Singapöre oder Singhapura (d. i. Löwenstadt), eine kleine, den Engländern gehörende, an der Südspitze der Halbinsel Malakka, unweit des untern Eingangs in die nach letzterer genannte Meerenge gelegene, von dem Festlande nur durch einen kaum 1½ km breiten Kanal getrennte Insel von 580 qkm Inhalt. S. bildet den wichtigsten Bestandteil des brit. Gouvernements der Straits-Settlementso in Hinterindien. Sie ist gut bewässert und besteht aus einem sich wellenförmig erhebenden, an einzelnen Stellen hügelartig anschwellenden, höchst fruchtbaren Lande. Die höchste Bodenerhebung von 170 m ist der Boukit Timah (Zinnhügel) in der Mitte der Insel. Als Sir Stamford Raffles (s. d.) 6. Febr. 1819 hier die engl. Flagge aufpflanzte, war S., welches 1824 von der Ostindischen Kompagnie ihrem nächsten Besitzer, dem Sultan von Drohor, für 60000 Doll. und eine jährliche Leibrente von 24000 Doll. abgekauft wurde und 1867 in den Besitz der Krone überging, eine mit dichtem Urwalde bedeckte, nur von 20 malaiischen Fischerfamilien bewohnte Zufluchtsstätte von Seeräubern. Gegenwärtig sind diese Wälder fast schon verschwunden und haben Reisfeldern, Gartenanlagen und großartigen Anpflanzungen von Nauclea gambir, der Mutterpflanze der Katechu, und Betelpfeffer, den vorzugsweise auf S. gezogenen Kulturgewächsen, Raum gemacht. Die Tiger, welche von dem Festlande herüberschwimmen, sind noch immer häufig und die Zahl ihrer Opfer, namentlich unter den chines. Landbauern, ist noch immer groß. Die Fauna und Flora von S. sind die Hinterindiens. Das Klima ist heiß, aber nicht ungesund; die mittlere Temperatur der drei heißesten Monate beträgt 27,1, die der drei kältesten 25,9 C. Die Bevölkerung beträgt (1881) 172993 E., wovon 139208 männlichen und nur 33785 weiblichen Geschlechts; darunter 1283 Europäer, 86 766 Chinesen, 22114 Malaien, 10475 Tamulen, 5681 Javanesen und 3091 Eurasier. Die Stadt Singapore, die einzige der Insel, mit 110000 E., liegt unter 1 16 nördl. Br. und 103 53“ östl. L. (von Greenwich), an der Südküste zu beiden Ufern der Mündung eines kleinen Flusses. Der auf dem rechten Ufer liegende Stadtteil ist der hauptsächlich von Europäern bewohnte. Hier befinden sich verschiedene Kirchen, die Wohnung des Gouverneurs der Straits-Settlements, die Gouvernementsgebäude, großartige Magazine, die Warenlager, Comptoirs und Wohnungen der europ. Kaufleute, die Docks und Schiffswerfte. Der auf der linken Seite des Flusses liegende asiat. Stadtteil ist regelmäßig angelegt und hat breite, sich rechtwinkelig kreuzende Straßen. Weiter gegen Norden liegen zahlreiche Landhäuser wohlhabender Curopäer. Das großartige Gefängnis in S. für Verbrecher aus allen Teilen der engl. Besitzungen in Asien ist aufgehoben und wird jetzt für andere wecke verwendet. Die Stadt S. gelangte sehr ald nach ihrer Gründung zu großer, stets zunehmender Blüte und stellt jetzt schon seit Jahren einen der wichtigsten Handelsplätze des ganzen asiat. Ostens dar. Namentlich ist der Transporthandel daselbst von größter Bedeutung und Ausdehnung. Die Ein⸗ und Ausfuhr erreichte 1880 einen Wert von 461 Mill. Mark. Die geräumigen und sichern Häfen von S. besuchten und verließen in den letzten Jahren jährlich gegen 3800 Schiffe, worunter 300 Dampfer, da S. der Hauptknotenpunkt für die Dampfschiffahrtslinien des östl. Asien ist und dies mit allen übrigen westl. Ländern verbindet. Vgl. Cameron, «Our tropical possessions in Malayan Indias (Lond. 1865).