FeedSegesta
ErdkundeBrockhaus 1882

Segesta (bei den Griechen Egesta oder Aigesta), alte Stadt im westl. Teile Siciliens, 11 Kmim SSW. von ihrem Hafen (Emporium Egestaeh, dem jetzigen Castellamare (f. d.), und 6 km im NNW. von Calatafimi (s. d.), war nach der Sage ebenso wie die im NW. gelegene Stadt Eryr von flüchtigen Troern, die mit den eingeborenen Sikanern zu dem Volke der Elymer verschmolzen, auf einem steilen Berge, dem jetzigen Monte-Barbaro, an den warmen Quellen des Skamandros (jetzt Fiume Gäggera) erbaut. Jedenfalls war sie eine der ältesten Städte der Insel und nicht griech. Ursprungs. Daher die ewigen Kämpfe der Segestaner mit den Hellenen, trotzdem daß die Stadt im Laufe der Jahrhunderte ihrer ganzen Bildung nach eine hellenische geworden war. S. hat furchtbare Schicksale gehabt. Von den Selinuntiern bedrängt, riefen die Segestaner die Athener nach Sicilien. Nach deren Niederlage vor Syrakus 413 v. Chr. schlossen sie sich den Karthagern noch enger an. Diese zerstörten 409 Selinus. Später verbündeten sich die Segestaner mit Agathokles von Syrakus, der aber die Einwohner der Stadt, um sich ihrer Schätze zu bemächtigen, teils verjagte, teils am Skamander hinschlachtete. Unter seiner Herrschaft hieß sie Dikaiopolis. Im ersten Punischen Kriege ergab sich die Stadt den Römern, welche dieselbe wegen der trojanischen Abstammung als eine verwandte betrachteten und ihr manche Vorrechte gewährten. Die Ruinen der Stadt, die gewöhnlich von Calatafimi aus besucht werden, liegen auf dem Gipfel des Monte-Barbaro in formlosen Steinhaufen durcheinander. Neuerdings sind Häuserfragmente mit Mosaikboden bloßgelegt worden. Ziemlich gut erhalten ist nur das teilweise in den Felsen gehauene Theater griech. Ursprungs, aber in röm. Zeit umgeändert. Der Stadt gegenüber, auf einem Hügel, liegt der berühmte, nie vollendete riech. Tempel, ein dor. Hexastylos Peripteros. gl. Hittorff, KArchitecture antique de la Sicile. Recueildes monuments de Ségeste et de Sélinonteo (nebst 89 Karten, Par. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 658Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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