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ErdkundeBrockhaus 1882

Seilla (früher auch Sciglio, im Altertum Seyllaeum), Stadt in der ital. Provinz Reggio di Calabria, 16 Km im NND. von Reggio und 5-5 km von der Nordostspitze Siciliens (Punta del Faro) entfernt, zählt (1881) 5942 (Gemeinde 7506) E., wird von einem Schlosse auf schmalem Vorgebirge überragt und ist durch seinen Wein⸗ und Seidenbau, sowie durch seinen Thun⸗ und Schwertfischfang berühmt. Am Morgen des 5. Febr. 1783 zerstörte ein Erdbeben fast den ganzen Ort, während die Bewohner an das Meer gelluchtet waren. Gegen Abend spaltete ein zweiter Erdstoß das Vorgebirge und trieb die Wellen der Meerenge von Messina mit solcher Gewalt gegen den Strand, daß an 1500 Menschen weggespült und die Trümmer der Stadt unter Wasser gesetzt wurden. Das Schloß, einst Besitz der Fürsten von Seilla, eines Zweigs der Familie Rufo, wurde nach der Schlacht bei Maida (4. Juli 1806) von den Engländern besetzt und 18 Monate lang gegen die Franzosen behauptet. Scilla maritima, Meerzwiebel, s. Urginea. „Scilly-Inseln (frz. Sorlingues), 145 in einer 20 km langen und halb so breiten Gruppe 49 km vom Kap Landsend, der äußersten Südwestspitze von Cornwall, liegende kleine, zusammen nur 2254 ha (die größte, St.⸗Marys, hat 913 ha) einnehmende Eilande; sie sind von vielen Klippen und Riffen umgeben, felsig, baumlos, von überaus mildem und gesundem Klima begünstigt, aber stets von den Wogen des Meeres gepeitscht und nicht selten verheerenden Orkanen ausgesetzt, sodaß in ihrer für die Schiffahrt höchst gefährlichen Nähe öfters Schiffbrüche stattfinden. Nur sechs sind bewohnt und tragen Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln, während die unbewohnten nur Gras, Moos und Seetang erzeugen, welcher zu Kelp verbrannt oder zum Viehfutter benutzt wird. Pferde und Rinder sind klein. Die Schafwolle, wegen ihrer Feinheit von Wert, wird zu Tuch und Strümpfen verarbeitet. Kaninchen und wildes Geflügel sind in Menge vorhanden. Die Einwohner, 2315 an der Zahl (1881), nähren sich von Ackerbau, Schafzucht, Fischerei und Lotsendienst, in welchem sie ausgezeichnet sind. Sie sind abgabenfrei und stehen mit Cornwall, wozu sie gerechnet werden, in keiner polit. Verbindung. Erst in neuerer Zeit sind Schulen und Kapellen angelegt worden. Zwölf der Einwohner bilden die Verwaltungsbehörde. In kirchlicher Beziehung stehen die S. seit 1838 unter dem Bischof von Exeter. Die größern inseln sind: St.⸗Marys, mit 1386 E. und dem tädtchen Heughtown oder Newton, dem Hauptort der Eilandsgruppe, einem Hafen und einem Fort auf dem 33,5 m hohen Hugh-Hill; Tresco oder Trescaw mit 266 E. und dem Flecken Dolphintown; St.⸗Martins, mit 158 E. und einem Signalturm; Bryher, mit 104 C., und St.⸗Agnes, mit 179 E., Kirche und Leuchtturm. Ein zweiter Leuchtturm steht im äußersten Südwesten auf Bishop's-Rock. Die S. sind Sitz eines deutschen Vizekonsuls. Das Hauptgestein der Inseln ist Granit. Von Zinn oder Zinngruben enthalten sie keine Spur; daß in den S., den Silurum Insulae der Römer, die Cassiterides Insulae oder Zinninseln der Alten zu finden sind, ist indes eine gewöhnliche Angabe. Wahrscheinlich ist aber, daß die Phönizier, die nach ziemlich einstimmiger Überlieferung Britannien entdeckt, mit jenem Namen nicht sowohl die S., als vielmehr die dahinterliegende, zerspaltene Küste von Cornwall und Devon, noch jetzt die Hauptfundstätten des brit. Zinns, oder überhaupt die brit. Inseln bezeichnet haben. Andere nehmen an, daß in ältester Zeit die Eilande mit Cornwall zusammengehangen haben und erst später von demselben losgerissen worden seien. Seinde, s. Sind. Seindia, Maharattendynastie, s. Gwalior. Seintillation (der Fixsterne), s. u. Funkeln. Scioppius (Kasp.), eigentlich