Shrapnel (auch Granatkartätsche, frz. obus à balles, engl. shrapnel), nach dem Erfinder, dem engl. Oberst Sir Henry Shrapnel, benannt, ist ein Hohlgeschoß, welches in seinem Innern eine Füllung, aus kleinern Geschossen (in der Regel Bleikugeln vom Kaliber einer Gewehr-oder Pistolenkugel) bestehend, aufnimmt, dessen Hülle durch Vermittelung einer kleinen Sprengladung wie eines Zünders, kurz bevor das S. das Ziel erreicht hat, gesprengt wird und dessen Sprengteile (die Kugeln der Füllung und die Sprengstücke der Hülle) vom Sprengpunkte ab, mit einer allmählich zunehmenden Ausbreitung, ihre Bahn fortsetzen. Das S. ist somit ein Streugeschoß, welches im Gegensatz zur Kartätsche (s. d.) nicht schon von der Mündung des Geschützrohrs ab, sondern erst in der Nähe des Ziels sich zerteilt und dadurch auf viel größere Entfernungen als die Kartätsche verwendbar wird. Wie die Streugeschosse überhaupt, beruht auch das S. auf dem Grundgedanken, die große zerstörende Kraft, welche einem Artilleriegeschoß innewohnt, gegenüber lebenden Zielen durch Zerlegung des Geschosses in viele kleine, gegen ein lebendes Wesen aber noch hinreichend wirksame Partikeln auszunutzen und mittels des einzelnen Schusses eine größere Frontbreite der feindlichen Truppen unter Feuer zu nehmen. Vor den gewöhnlichen Sprenggeschossen (Granaten) zeichnet sich das S. dadurch aus, daß es eine viel regelmäßigere und dabei beschränktere Ausbreitung als diese hat und bei gleichem Kaliber eine größere Anzahl von Sprengteilen liefert, von denen der größere Teil eine zur Beschreibung ihrer Einzelbahnen günstigere Form at. Der von den Sprengteilen des S. beherrschte aum wird infolge dessen in viel wirksamerer Weise unter Feuer genommen. Dagegen ist das S. außer Stande, anders als gegen lebende Ziele zu wirken; seine Brauchbarkeit ist daher keine so allgemeine wie diejenige der Granate. Das S. wird nur in flachen Schußarten verwendet. Besondere Wichtigkeit hat es gegen gedeckte lebende Ziele. dage de der häufig schwierigen Beohachtung der age des Sprengpunktes zum Ziel ist das Einschießen mit S. erschwert. Schon im 16. und 17. Jahrh. hat die Idee des S. in der deutschen Hagelkugel, einer mit Bleikugeln gefüllten Bombe, Ausdruck gefunden, die indes, weil aus Mörsern im hohen Bogen geworfen, nur einen awnot i. Nutzen bringen konnte. Der Oberst Shrapnel kam zuerst auf den Gedanken, Bage Geschosse mit starken Ladungen im flachen ogen zu schießen. Er begann seine Einen 23 1803, und nahmen dieselben einen so günstigen Verlauf, daß die S. seitens der engl. Artillerie bereits 1808 in der Schlacht von Vimiera Anwendung fanden. Seit 1816 wurden die Versuche mit S. auch von andern Artillerien, und zwar lange Zeit hindurch unter strengster Geheimhaltung, ins Werk gesetzt und nach und nach mannigfache Verbesserungen sowohl in der Konstruktion der Geschosse selber als namentlich in derjenigen der Zünder, welche die wichtigste Grundlage für die Wirksamkeit der S. bilden, herbeigeführt. Die S. waren überhaupt Veranlassung, der Zünderfrage näherzutreten, und die wichtigsten Vervollkommnungen auf diesem Gebiet verdanken dem Bestreben, einen wirksamen Shrapnelschuß zu schaffen, ihre Anregung. Das Bedürfnis eines brauchbaren S. wurde mit der Verbesserung des Infanteriegewehrs und der Ausbildung der zerstreuten Fechtart der Infanterie ein mehr und mehr gebieterisches. Die Präcision und Wirkungsweite des Shrapnelschusses wurde durch die Einführung gezogener Geschütze in hohem Maße gefördert. Während bei den glatten Geschützen die Tragweite der S. nicht über 1200 mehinaus ausgedehnt werden konnte, geht ihr Gebrauch bei Feldeschützen jetzt bis gegen 3500 m und bei schweren Belagerungsgeschützen bis gegen 5000 m. Die längliche Form der Geschosse gestattet, die Füllung erheblich zu vergrößern. Am günstigsten für S. ist der Zeitzünder, indem er den Sprengpunkt in den niedersteigenden Ast der Flugbahn zu legen gestattet, während der Perkussionszünder einen Aufschlag des S. auf den Boden bedingt und den Schuß so vom Terrain abhängig macht. Eine Kombination beider Zünderarten in einen sog. Doppelzünder kommt bereits vor. (Vgl. Geschoß und Zünder.)