FeedSalzbrunn oder Obersalzbrunn
ErdkundeBrockhaus 1882

Salzbrunn oder Obersalzbrunn, Dorf im Kreise und 5 km von der Stadt Waldenburg des preuß. Regierungsbezirks Breslau, an der Breslau-Schweidnitz⸗-Freiburger Eisenbahn, am Fuße des Hochwaldes im schweidnitzer Gebirgslande, 403 m über dem Meere gelegen, mit (1885) 3343 E., einer kath. und einer schönen prot. Kirche, sowie einer evang. und einer kath. Betkapelle für die Kurgäste und einer Synagoge, zieht sich mit Hartau, Nieder⸗ und Neusalzbrunn, drei Dörfern von zusammen 4387 E., in dem 13 km langen, weiten und freundlichen Thale des Salzbachs hin und ist besonders seiner sieben Mineralquellen wegen berühmt. Von diesen werden der Oberbrunnen und der Mühlenbrunnen und die Kronengquelle zum Trinken, der Alte und Neue Heil⸗, der Kramer⸗, der nutzt. Die wichtigste dieser Quellen, der Oberbrunnen, ist eine alkalische Quelle ersten Ranges in Europa und wird besonders bei hartnäckigen Katarrhen der Respirationsorgane, bei Unterleibsbeschwerden, Stockungen im Pfortadersystem, Hämorrhoidalkrankheit, chronischen übeln der Harnwerkzeuge und Drüsenverhärtungen mit vielem Nutzen angewendet. Ihrer auffallend starken Wirkungen wegen waren die Quellen schon im 14. Jahrh. bekannt; doch gerieten sie namentlich durch den Dreißigjährigen Krieg wieder in Verfall und Vergessenheit, bis sie zu Anfang des 19. Jahrh. durch Mogalla und Ebers wieder in Aufnahme gebracht wurden. Seit dieser Zeit ist der Ruf des Bades fortwährend im Steigen geblieben, wozu auch namentlich die daselbst errichtete großartige Molkenanstalt, die Anstalt für Moorbäder, sowie prachtvolle Park⸗ und Nadelholzwald-Anlagen von über 100 Morgen Ausdehnung viel beitragen. Die Zahl der Kurgäste beläuft sich jetzt jährlich auf etwa 4000, wozu noch 3—4000 Touristen kommen; versendet werden über 700000 Flaschen. Die Umgegend bietet interessante Punkte, z. B. Altwasser (s. d.), den alten und neuen Fürstenstein, Adersbacher und Weckelsdorfer Felsen u. s. w. . Deutsch, «Schlesiens Heilquellen und Kurortev (Bresl. 1873); Valentiner, «Der Kurort Obersalzbrunno (2. Aufl., Berl. 1877). Salzburg, ein zum cisleithanischen Teil der Osterreichisch-Ungarischen Monarchie gehörendes Herzogtum, von Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Tirol und Bayern umgrenzt, zählt auf 7165,828 dlem (1880) eine Bevölkerung von 163570 CE., die durchaus Deutsche und, mit Ausnahme von etwa 3000 Protestanten, Katholiken sind. Das Land ist ein Alpenland und besteht eigentlich aus dem Thal der von Hallein an schiffbaren Salzach von deren Ursprung bis zum Austritt aus den Gebirgen und den zahlreichen Nebenthälern derselben, welche fast alle von reißenden Wildbächen durchströmt werden, die hier den Namen Ache führen. An der südl. Grenze streichen die Hohen Tauern, im Lande nach den verschiedenen Übergängen Krimler⸗, Felber⸗, Fuscher⸗, Rauriser⸗, Naßfelder⸗ und Radstädter Tauern genannt. Die höchsten Spitzen dieses Urgebirgszugs, eine fast ununterbrochene Kette von Gletschern (Kees) bildend, sind der Venediger (3673 m), das Wiesbachhorn (3575 m), der Großglockner (3796 m), der Hohen Ar lirrig Hochnarr, 3259 m), der Ankogl (3252 m) u. s. w. Die Salzburger Alpen mit dem 2939 m hohen Hochkönig bilden die Grenze gegen Bayern. Von ihnen zieht sich gegen Osten das Tännengebirge mit der Raucheck (2430 m) zum Dachstein an der Grenze von S., Steiermark und Oberösterreich. Offen ist das Land nur gegen Nordnordwesten, wo die Salzach aus den Gebirgen tritt und eine fruchtbare Ebene bildet. Die Salzach, welche sich in den Inn leinen Nebenfluß der Donau) ergießt, ist der Hauptfluß des Landes. Die Saalach, ein Nebenfluß der Salzach, bildet eine Strecke lang die Grenze zwischen S. und Bayern. Außerdem fließen die Enns und die Mur durch einen Teil des Landes; auch gibt es zahlreiche