Schoppe, Gelehrter des 16. Jahrh., geb. 27. Mai 1576 zu Neumark in der Pfalz, suchte sich, nachdem er zu Heidelberg, Altdorf und Ingolstadt seine Studien vollendet, durch den übertritt zur kath. Kirche einen Weg für seine ehrgeizigen Absichten zu bahnen und erhielt auch später eine Menge glänzender Titel, indem man ihn in Spanien zum Geheimrat und Grafen von Clara-Valle erhob. Der Beifall, mit dem seine ersten philol. und kritischen Schriften aufgenommen wurden, steigerte seine Anmaßung und Prahlsucht bis zu dem Grade, daß er selbst den Cicero der Barbarismen beschuldigte. Im J. 1614 zog er sich nach Padua zurück. Hier starb er 19. Nov. 1649. In seinen philol. Schriften bekämpfte er die damalige planlose und geisttötende Erklärung der alten Klassiker, besonders das verwilderte Notenlatein. Hierher gehören die Verisimilium libri IVy (Nürnb. 1596), die Suspectarum lectionum libri Vy (Nürnb. 1597 u. Amsterd. 1664), die CCommentatio de arteè criticah (Nürnb. 1597 u. Amsterd. 1661) und die „Grammatica philosophicas (Mail. 1628; zuletzt Augsb. 1712); viele andere Schriften, die noch mehr den Charakter des Pasquills an sich tragen, wie «Infamia Famiani u. s. w., veröffentlichte er unter den Namen von Nikodemus Macer, Oporinus Grubinus, Aspasius Grosippus, Isaak Casaubonus, Philoxenus Melander u. s. w. Seipio ist der Name einer der patricischen röm. Familien, die zu der Gens Cornelia gehörten. Sie erscheint in der Geschichte zuerst mit dem Publius Cornelius S., den die Fasti unter den konsularischen Kriegstribunen des J. 395 (und 394) v. Chr. anführen. — Ein anderer Publius Cornelius S. war 366 v. Chr. der eine von den beiden ersten curulischen Adilen. — Zum Konsulat schwang sich aus der Familie der Scipionen zuerst Lucius Cornelius S. 350 empor. Lucius Cornelius S. Barbatus belkleidete das Konsulat 298 v. Chr., dann die Censur und zeichnete sich in dem Kriege wider die Etrusker, Samniter und Lucaner aus. Seine Grabschrift und die seines Sohnes Lucius Cornelius S., der 259 v. Chr. als Konsul die Karthager aus Corsica vertrieb, die Stadt Aleria einnahm und die Insel für die Römer eroberte und 258 Censor war, sind, in saturnischem Versmaß abgefaßt, die ältesten unter den Inschriften, die in dem 1780 vor der Porta Capena bei Rom entdeckten Familienbegräbnisse der Scipionen gefunden wurden. Söhne des letztgenannten Lucius waren Publius und Gnäus Cornelius S., von denen der erstere als Konsul 218 v. Chr., dem ersten Jahre des zweiten Punischen Kriegs, Hannibal vergeblich am übergang über den Rhöne zu hindern suchte und dann von diesem in Italien am Ticinus im Reitergefecht und darauf an der Trebia mit seinem Amtsgenossen Tiberius Sempronius Gracchus geschlagen wurde. Er folgte 217 seinem Bruder Gnäus nach Spanien, wo derselbe, der als Konsul 222 mit Marcellus im Gallischen Kriege ruhmvoll gekämpft hatte, schon 218 als Legat gegangen war. Gnäus hatte den Karthagern das Land zwischen Ebro und Pyrenäen und dann auch die Herrschaft über die Küste entrissen. Beide Brüder besiegten die Karthager wiederholt in den nächsten Jahren, fanden aber, nachdem sie ihre Heere geteilt hatten, lurz nacheinander auch beide 212 ihren Untergang. Die Reste des Heers von Gnäus rettete der Ritter Gajus Marcius. Den Tod seines Vaters Publius und seines Oheims rächte bald nachher der große Publius Cornelius S. Africanus der Alterelmajor). Dieser, geb. 235 v. Chr., wurde 212 vom Volke zum curulischen Adilen gewählt. Als man 211 nach Spanien, wo der Proprätor Gajus Claudius Nero wenig ausgerichtet hatte, einen Prokonsul schicken wollte, trat, wie erzählt wird, S. als einziger Bewerber um das gefährliche Amt auf. Das Volk, auf welches seine Persönlichkeit, sowie seine geheimnisvolle Religiosität einen zauberhaften Reiz ausübten, wählte ihn, obwohl er bis dahin kein höheres Kriegsamt bekleidet hatte. Schon im Frühjahr 210 eroberte er mit seinem Freunde Gajus Lälius, der seine 44. 