FeedSelinus (jetzt ital. Selinunte)
ErdkundeBrockhaus 1882

Selinus (jetzt ital. Selinunte), die westlichste griech. Kolonie in Sicilien, wurde von den Doriern des sicil. Megara 628 v. Chr. gegründet, östlich von der Mündung eines Flüßchens, das nach dem dort wachsenden Eppich (griech. Selinon) gleich der Stadt den Namen S. erhielt, jetzt Madiuni heißt und 22 kmeim OSO. von Mazara, westlich vom Flusse Hypsas (jetzt Bellici) mündet. Die Stadt wurde bald reich und mächtig und blühte, bis die Einwohner von Segesta (s. d.), durch S. und Syrakus bedrängt, die Karthager gegen sie zu Hilfe riefen. Diese sendeten ein starkes Heer unter Hannibal Gisgon, der 409—408 v. Chr. S. eroberte und mit Mord und Brand furchtbar heimsuchte. Im ersten Punischen Kriege um 249 v. Chr. verpflanzten die Karthager die Bewohner der heruntergekommenen Stadt von S. nach Lilybäum und gaben den Platz auf. Seitdem versank S. in Trümmer, die in Hinsicht ihrer architektonischen Kunst von großer Wichtigkeit sind. Es finden sich hier (in der Nähe von Castelvetrano) die Ruinen von sieben Tempeln, worunter sechs große, drei in der auf dem östl. Hügel gelegenen Vorstadt und drei auf der sog. Akropolis, dem westl. Hügel. Der nördl. Tempel des Osthügels (113 m lang, 54 mbreit), nach einer dort gefundenen alten griech. Inschrift dem Apollo gewidmet, war 409 v. Chr. noch nicht vollendet. Seine Säulen sind auch später niemals fertig geworden, da ihnen die Kannelierung fehlt. Ein anderer Tempel desselben Osthügels war, wie eine 1865 entdeckte Inschrift darthut, der Hera geweiht. Der mittlere Tempel der sog. Akropolis ist der älteste von allen. Dieser sowie die beiden südl. Tempel des Osthügels enthielten die für die Geschichte der griech. Plastik so merkwürdigen, jetzt im Museum von Palermo befindlichen Metopen aus dem letzten Viertel des 7. Jahrh. v. Chr. liber die letztern vgl. Duca di Serradifalco, Le antichità della Siciliao (5 Bde., Palermo 1834—42); Benndorf, „WMetopen von Selinunte (Berl. 187³).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 684Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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