FeedSiebold (Karl Theodor Ernst von)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Siebold (Karl Theodor Ernst von), namhafter Physiolog und Zoolog, geb. 16. Febr. 1804 zu Würzburg als Sohn von Adam Elias von S., studierte in Göttingen und Berlin, und ward 1831 Kreisphysikus zu Heilsberg in Preußen, 1835 Direktor der Hebammen⸗ und Entbindungsanstalt in Danzig, wo er 1839 auch das Stadtphysikat übernahm. Im J. 1840 wurde S. Professor der Physiologie und vergleichenden Anatomie in Erlangen, 1845 in Freiburg i. Br., 1850 in Breslau, wo er zugleich die Direktion des physiolog. Instituts übernahm. Zur Gründung eines ähnlichen Instituts wurde er 1853 als Professor der Physiologie und vergleichenden Anatomie nach München berufen, wo ihm später auch die Professurder Zoologie, sowie die erste Direktorstelle am zoologisch-zootomischen Kabinett übertragen wurde. Er starb in München 7. April 1885. S. hat sich namhafte Verdienste um die Fortbildung der Naturwissenschaften erworben, indem er vorzugsweise den innern Bau, die Lebens- und Fortpflanzungsgeschichte der niedern Tiere aufklärte. Er veröffentlichte ein Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Tierey (Berl. 1848), Untersuchungen «über die Band⸗ und Blasenwürmerr (Lpz. 1854), über die Wahre Parthenogenesis bei Schmetterlingen und Bienenv (Lpz. 1856), „Beiträge zur Parthenogenesis der Anthropoden⸗ (Lpz. 1871), worin er nachwies, daß auch aus unbefruchteten Eiern sich Tiere entwickeln können; ferner »Die Süßwasserfische von Mitteleuropa v (Lpz. 1863). Mit Kölliker begründete S. 1849 die „Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologiev. Siebold (Philipp Franz von), bekannt als Erforscher Japans, Sohn von Johann Georg Christoph von S., geb. 17. Febr. 1796 zu Würzburg, studierte daselbst Medizin und Naturwissenschaften, ging 1822 nach den Niederlanden und von da als Sanitätsoffizier erster Klasse nach Batavia, wo er als Regimentsarzt im Hauptquartier zu Weltevrede Dienst erhielt. Doch schon im Juni 1823 ward er als Arzt und Naturforscher der Gesandtschaft nach Japan beigegeben, von wo er 1830 nach Europa zurückkehrte. Die von ihm gesammelten Materialien begann er in einem umfassenden Werke zu bearbeiten, das in vier Abteilungen zerfällt, unter den Titeln: Nippon, Archiv zur Beschreibung von Japan⸗ (Leid. 1832 fg., mit Atlas), Fauna Japonicay, mit Temminck, Schlegel und Haan bearbeitet Leid. 1833 fg.), Flora Japonicas (Leid. 1835 fg.) und Bibliotheca Japonicav, lithographiert von dem Chinesen Ko-tsching-Dschang, herausgegeben gemeinschaftlich mit J. Hoffmann (6 Tle., Leid. 1833—41). Hierzu kommen der schätzbare Catalogus librorum Japonicorum (Leid. 1845), die Isagoge in bibliothecam Japonicamo (Leid. 1841), Epitome linguae Japonicae (Batavia 1826; 2. Aufl. Leid. 1853) und Florae Japonicae Familiae naturaleso (mit Zuccarini, Münch. 1851). Außerdem hat sich S. durch die Einführung japan. Kulturpflanzen, wie 1825 des Thees auf Java, verdient gemacht. Ebenso wirkte S. viel zur Eröffnung Japans für den Welthandel. Unter anderm veröffentlichte er die KUrkundliche Darstellung der Bestrebungen Niederlands und Rußlands zur Eröffnung Japans⸗ (Leid. 1854). Im J. 1859 unternahm er eine zweite Reise nach Japan, trat dort sogar 1861 auf einige Zeit in die Dienste des Taikun, kehrte aber 1862 wieder nach Europa zurück und starb in Würzburg 18. Okt. 1866. Seine naturhistor. Sammlungen befinden sich in Leiden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 798Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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