0 führte, Neukarthago, den wichtigsten Handels- und Waffenplatz der Punier in Spanien. Durch Großmut und Milde gewann er die span. Völker, die ihn, nachdem er den Bruder des Hannibal, Hasdrubal, 209 bei Bäcula geschlagen, ohne jedoch seinen Abzug nach Italien verhindern zu können, zum König ausrufen wollten. Im J. 208 wurden Hanno und Mago geschlagen und Hasdrubal, Gisgos Sohn, genötigt, sich in die festen Plätze zurückzuziehen. Als der letztere 207, mit Mago vereint, bei Bäcula wieder dem S. die Spitze bot, siegte dieser und schloß darauf ein Bündnis mit dem Numidier Syphax, den er selbst in Afrika aufsuchte. Nachdem er durch die Einnahme von Gades die Unterwerfung des karthag. Spanien vollendet, kehrte er nach Rom zurück, wo er für das J. 205 zum Konsul gewählt wurde. Seinem Plane aber, den Krieg sogleich nach Afrika zu versetzen, widersprach der Senat, besonders der alte Fabius Cunctator. Endlich wurde ihm Sicilien zur Provinz und die Erlaubnis gegeben, nach Afrika zu gehen. Im J. 204 erschien er mit etwa 20000 Mann als Prokonsul in der Nähe von Utica. Der Widerstand, den diese Stadt leistete, nötigte ihn im verschanzten Lager zu überwintern. Hasdrubal, Gisgos Sohn, und Syphax, der sich mit den Karthagern verbündet hatte, griffen ihn an, wurden aber zweimal 203 besiegt und der letztere selbst gefangen. Im Herbste 203 kehrte Hannibal nach Afrika zurück und wurde nach vergeblichen Friedensunterhandlungen von S. 19. Okt. 202 in der Schlacht bei Zama (s. d.) entscheidend geschlagen. Hierauf kehrte S., nachdem er den Frieden, der Karthagos Macht brach, vermittelt, im Triumph nach Rom zurück, wo er den ruhmvollen Beinamen Africanus annahm. Im J. 199 wurde er zum Censor, 194 zum zweiten mal zum Konsul erwählt, und seit 198 war er Princeps Senatus. Im F. 193 wurde er als Schiedsrichter zwischen den Karthagern und Masinissa nach Afrika geschickt. In dem Kriege gegen Antiochus III. begleitete er 190seinen Bruder Lucius als Legat. Aufgereizt von der den Scipionen feindlichen Partei, an deren Spitze Cato stand, klagten ihn Volkstribunen vor dem Volke an, daß er sich von Antiochus habe bestechen lassen. Da erinnerte S. in einer Vorverhandlang das Volk, heute sei der Tag, an dem er einst den Hannibal besiegt, und fügte nach einigen Berichterstattern hinzu, sie sollten ihm auf das Kapitol folgen und den Göttern danken, was denn auch geschah. Doch war die Sache damit nicht erledigt; S. sah sich vielmehr veranlaßt, vor dem Tage der entscheidenden Abstimmung die Stadt zu verlassen, worauf man hernach den Prozeß fallen ließ. Seine polit. Thätigkeit war aber zu Ende und er starb in völliger Zurückgezogenheit auf seinem Landgute bei Liternum in Campanien 183, nach andern 185 oder 184. Vgl. Gerlach, „Publius Cornelius S. Africanus der Altere und seine Zeitv (Bas. 1868); Mommsen, Die Scipionenprozessey im Hermesv Von seiner Gattin Ämilia, der Tochter des Amilius Paullus, der bei Cannä siel, hinterließ er zwei Söhne: Publius, ausgezeichnet durch Begabung und Bildung, aber durch Körperschwäche an öffentlicher Wirksamkeit verhindert, und Lucius, den Antiochus gefangen nahm, aber freigab, und der, als ausgeartet, von den Censoren 174, wo er die Prätur erlangte, aus dem Senat gestoßen wurde. Die eine der Töchter war Cornelia (s. d.), die Mutter der Gracchen, die andere an Publius Cornel. Scipio Nasica mit dem Beinamen Corculum verheiratet. Der jüngere Bruder des großen Africanus war Lucius Cornelius S., der mit jenem in Spanien war, 193 die Prätur bekleidete und 190 als Konsul den Auftrag zur Führung des Kriegs gegen Antiochus III. von Syrien