FeedSextus Empirikus
HeilkundeBrockhaus 1882

Sextus Empirikus, Skeptiker zu Ende des 2. II rh. n. Chr., wahrscheinlich ein Grieche, lebte zu Alexandria und Athen. Den Namen Empirikus, d. h. der Empiriker, erhielt er, weil er als Arzt der empirischen Schule zugerechnet wird, die zu seiner Zeit blühte. In seinen Werken erscheint die skeptische Kunst auf der Höhe, welche sie im Altertum erreicht hat. Doch besteht sein Verdienst weniger in der eigentümlichen Entwickelung der Skepsis als vielmehr in der vollständigen Sammlung und klaren Anordnung der Maximen und Schlußweisen, deren sich die frühern Skeptiker gegen den Dogmatismus bedient hatten, wobei er vornehmlich die Schriften des Anesidemus benutzte. Die Skepsis setzte er in die Kunst, Erscheinungen und Gedanken einander auf alle mögliche Weise so entgegenzustellen, daß man durch das Gleichgewicht der entgegengesetzten Thatsachen und Gründe zur Zurückhaltung (Erναν) des Urteils über Gegenstände, deren Wesen verborgen ist, und dadurch zu unerschütterlicher Gemütsruhe (rνάροαειι) in Sachen der Meinung und zum Gleichmut in Sachen der Notwendigkeit gelange. Da er mit den von ihm gesammelten Wendungen der Skepsis, die von Spätern Zweifelsgründe genannt wurden, vornehmlich die philos. Systeme bekämpfte, wobei er oft sehr sophistisch verfuhr, so sind seine Schriften für die Kenntnis der griech. v0n ihm w von großer Wichtigkeit. Erhalten sind von ihm zwei Werke in griech. Sprache, wovon das eine (&Pyrrhoniae hypotyposes v) eine Entwickelung des Pyrrhonismus überhaupt, das andere (4Adversus mathematicos v) eine Anwendung der Pyrrhonischen Kunst auf alle damals geltenden philos. Systeme und andere Wissenschaften und Erkenntnisse enthält. Das letztere besteht aus zwei Abteilungen, von denen die erste in sechs Büchern die Unsicherheit der Grammatik, Rhetorik, Geometrie, Arithmetik, Astrologie und Musik, die zweite in fünf Büchern die der philos. Wissenschaften (Logik, Physik und Ethik) nachzuweisen sucht. Herausgegeben wurden beide Werke von Fabricius (Lpz. 1718; neue Ausg., 2 Bde., Lpz. 1840), am besten von Bekker (Berl. 1842); eine deutsche übersetzung begannen Niethammer und Buhle (Bd. 1, Lemgo 1801). Für die neuere Philosophie haben diese Schriften die Bedeutung, daß sich in ihnen die frühesten Keime zu einer Kritik des Erkenntnisvermögens finden. Vgl. C. Jourdain, «Sextus Empiricus et la philosophie scolastiques (Par. 1858); Pappenheim, »De Sexti Empirici librorum numero et ordine o (Berl. 1874); derselbe, „Lebensverhältnisse des Sextus Empirikus »„ (Berl. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 745Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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