteine in Menge. Die Einwohner beschäftigen sich mit Feldbau, Viehzucht, welche hochgeschätzte Schinken liefert, und Fischerei und besonders mit dem Grubenbau. Die Fabrikindustrie beschäftigt in Baumwollspinnerei und Wollartikeln zur Bonneterie zahlreiche Hände im Flachlande. Die Häfen am Solway Firth betreiben thätigen Küstenhandel. Drei Eisenbahnen durchziehen die Grafschaft. Sie zerfällt in drei Thäler, das Esk-, Nith- und Annanthal. Die zahlreichen Altertümer sind bretonische und röm. Lager, Cairns, Türme, dän. Säulen und Schloßruinen. Die Hauptstadt Dumfries, Parlamentsborough und Seestadt, 120 kmim SSO. von Glasgow, an mehrern Eisenbahnen und links am schiffbaren Nith gelegen, auf welchem Schiffe von über 60t bis zu ihr heraufkommen, ist gut gebaut, reinlich und ein lebhafter Handelsplatz, der als Hauptstadt von Südschottland gilt. In der Nähe Ris zahlreiche Villen gebaut. Die Stadt hat drei Kirchen und mehrere Kapellen der Dissenters, ein schönes Stadthaus (Mid Temple), eine Handelshalle, eine Akademie, zwei Bibliotheken, ein Handwerkerinstitut, ein Theater, ein Zuchthaus und eine Irrenanstalt. Es befindet sich hier ein Obelisk zum Andenken des Herzogs von Queensberri und auf dem Kirchhofe der St. Michaeliskirche das Mausoleum des Dichters Robert Burns. D. zählt (1881) 17090 E., welche Hüte, Woll⸗, Strumpf- und Korbwaren, Leder und Schuhe fertigen, bedeutende Bierbrauereien unterhalten und ansehnlichen Holzhandel mit Amerika und der Ostsee und Küstenhandel treiben. D. ist auch der Haupt-Rinder⸗ und Schweinemarkt Schottlands. Der Ort ist sehr alt. Am Altar der Minoritenkirche ermordete 12. Febr. 1305 Robert Bruce seinen Mitbewerber Comyn den Roten. Die Stadt wurde 1440 von den Engländern eingeäschert, und 1570 hatte sie gleiches Schicksal. Im J. 1706 verbrannten die Einwohner die Unionsakte, erklärten sich aber bei der Rebellion 1715 zu Gunsten des Hauses Hannover. An der Südgrenze der Grafschaft liegt der früher wegen seiner sog. aschottischen Heiraten» oft genannte Ort Gretna-Green (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 633Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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