erhielt. Nach der Beendigung des Kriegs durch den Sieg bei Magnesia feierte er einen prächtigen Triumph und legte sich den Namen Asiagenus bei, woraus später Asiaticus gemacht wurde. Er wurde angeklagt, daß er von den vom Antiochus erhaltenen Geldern unterschlagen habe, und zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein Abkömmling von ihm war Lucius Cornelius S., der 83 v. Chr. als Konsul von seinem Heere verlassen wurde, da Sulla gegen dasselbe zog. Publius Cornelius S. Amilianus, der jüngere Africanus, der leibliche Sohn des Lucius Ämilius Paullus, kämpfte, kaum 17 J. alt, 168 unter diesem und wurde von des ältern Africanus Sohn, Publius, adoptiert. Ohne der strengen altröm. Sitte sich zu entfremden, suchte er mit ihr die griech. Bildung, in der ihn der Umgang mit Polybius und dem Stoiker Panätius förderte, zu vereinen, und seine Reden, die er gleich Cato aufzeichnete, galten als Musterstücke. Im J.. 151 übernahm er freiwillig die Stelle eines Kriegstribunen bei dem Heere in Spanien. Es wird erzählt, daß er bei der Belagerung von Intercatia im Zweikampf einen span. Häuptling erlegte und bei einem übrigens schließlich abgeschlagenen Sturm zuerst die Mauer erstieg. Als der Oberbefehlshaber L. Licinius Lucullus mit der Stadt in Verhandlungen sich einzulassen gezwungen sah, ließ sich dieselbe, da Lucullus kürz vorher eine schmähliche Treulosigkeit begangen hatte, erst dann auf einen Vertrag ein, als S. für dessen Erfüllung sein Wort verpfändete. Auch in dem ersten Jahre des dritten Punischen Kriegs, 149 v. Chr., diente er nur als Tribun, aber seine Tapferkeit, Rechtlichkeit und Kriegskunde erwarben ihm allgemeine Bewunderung. Er wurde darum Rom, wo er sich um die Ädilität bewarb, vom Volke 147 außerordentlicherweise zum Konsul erwählt und mit der Beendigung des Kriegs gegen Karthago beauftragt. Er stellte in Afrika die Kriegszucht wieder her und beschränkte die Karthager auf die Stadt, die sich mit verzweifeltem Mute verteidigten und die erst 146 erobert wurde. (S. Karthago.) Auf den Trümmern soll S. ihr Geschick beklagt und in der Ahnung, daß auch Rom einst fallen werde, die Homerischen Worte ausgerufen haben: «Einst wird kommen der Tag, wo die heilige Ilios hinsinkt.v S. kehrte nach Rom im Triumph zurück und besaß seitdem den Namen Africanus nicht bloß als ererbten. Die Censur verwaltete er 142 mit Mummius streng und gewissenhaft. Für das Jahr 134 wurde ihm zur Beendigung des Kriegs gegen Numantia das Konsulat zum zweiten mal übertragen. Auch hier stellte er die Mannszucht beim Heere wieder her; aber erst nach langwieriger Belagerung wurde er 133 der heldenmütigen Stadt Meister und seitdem auch Numantinus genannt. Als er 129 die weitere Ausführung des Ackergesetzes dadurch aufhielt, daß er durch einen Volksbeschluß den zur Verteilung bestimmten Triumvirn die Entscheidung über die in der Sache entstehenden Streitigkeiten entziehen ließ, wurde er am Morgen nach der Volksversammlung, in der er kraftvoll gegen die Volksführer gesprochen, in seinem Schlafgemach tot gefunden. Nach einigen war er eines natürlichen Todes gestorben, andere gaben, fast ohne Zweifel mit Recht, seinen Gegnern die Schuld. Vgl. Gerlach, «Der Tod des Publius Cornelius S. Amilianusy und «Publius Cornelius S. Amilianus und seine Zeito in den Histor. Studien) (2 Bde., Hamb. u. Gotha 1841 u. Bas. 1847), und Person, De Publio Cornelio Scipione Aemiliano (St.