FeedSexuäalsystem
PflanzenreichBrockhaus 1882

Sexuäalsystem nennt man in der Botanik das von Linné aufgestellte Pflanzensystem, weil dasselbe auf den Verschiedenheiten in der Ausbildung der Sexualorgane, des Andröciums und Gynäciums, beruht. Er teilte sämtliche Pflanzen in 24 Klassen ein, von denen die ersten 23 die Phanerogamen, die 24. Klasse die Kryptogamen umfassen. Die Klassen IEXX enthalten alle Pflanzen mit Zwitterblüten, die Klassen XXIXXIII alle Pflanzen mit eingeschlechtigen und polygamischen Blüten. Die ersten 13 Klassen bestehen aus denjenigen Pflanzen, deren Blüten freie, weder untereinander noch mit dem Gynäcium verwachsene Staubgefäße von annähernd gleicher Länge besitzen. Die zu den Klassen XIV und XV gehörenden Pflanzen haben Sunc freie Staubgefäße, aber von ungleicher Länge. In den Klassen XVIXIX sind die Staubgefäße ganz oder teilweise miteinander verwachsen und in Klasse XX ist eine Verwachsung der Staubgefäße mit dem Griffel vorhanden. Zur nähern Charakteristik der einzelnen Klassen möge folgendes Schema dienen: 14 Zwitterblüten mit freien Staubgefäßen. sse I Blüten mit 1 Staubgef. Monandria II d 2 Diandria IV » 4 Tetrandria V. * 1 5 Pentandria VII * 9 7 Heptandria VIII v » 8 * Octandria X „ 10 Decandria XL 5 » mehr als 10 und weni-XII „ „» 20 und mehr perigyn XIIII » 20 und mehr hypogyn XIV »2 langen und 2 kurzen XV, v »4 langen und 2 kurzen b. Zwitterblüten mit unter sich verwachsenen Klasse XVI Blüten mit zu 1 Bündel verwach-XVII » zu 2 Bündeln verwachsenen XVIII „ zu 3 oder mehr Bündeln ver-XIX ↄ» in denen die Staubbeutel o. Zwitterblüten, in denen die Staubgefäße Klasse XX Gynandria. XXI Männl. und weibl. Blüten auf der-XXII Männl. und weibl. Blüten auf ver-XXIII Eingeschlechtige Blüten, untermischt XXIV Blütenlose Pflanzen Kryptogamia. Die einzelnen Klassen des Linnéschen Systems zerfallen wieder in verschiedene Ordnungen. Diese Ordnungen werden in den ersten 13 Klassen nach der Zahl der Griffel, beziehungsweise Fruchtblätter, unterschieden und führen die Namen: Monogynia, Digynia, Trigynia, Tetragynia, Pentagynia, Hexagynia, Heptagynia, Enneagynia, Decagynia, Dodecagynia, Polygynia. Die XIV. Klasse umfaßt zwei Ordnungen, von denen die erste Gymnospermia genannt wird und durch vier einzelne Früchtchen charakterisiert ist, während die zweite, die Angiospermia, nur eine Frucht besitzt. Die XV. Klasse umfaßt gleichfalls zwei Ordnungen, die sich durch die Länge der Schotenfrüchte unterscheiden, die erste mit kurzen Schoten, die nicht viel länger als breit sind, heißt: Siliculosae, die zweite mit langen Schoten: Siliquosae. In den Klassen XVI—XVIII und XXXXIII werden die Ordnungen nach der Anzahl der Staubgefäße benannt und tragen dann dieselben Namen wie die Klassen 1—XIII. Die XIX. Klasse wird in 5 Ordnungen eingeteilt, deren Unterschiede sich aus folgendem Schema ergeben: 1. Ordnung: Alle Blütchen zwitterig und aleich dans 2. Scheibenblütchen zwitterig, Strahlenblütchen . Scheibenblütchen zwitterig, Strahlenblütchen 4. Scheibenblütchen zwitterig, Strahlenblütchen 5. Jedes Blütchen mit einem besondern Kelche Die XXIV. Klasse zerfällt in 4 Ordnungen, nämlich 1) Farne, Eilices, 2) Moose, Musci, 3) Algen, Algae, 4) Pilze, Fungi. Das im Vorstehenden dargelegte Linnesche System beruht auf einer fast durchgängig künstlichen Einteilung, die allerdings den großen Vorzug der Einfachheit besizt, aber auf die natürliche Verwandtschaft der Pflanzen gar keine Rücksicht nimmt, denn in den einzelnen Klassen sind, mit wenigen Ausnahmen, Pflanzen aus den verschiedensten Familien und Gruppen untergebracht. Trotzdem hat dieses System für die Entwickelung der botanischen Systematik eine große Bedeutung gehabt (vgl. Botanik und Systematik), und wenn es auch zur Zeit für die wissenschaftliche Botanik nur noch von histor. Interesse ist, so wird es doch auch heute noch wegen seiner leichten Faßlichkeit und Einfachheit unter allen Systemen fur den Anfangsunterricht in der Botanik als das geeignetste allgemein benutzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 745Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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