FeedMarne (Matröna)
ErdkundeBrockhaus 1882

Marne (Matröna), ein rechter und der bedeutendste Nebenfluß der Seine, entspringt auf dem hier über 380 m hohen Plateau und nahe oberhalb von Langres im Depart. Ober-Marne, durchfließt die östl. und mittlere Champagne, dann die Landschaft Brie und einen Teil von Isle-de-France und mündet bei Charenton, 2 Em oberhalb Paris, nachdem sie auf ihrem 494 km langen Laufe rechts den Rognon, den Ornain mit der Saulx, links die Blaise, Coole, Somme-Soude, den Petit-Morin und Grand-Morin aufgenommen. Schiffbar ist sie im ganzen 314 km weit, und zwar von St.⸗Dizier abwärts, aufwärts aber nur bis Chälons. Die M. hat einen ziemlich reißenden Lauf, meist ein weites Bett, ein engeres von Epernay bis Chäteau-Thierry, wo ein bis 260m aufsteigender Höhenzug ihr entgegentritt, und bleibt nur von kahlen, 65100 m hohen Felsrändern eingefaßt. An ihren Ufern wachsen die berühmtesten Champagnerweine. Seit 1825 führt der 107 km lange Oureqkanal von Paris aus der Seine längs der M. und dem Ourcg nach La-Ferté-Milon. Der Seitenkanal der Marne, welcher 137 kKm weit von Donjeux über Chälons nach Dizy führt, ist erst 1847 eröffnet, ebenso die kanalisierte Aisne, 56 Kkm lang, die von Vouziers nach Condé-sous-Vailly in den 63 Kkmlangen Seitenkanal der Aisne führt. (S. Aisne.) Ein noch wichtigeres Glied der ostfranz. Wasserstraßen ist der 1839—53 vollendete, 317 Em(wovon 120 kmfranzösisch) lange Marne⸗-Rheinkanal, welcher die Seine mit den Strömen von Mittel⸗ und Osteuropa verbindet. Derselbe geht von Vitry-le-Frangois ostwärts über Bar-le-Due, überschreitet und schneidet den Ornain, die Maas, Mosel, Meurthe, Saar u. s. w., berührt Toul, Nancy, Saarburg, Pfalzburg und mündet bei Straßburg in die Ill. Im ganzen hat dieser bedeutende Kanal 180 Schleusen (64 deutsche), vier Tunnel (einen von 4900 Länge) und große Kanalbrücken, sowie eine große Menge Wasserleitungen, Verbindungsbrücken und Stationsbuchten. Unter den Nebenkanälen, welche sich ihm anschließen, ist der wichtigste der (deutsche) Saar-Kohlenkanal, durch welchen der Kohlentransport von Saarbrücken in den Marne-Rheinkanal unterhalb Saarburg und zu der Paris-Straßburger Eisenbahn, die er ebenfalls berührt, ermöglicht wird. Er ist 63,3 km lang, und an ihn schließt sich die auf 29,4 km kanalisierte und dann die 87,5 Em lange freie Saar. Von den fünf Departements, welche die M. durchfließt, werden zwei ganz und eins Marne, s. d.) zum Teil nach ihr benannt. Das Departement Marne, aus dem mittlern Teil der Champagne bestehend, ist 8180,44 qkm groß, zerfällt in die fünf Arrondissements Chälonssur-Marne, Epernay, Ste.Menehould, Rheims und Vitry-le-Frangois, hat zur Hauptstadt Chälonssur-Marne (s. d.) und zählt in seinen 32 Kantonen mit 664 Gemeinden (1881) 421800 E. Von der schiffbaren M., der Aisne mit der Suippe und Vesle, im Süden auch von der schiffbaren Aube bewässert, besteht es zu zwei Dritteilen aus den 400 m mächtigen, weiten, einförmigen Kalk- und Kreideflächen, welche die Champagne-Pouilleuse charakterisieren. Erst bei Epernay beginnt eine mannigfaltigere, fruchtbarere Landschaft. Trotz der Kärglichkeit des Bodens erzielt man überreichliche Ernten von Getreide, besonders Roggen, von Rüben, Kohl, Hanf, Flachs, Olgewächsen und Obst. Berühmt sind die Gemüse, Spargel und Melonen von Chälons. Den Hauptreichtum aber bildet die Kultur des Weinstocks, welcher, besonders um Epernay und Rheims, mit Sorgfalt betrieben, die edelsten Champagnerweine