Schweidnitz, Kreisstadt im Regierungsbezirk Breslau der preuß. Provinz Schlesien, früher Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums, am Fuße des Eulengebirges, an der Weistritz und an der Linie Camenz-Raudten der Preußischen Staatsbahnen gelegen, ist Sitz eines Landratsamts, Landgerichts und Amtsgerichts, sowie eines Schwurgerichtshofs und zählt (1885) 23 667 E. Unter den vier Kirchen sind die kath. Pfarrkirche wegen ihres 103 m hohen Turms, des höchsten in ganz Schlesien, aus Quadern, mit herrlicher Fernsicht, und die evang. Pfarrkirche zur Dreieinigkeit in der Vorstadt als eine der drei Friedenskirchen, welche Ferdinand III. nach dem Westfälischen Frieden erlaubte, merkwürdig. S. hat ein evang. Gymnasium, eine höhere Töchterschule, ein Korrektions- und Landarmenhaus, ein Stadtarmenhaus, ein Bürgerhospital und ein Waisenhaus, Fabriken in Wolle, Leder, Holzstiften, landwirtschaftlichen Geräten, Maschinen, Nadeln, Handschuhen u. s. w. Das schweidnitzer Bier ist seit langer Zeit (unter dem Namen Schöps) weithin berühmt und wurde im 16. Jahrh. selbst nach Italien ausgeführt. Die Getreide⸗, Vieh⸗ und Garnmärkte sind sehr besucht. Die Stadt war bis 1867 eine Festung, die während des Siebenjährigen Kriegs vier Belagerungen, zwei durch die Osterreicher und zwei durch die Preußen, zu bestehen hatte, unter denen die von 1762 durch die Preußen wegen des Minenkriegs die denkwürdigste war. Die Festungswerke der Stadt sind jetzt in schöne Promenaden verwandelt. Vgl. F. J. Schmidt, 4«Geschichte der Stadt S.» (2 Bde., Schweidn. 1846—48). Das ehemalige unmittelbare Fürstentum Schweidnitz war mit dem breslauer Fürstentum eng verbunden. Erst nach dem Tode des Herzogs Heinrich IV. (1290) erhielt es eigene Landesherren. Der erste derselben war Bolko I., dessen Linie in unmittelbarer männlicher Erbfolge bis 1368 regierte. Infolge des mit König Karl I. von Böhmen (Kaiser Karl IV.) 1353 abgeschlossenen Vertrags gehörte das Fürstentum nun zur Krone Böhmen, bis es 1741 an Preußen abgetreten wurde. Dasselbe umfaßt ein Areal von etwa 2420 gkm, das gegenwärtig teils dem Regierungsbezirk Breslau (die Kreise S., Reichenbach, Striegau und Waldenburg), teils dem Regierungsbezirk Liegnitz (Kreise Bolkenhain und Landshut) angehört. Der Kreis Schweidnitz zählt (1885) auf 590 qkm 94 976 E.