Alpenseen, unter denen der Zellersee 9 kKm lang und 2 Km breit ist. Die Salzach bildet die 22 km langen Pinzgauer Sümpfe, welche neuerdings zum großen Teil auf Staatskosten urbar gemacht sind. Unter den vielen Mineralwässern ist die heiße Quelle von Gastein (. d.) die berühmteste. Einen großen Reichtum besitzt S. an schönen, pittoresken Wasserfällen. Der Fall der Krimler Ache ist der imposanteste der österr. Monarchie. Außerdem sind der Gollingerfall, 936m, der Radstädter Tauernfall, 62 m hoch, und der gasteiner Schleierfall ausgezeichnet. Die Liechtenstein-Klamm bei St. Johann im Pongau und das Kitzloch bei Taxenbach bieten die großartigsten Bilder wildschöner Bergschluchten. (S. Karte: Kärnten, Krain, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg.) „Das Klima ist rauh, vorherrschend kalt und veränderlich, aber größtenteils gesund. Der einst so berühmte Bau auf edle Metalle hat sehr abgenommen, bedeutender ist die Ausbeute an Kupfer, Eisen, Blei und Arsenik. Groß ist der Reichtum des Salzbergs Hallein und der Marmorbrüche am Untersberge. Das Land erzeugt Getreide nicht hinreichend, aber zum Teil von vorzüglicher Güte. Wein fehlt ganz, nicht unerheblich ist dagegen die Obstzucht und am wichtigsten die Viehzucht, sowohl der Rinder auf den trefflichen Alpenweiden, als der Pferde, welche im Pinzgau von besonders starkem und großem Schlage sind. Das Wild ist in Abnahme, doch wird es durch Jagdgesellschaften gehegt. Man findet noch Hochwild, Gemsen, Murmeltiere, Gemsgeier, Auer-und Schildhühner. Bei der Stadt S. lin Hellbrunn) ist die Centralanstalt für künstliche Fischzucht. Die Salzburger sind ein kräftiger Menschenschlag, aber im Hochgebirge hager und von blasser Gesichtsfarbe. Kretinen sind häufig. Vorurteile und Aberglaube, aber auch viel natürlicher Verstand, Biederkeit und Fleiß charakterisieren das Volk, welches sehr an seinen alten Festen und Spielen hängt. Die Industrie ist unbedeutend, der Gebirgsbauer fertigt seine Kleidung großenteils selbst. Doch sind die halleiner Strumpfstrickereien in gutem Rufe. Der Verkehr wird durch gute Landstraßen, die Kaiserin-Elisabethbahn und Giselabahn (Salzburg-Tiroler Gebirgsbahn) sehr gefördert. Das Land ist in vier Bezirkshauptmannschaften (Salzburg, St. Johann, Tamsweg, Zell am See) geteilt, wozu noch die selbständige Stadt S. kommt. An der Spitze der Landesverwaltung steht die k. k. Landesregierung in Salzburg. Für die Finanzverwaltung ist die Finanzverwaltung in Salzburg bestellt. In militärischer Hinsicht steht das Herzogtum unter dem Generalkommando in Wien. Der Landtag des Herzogtums besteht aus 26 Mitgliedern: dem Fürsterzbischof von S., fünf Abgeordneten des Großgrundbesitzes, drei Abgeordneten der Hauptstadt, sieben der übrigen Städte, zwei der salzburger Handelskammer und acht der Landgemeinden. In den österr. Reichstag sendet S. fünf Abgeordnete. Das Wappen des Kronlandes ist ein längsgeteilter Schild, rechts ein schwarzer Löwe in goldenem Feld, das linke Feld ist damasciert. Geschichte. Das Land war schon unter der Römerherrschaft gut bevölkert, und frühzeitig fand hier das Christentum Eingang. Durch Hunnen, Ostgoten und andere Völker wurde es verwüstet, doch schnell erhob es sich wieder. Den Grund zum Entstehen des spätern deutschen Reichslandes S. gab die Errichtung eines Bistums, welche der bayr. Herzog Theodo bewirkte. Der erste Vorstand soll um 582 der heil. Rupert geworden sein. Zur Dotierung wurden ihm von Theodo und vielen Edeln Güter um Salzburg (Juvavia) übergeben, wo Rupert seinen Sitz aufgeschlagen hatte. Zu diesen Besitzungen traten dann s päter die Erwerbungen Lungaus, Pinzgaus und Gasteins, das erstere durch Schenkung Kaiser Heinrichs II., die beiden letztern, welche nach dem Aussterben der Grafen von Blain an Bayern gefallen waren, im 13. Jahrh. durch