FeedSelterser Wasser
HeilkundeBrockhaus 1882

Selterser Wasser, bisweilen auch, aber mit Unrecht, Selzerwasser genannt (s. Selzerbrunnen), hat seinen Namen von dem im Untertaunuskreise des preuß. Regierungsbezirks Wiesbaden, an der Linie Höchst-Limburg der Hessischen Ludwigsbahn, 16 km südöstlich von Limburg an der Lahn gelegenen Dorfe Niederselters (1880 mit 1554 CE.), wo dieses Mineralwasser hell und klar, perlend und schäumend aus vier in einen Brunnen gefaßten Quellen emporsteigt, welche in der Stunde 150 cbm = 150000 1 Wasser liefern. Wegen seines hervorstechenden Gehaltes an freier Kohlensäure (1184 cem in 1 0), Kochsalz und kohlensaurem Natron wird dasselbe zu den beliebtesten alkalisch-salinischen Säuerlingen gerechnet. Es wirkt gelind reizend auf die Schleimhäute des Mundes, Schlundes, Magens und des obern Teils der Atmungswerkzeuge, fördert daselbst die Absonderung des Schleims und geht endlich reichlich durch den Urin fort. Das Selterser Wasser wird bei chronischen Krankheiten der Schleimhäute der Respirationsorgane, Leiden der Harnwerkzeuge, Stockungen in den Unterleibsorganen, auch in manchen entzündlichen und fieberhaften Krankheiten, wenn die Gefäßaufregung vorüber ist, mit günstigem Erfolge angewendet. Brustkranke trinken es häufig mit warmer Milch vermischt. Als diätetisches Mittel, allein oder mit Zucker versüßt oder mit leichtem Weißwein vermischt, wird es namentlich an der Leber Leidenden und in heißen Klimaten und Jahreszeiten empfohlen. Diese berühmte Quelle, von welcher jetzt jährlich über 3 Mill. Krüge nach allen Gegenden der Erde versendet werden, wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. entdeckt, im Dreißigjährigen Kriege wieder verschüttet und nach ihrer erneuerten Auffindung so wenig geachtet, daß sie noch in der Mitte des 18. Jahrh. für eine geringe Summe verpachtet war. An der Quelle wird das Wasser nur sehr wenig getrunken. Von 1803 bis 1866 gehörte die Quelle dem herzogl. nassauischen Nammergute, jetzt aber dem preuß. Fiskus. Unweit Nirdersehers liegt das Dorf Oberselters (585 E.), wo sich eine ähnliche Quelle befindet, die in wemiii Zeit von einer Den derwaudt wirv.. worden is AWweeird Zeit werden in manchen und Mineralwasserfabriken auch künstliche Binebereitet; ferner werden andere geringhaltige Y Ind ralwasser durch Ausscheiden von Eisen u. s. w. und Zusatz von Kochsalz und künstlicher oder chend Kohlensäure aufgebessert. Diese künstlichen * aufgebesserten Wasser werden nicht Warer Bezeichnung Selters Water, Selters Wasser, Selser, Selzer, Seltzer u. s. w. in den Handel gebracht, teilweise unter Benutzung der mit den en inr Brunnenzeichen versehenen Brunnenzeichen und unter Nachahmung der zum Verschluß der Krüge und Flaschen in Niederselters benutzten Staniolkapseln. Als Erfrischungsmittel werden olche Wasser durch ihren überreichen Gehalt an Kohlensäure an vielen Orten stark begehrt; ihr mediz. Wert ist aber jedenfalls zweifelhaft.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 685Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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