liefert. Die Weinberge, welche 174 aKkm einnehmen, geben durchschnittlich einen Jahresertrag von 4— 500000 hl (in einem guten Jahr über 1 Mill.). Vom Champagner werden jährlich 20 Mill. Flaschen ausgeführt. Der Anbau von Futterkräutern unterstützt die Viehzucht, besonders bedeutend ist die Schafzucht. Nicht unwichtig ist die Bienenzucht, auch die Ausbeutung der Steinbrüche. Unter den acht Mineralquellen sind die von Sermaize an der Saulx die berühmtesten. Sehr lebhaft ist der Industriebetrieb, namentlich in Tuch, Kasimir, Flanell, Kaschmirshawls und andern Wollwaren, in Leinwand, Ol, Wachskerzen, Pfefferkuchen, Papier, Glas und Messerschmiedewaren, in Weinessig und Branntweinfabrikation. Besondern Ruf haben die unter dem Namen Lerre de Champagne bekannten Töpferwaren. Diese und andere Fabrikate, namentlich aber die Weine bilden die Hauptgegenstände des Handels, welchem die Wasserstraßen und Eisenbahnen eine große Ausdehnung geben. Das Depart. Ober-Marne (Haute-Marne), aus der südöstlichsten Champagne und einem kleinen Teile von Burgund zusammengesetzt, ist 6219,6sEm groß, zerfällt in die drei Arrondissements Chaumont, Langres und Vassy, hat zur Hauptstadt Chaumont (s. d.) und zählt (1881) in seinen 28 Kantonen mit 550 Gemeinden 254876 CE. Den südlichsten Teil erfüllt das Plateau von Langres, dessen breiter, höchstens 520 maufsteigender Scheitel die Wasserscheide zwischen dem Seine- und Rheingebiet einer- und dem Rhönegebiet andererseits bildet, indem auf ihm hier die Aube, M. und Maas, sowie mehrere Zuflüsse der Saöne entstehen. Nur die M., der Hauptfluß des Landes, ist fahrbar, aber auch diese nur 11 km weit, von St.⸗Dizier bis zur Nordgrenze. Die Oberfläche bietet einen Wechsel von schönen Thälern, fruchtbaren Ebenen, rebenbepflanzten Hügeln, ausgedehnten Viehtriften und Wiesen, waldreichen Bergen, hier und da von nackten, unfruchtbaren Felsmassen unterbrochen. Das Klima ist gemäßigt. Die kalkige Felsunterlage des Bodens zeigt sich mit einer bald mehr, bald weniger dicken Ackerkrume bedeckt, welche, wo es nur angeht, fleißig bebaut ist und reichlich Getreide, viel Wein, dessen Pflanzungen nahezu 440 akm einnehmen, auch Hülsenfrüchte, Raps, Senf und Obst trägt. Die Rinder⸗, Schaf⸗, Geflügel⸗ und Bienenzucht ist nicht unbedeutend, und an Waldungen (etwa ein Drittel der Fläche) ist das Departement eins der reichsten Frankreichs. Das 3092 Bau, liefert Eisen in roßer Menge, treffliche Bau⸗, Feuer⸗ und Mühlseine. Von den Mineralquellen sind die Bourbonneles-Bains die namhaftesten. Die Gewerbthätigkeit ist sehr lebhaft. In der metallurgischen Industrie ist das Departement eins der bedeutendsten in Frankreich, und ihre Produktion in 225 Etablissements beläuft sich jährlich auf den Wert von 47 Mill. Frs. Das Eisen wird größtenteils im Departement selbst verarbeitet, namentlich zu Messerschmiedewaren, durch welchen Industriezweig besonders Langres berühmt ist. Als Mittelpunkt desselben gilt das Städtchen St.⸗Dizier, in dessen Umgebung mehr als 100 Dörfer damit beschäftigt sind. Außerdem erstreckt sich die Industrie auf Handschuhe (jährlich im Wert von mehr als 2 Mill. Frs.), auf Woll⸗ und Strumpfwaren, Leder u. s. w. Diese den, Baut so- wie Getreide, Wein, Branntwein, Eisen, Bauholz und Bretter, Vieh, Honig und Wachs bilden die Hauptausfuhrartikel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 473Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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