Kauf. Unter Arno wurde das Bistum 798 zum Erzbistum erhoben. Der Erzbischof Gebhard, Graf von Helfenstein, gest. 1088, erhielt vom Papste die immerwährende Würde eines Legaten aller deutschen Kirchen. Die Erzbischöfe lagen fast beständig entweder mit dem Kaiser, mit Österreich und Bayern, oder mit ihren eigenen Landständen und Unterthanen in offenem Kriege und argem Hader. Erzbischof Leonhard II., 1495 — 1519, der 1498 alle Juden vertrieb und die gegen ihn verschworenen Großen seines Landes gefangen nehmen ließ, erweiterte das Gebiet des Erzstifts durch bedeutende Ankäufe. Wolfgang Dietrich, 1587 — 1611, beschwor mit seinem Kapitel 1606 das Statut, welches für ewige Zeit alle österr. und bayr. Prinzen aus demselben ausschloß. Unter dem Erzbischof Leopold Anton Graf von Firmian wurden nach harten Verfolgungen und trotz der Verwendung des Corpus cvangelicorum alle Protestanten, angeblich weil sie eine Verschwörung beabsichtigt, als sie sich weigerten, zur kath. Kirche überzutreten, aus dem Lande getrieben. So verließen 1731 und 1732 gegen 30000 fleißige und ruhige Unterthanen (Salzburger Emigranten) das Land, die namentlich in Preußen eine willkommene Aufnahme fanden. Der letzte Erzbischof war der 1772 erwählte Hieronymus, Graf von Colloredo, gest. in Wien 1812, der mit Energie die Regierung führte und manche Gebrechen abschaffte, aber die Liebe seiner Unterthanen nicht zu gewinnen vermochte. Die Erzbischöfe von S. hatten große Vorrechte. Sie konnten in den Adelsstand erheben, hatten mit den Herzögen von Bayern das Direktorium im Bayrischen Kreise, auf den Reichstagen die erste Stelle auf der geistlichen Bank im Fürstenrate und abwechselnd mit Gsterreich, welches aber immer den Anfang machte, das Direktorium im Reichsfürstenkollegium. Auch erhielten sie von dem Kaiser, selbst wenn sie nicht aus fürstl. Häusern waren, den Titel Ew. Liebden, während die geistlichen Kurfürsten in diesem Falle nur Ew. Andacht genannt werden. Es war seit dem Westfälischen Frieden außer den drei geistlichen Kurfürstentümern das einzige Erzbistum in Deutschland und umfaßte damals ein Areal von 9900 am mit 190000 E. Die Säkularisation erfolgte w1802, und im Vertrag zu Paris vom 26. Dez. 1802 wurde S. nebst Eichstätt, Berchtesgaden und einem Teile von Passau dem Erzherzog von Osterreich und Großherzog von Toscana, Ferdinand (s. d.), zur Entschädigung für das im Luneviller Frieden abgetretene Toscana gegeben und derselbe unter die Zahl der Kurfürsten aufgenommen. Durch den Preßburger Frieden von 1805, zufolge dessen der Kurfürst Ferdinand Würzburg erhielt, kam S. an Ssterreich und Eichstätt und Passau an Bayern. Der Wiener Friede von 1809 stellte es zur Verfügung Napoleons, der es 1810 an Bayern abtrat. Nach dem Pariser Frieden von 1814 wurde es von Bayern wieder an sterreich vertauscht, mit Ausnahme eines Teils vom linken Salzachufer, welcher nebst Berchtesgaden bayrisch blieb. Es bildete hierauf unter dem Titel eines Herzogtums (mit Ausnahme einiger zu Tirol geschlagenen kleinen Bezirke) den Salzachkreis des Landes ob der Enns, bis es 1849 losgetrennt, zu einem selbständigen Kronlande mit drei Bezirkshauptmannschaften (Salzburg, Zell, Werfen) konstituiert wurde und 1. April 1861 nach langer Zeit wieder den ersten Landtag erhielt. Vgl. Pichler, S.s Landesgeschichtes (Salzb. 1865); Meiller, Regesta archiepiscoporum Salisburgensium (Wien 1866); Jahrbuch der Geschichte für salzburger Landeskunder (Salzb. 1867); Richter, «Mitteilungen der Gesellschaft für salzburger Landeskunder (Salzb. 1876 u. fg.); (Abriß der Landeskunde des Herzogtums S. »(Salzb. 187 7); Zillner, Geschichte der Stadt Salzburgo (1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 158Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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