⸗Cloud 1877). Von Gnäus S., dem erwähnten Oheim des ältern Africanus, stammte die Linie der Scipionen, die den Beinamen Nasica führte. Zuerst erhielt ihn jenes Sohn, Publius Cornelius S. Nasica, der 194 und 193 als Prätor und Proprätor in Spanien, als Konsul 191 im Cisalpinischen Gallien gegen die Bojer siegreich war. Sein gleichnamiger Sohn, mit einer Tochter des ältern Africanus vermählt, erhielt wegen seiner Tüchtigkeit und Einsicht den Zunamen Corculum. Derselbe war zweimal Konsul, 162 und 155, Censor 159. Pontifex Maximus wurde er 150. — Sein Sohn gleichen Namens, von einem Tribunen im Spott mit dem Sklavennamen Serapio zubenannt, Konsul 138, streng, hart und ein eifriger Optimat, leitete 133 v. Chr. den Angriff auf den ältern Gracchus und machte sich dadurch beim Volke so verhaßt, daß ihn der Senat durch eine Sendung nach Asien entfernte, wo er in Pergamon starb. Ob er schon 133 v. Chr. Pontifer Maximus war oder erst kurz vor seinem Tode abwesend dazu gewählt wurde, ist streitig. — Sein Sohn gleichen Namens, in der Jugurthinischen Zeit durch Unbestechlichkeit und strenge Rechtlichkeit, als Redner durch Witz und Laune ausgezeichnet, starb als Konsul 111. — Dessen Enkel war der von Me tellus adoptierte QAuintus Cäcilius Metellus Pius S., ein heftiger Gegner Cäsars. (S. Seiren, s. Skyren. Seiroees oder Sirocco heißt in einem Teik der nördl. Mittelmeerländer ein feuchter, schwüler, wolkenführender und regenbringender Wind, wie er überhaupt an der Ostseite eines barometrischen Minimums aufzutreten pflegt. Er unterscheidet sich deshalb von den Südost⸗, Süd⸗ und Südwestwinden Deutschlands, wenn sie mit höherer Wärme auftreten nur dem Namen nach, höchstens durch die höhere Feuchtigkeit und die drückendere Schwüle. Der S. ist der charakteristische Wind der Regenzeit des Mittelmeergebietes, also des Winterhalbjahres. Im Adriatischen Meere tritt er als Südostwind auf, was seinen Grund in der Hauptausdehnung dieses Meeresteils hat. Sicilien und zum Teil auch Süditalien haben noch einen andern, von dem oben charakterisierten sehr verschiedenen S. Es ist dies ein heißer, sehr trockener, heftiger und staubführender Wind. Er ist von sehr hohen Temperaturen (bis 35* C. noch um Mitternacht) begleitet, die Luft ist dunstig, der Himmel gelblich bis bleifarben, die Sonne kaum fähig, die Dunstschichten zu durchdringen. Menschen und Tiere leiden unter Mattigkeit, Beklemmung und Unlust zu jeglicher Thätigkeit. Von gleicher Schädlichkeit ist er für die Vegetation; tritt er zur Blütezeit der Olive oder des Weins auf, so kann die ganze Ernte zerstört werden. Am häufigsten tritt dieser S. im Frühjahr auf, doch ist kein Monat ganz frei von ihm. Seine Richtung ist meist aus Südost oder Südwest, er ist selten regenbringend, aber häufig schlägt sich aus ihm ein feiner rötlicher Staub nieder, dessen Ursprung man in vielen Fällen in der Sahara zu suchen haben dürfte. Seirpus L., Pflanzengattung aus der Familie der Cyperaceen. Man kennt gegen 250 Arten, die über die ganze Erde verbreitet sind und besonders an feuchten, sumpfigen Orten oder im Wasser wachsen. Es sind krautartige Gewächse von sehr verschiedenem Habitus, mit binsenartigem cylindrischen oder dreikantigen, meist unverzweigtem Halme, der einen Büschel von Blättern oder auch nur wenige scheidenartige Blattorgane trägt. Die Blüten stehen entweder in einer einzigen endständigen Ähre oder es sind mehrere zu Büscheln vereinigte Ahrchen vorhanden. Die Ahrchen sind mehrblütig und zwitterig. Von einigen größern Arten, wie von 8. lacustris L., deren Halme im Wasser wachsen und bis zu 2½ muhoch werden, sowie von den dreikantigen Stengeln von 8. silvativus L. werden Matten, Decken u. dgl. geflochten. Die kleinern Arten, von denen in Deutschland gegen 20 einheimisch sind, werden sowohl im frischen, als im getrockneten Zustande vom Vieh nicht gern gefressen und die sumpfigen Wiesen, auf denen sie häufig vorkommen, liefern deshalb ein schlechtes Futter.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 620Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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