Senégambien, auch Westnigritien oder Senegal, nennt man die Landschaft des westl. Afrika, die sich am Atlantischen Ocean vom Kap Verga bis zur Portendicbai, d. i. von 10 bis nördl. Br. in einer Länge von 930 km, im Innern nordwärts bis zum Rande der Sahara in einer durchschnittlichen Breite von 630 EKm, ostwärts bis zu den Ebenen des Nigerlandes in einer Länge von 1850 km erstreckt und etwa 990000 qkm umfaßt. Das Land hat seinen Namen von den beiden Hauptströmen Senegal (f. d.) und Gambia (s. d.). Zwischen beiden hat es nur einen Fluß, den Salum, südwärts eine größere Anzahl Küstenflüsse, so Casamance, Geba, Rio Grande u. a. Das Innere des Landes bildet den westl. und nördl. Abfall des Kong-Hochlandes und ist zum Teil noch unbekannt. Der Boden besteht seiner Erhebung nach aus zwei Teilen: dem Küstenlande, das, teils völlig flacher, angeschwemmter Boden, teils Hügelland, von Süden nach Norden immer breiter wird und an der Nordgrenze unmittelbar in die Wüste Sahara übergeht, und dem Hochlande im Innern, das sich von der Ebene aus in den Bergketten zu dem Plateau des Konggebirges erhebt, die nicht über 1000m hoch sind und durch welche steile Gebirgspässe führen. In Obersenegambien, welches das Land nördlich vom Senegal begreift, wohnen Araber und Berber, die sich zum Islam bekennen. Sie treiben starken Gummihandel mit den Europäern, besonders mit Franzosen und Engländern. Mittelsenegambien begreift die am Senegal liegenden Länder von der Küste an aufwärts und mißt von Norden nach Süden ungefähr 370 km. Es ist von Negern bewohnt, die sich in viele Völkerschaften teilen, von denen die Dscholoffen (Djolof) und Mandingos die merkwürdigsten sind. Von S. sind auch die Fellata oder Fulbe (d. h. die Roten) erobernd nach dem Niger vorgedrungen. Das Klima ist eins der heißesten auf der Erde und in den sumpfigen Gegenden ungesund. Der Boden ist im westl. Teile eben, fast durchgehends sehr fruchtbar und bringt die gewöhnlichen Produkte der heißen Zone Afrikas hervor. Niedersenegambien umfaßt die Länder an dem Gambia und von diesem südwärts. Die Europäer besitzen in S. verschiedene Gebiete, Forts und Handelsposten. So die Franzosen das Gouvernement am Senegal. Dasselbe zerfällt in die drei Arrondissements St.⸗Louis, Gorée und Bakel. Die ganze Kolonie zählt (1882) auf etwa 220000 qkm 197 644 E. Der Wert der Einfuhr belief sich 1883 auf 17500000, der der Ausfuhr (Gummi, Erdnüsse, Hirse, Gold, Häute, Elfenbein u. s. w.) auf 21900000 Frs. Im J. 1882 liefen ein 946 Schiffe, aus 960 Schiffe. Das Budget bezifferte sich 1884 auf 2508000, die Kommunalausgaben auf 364000, die Ausgaben des Mutterlandes für die Kolonie auf 6250000 Frs. Von Eisenbahnen steht in Betrieb die Linie von St.⸗Louis nach Dakar (263 kEm); im Bau ist die Linie des obern Senegal von Kayes nach Bafoulabé (134 km). Im J. 1883 bestanden 34 Postbureaus, sowie 24 Telegraphenbureaus mit 2457 km Telegraphenlinien. Die Farbigen haben in diesen franz. Besitzungen stets gleiche Rechte mit den Weißen und bekleiden, wie letztere, administrative und Municipalstellen, selbst richterliche Posten. Saint-Louis auf der gleichnamigen Insel, mit (1879) 15496 E., ist der Hauptort, Sitz des Gouverneurs und eines Gerichtshofs, ein blühender, noch immer wachsender, aber sehr ungesunder Handelsplatz. Die franz. Kolonien am Senegal gehören zu den ältesten Frankreichs, da sie schon 1626 gegründet wurden. Durch den Nimweger Frieden 1679 kamen die früher holländ. Niederlassungen Gorée, Rufisque, Joal und Portudal hinzu. Seit 1819 wurden die Kolonien durch Verträge mit den Eingeborenen und durch Kriege beständig erweitert. Einen besondern Ausschwung nahm die franz. Kolonie unter der Leitung des Generals Faidherbe (s. d.). Gegenwärtig erstreckt sich die Herrschaft Frankreichs nördlich von der Mündung des Senegal über die ganze Küste bis zur Lévrier-Bai, östlich auf dem linken Ufer des Niger bis über Sansanding hinaus, südlich über das Kap Verga hinaus bis zur Mündung des Mallecory. Weniger bedeutend ist das engl. Gouvernement Gambia (s. d.). Auch die Portugiesen besitzen unter dem Namen Portugiesisches Guinea eine Provinz im südl. Teile S.s (69 qkm mit (1873] 9282 E.), mit der Hauptstadt Bolama und den befestigten Orten Bissäo, Cacheo u. s. w. Vgl. Raffenel, Voyage dans P'Afrique occidentalen (Par. 1846, nebst Atlas); Mavidal, Le Sénégab (Par. 1863); Ricard, Le Sénégalo(Par. 1866).