FeedSociéêté anonyme (frz.)
ReligionBrockhaus 1882

Sociéêté anonyme (frz.), s. Anonyme Gesellschaft. Soeinianerheißendie Unitarier Siebenbürgens, Polens und der Niederlande, als Anhänger des Lälius und Faustus Socinus. (S. Antitrinitarier.) Lälius Soeinus, aus dem alten Geschlechte der Sozzini, wurde zu Siena 1525 geboren. Von der Rechtsgelehrsamkeit ging er zur Theologie über und fand sich bald in einem Gegensatze zur herrschenden Kirchenlehre, der noch über den der deutschen Reformation hinausging. Von Wißbegier getrieben, machte er seit 1546 Reisen in die Schweiz, nach Deutschland und Polen, auf denen er mit mehrern Reformatoren in persönliche Berührung kam. Er starb schon 1562 in Zürich. Vgl. Illgen, «Vita Laelii Socinio (Lpz. 1814) und «Symbolae ad vitam et doctrinam J.. Socinio (3 Bde., Lpz. 1826—40). Der eigentliche Begründer des Socinianismus als einer Gemeinschaft ist sein Neffe Faustus Socinus, geb. zu Siena 1539. Er war dem Beispiele des väterlichen Oheims gefolgt und hatte früh durch Untersuchungen über Glaubenswahrheiten den Verdacht ketzerischer Ansichten auf sich geladen. Schon als 20jähriger Jüngling mußte er deshalb seine Vaterstadt verlassen und wendete sich nach Lyon. Durch den Tod seines Oheims in den Besitz der Handschriften desselben gesetzt, beschäftigte er sich angelegentlich mit dem Studium derselben und begann in Florenz, wo er 1562—74 am Hofe des Großherzogs lebte, die Verbreitung seiner Lehren durch kleine Schriften. In Basel, wo er Schutz suchte vor den Gefahren der ital. Inquisition, führte er seine überzeugungen in mehrern Schriften weiter aus. Nach einem kurzen Aufenthalte in Siebenbürgen (1578) wendete er sich (1579) nach Polen, wo er unter den ältern Unitariern viele Anhänger fand und nach Beseitigung innerer Zerwürfnisse die Unitarier zu einem festen Gemeindeverbande vereinigte. Namentlich unter dem Adel wußte er dem Unitarismus viele Anhänger zu gewinnen. Indes trafen ihn auch in Polen heftige Verfolgungen, und die Konsiskation seiner Güter in Italien brachte ihn um sein ganzes Vermögen. Auf dem Gute eines Verehrers starb er in der Nähe von Krakau 1604. Sein Neffe Wiszowoty gab seine Schriften gesammelt und im 1. und 2. Bande der „Bibliotheca fratrum Polonorum- (Amsterd. 1656 fg.) heraus. Vgl. Przypkovius, Vita Fausti Socinio (Krakau 1636); Soulmin, (Memoir of the life of F. S.5 (Lond. 1777). Nach des Faustus Tode traten Männer wie Valentin Schmalz (Geistlicher in Rakow, gest. 1622), Joh. Völkel (Prediger zu Szmigel, gest. 1618), Christoph Ostorodt (Prediger zu Buskow bei Danzig, gest. 1611), Hieron. Moskorzowski (gest. 1625) u. a. an die Spitze der Partei, welche 1605 auf Grund der Schriften des Faustus im Rakower Katechismus ihr Bekenntnis aufstellte. In Polen hatten die S. anfangs ebenso wie die Lutheraner und Reformierten freie Religionsübung erlangt, bis die Einführung der Jesuiten der friedlichen Entwickelung ein gewaltsames Ziel setzte. Unter Sigismund III. wurde 1627 die Kirche zu Lublin, unter Wladislaw IV. 1638 die Schule zu Rakow zerstört und unter Johann Kasimir (seit 1648) alle socinianischen Prediger und Lehrer geächtet. Seit dieser Zeit sah sich der Socinianismus, von dem sich außer in Siebenbürgen nur in Preußen und den Niederlanden einige dürftige Gemeindereste erhielten, auf eine bloß litterarische Existenz zurückgedrängt, hat aber namentlich von Amsterdam aus auf die Arminianer und selbst auf die luth. Theologie Einfluß geübt. Jetzt gibt es in Siebenbürgen noch etwa 60000 Unitarier (s. d.), die den alten Socinianern in der Lehre am nächsten stehen, während die Unitarier in England und Nordamerika ihre Anschauungen noch weiter entwickelt haben. Die S. werden als die Vorläufer der Rationalisten angesehen. Allerdings erkennen sie die Notwendigkeit einer übernatürlichen Offenbarung, die in der Heiligen Schrift niedergelegt sei, an, beschränken aber nicht allein die Inspiration derselben auf das reli7 Wesentliche in ihr, sondern räumen auch der Zernunft eine kritische Stellung ein, ohne freilich das Verhältnis von Schrift und Vernunft auf einen klaren Ausdruck zu bringen. In der Auffassung der christl. Dogmen weichen sie fast überall von der orthodox-prot. Lehre ab, bestreiten z. B. die unbedingte Allwissenheit Gottes im Interesse der menschlichen Freiheit. Am schärfsten aber ist ihr Gegensatz gegen die herrschenden Kirchen in den Le ren von der Dreieinigkeit und der Person Christi. Erstere verwerfen sie ganz als schrift⸗ und vernunftwidrig; in Christus erkennen sie einen wirklichen, aber vom Heiligen Geiste erzeugten und im Himmel von Gott selbst übernatürlich belehrten Menschen, an dessen göttlicher Verehrung sie übrigens festhalten. Sie selbst nennen sich Unitarier. Vgl. Trechsel, «Die prot. Antitrinitarier vor F. Sociuso (Heidelb. 1839—44); Fock, «Der Socinianismuso (2 Bde., Kiel 1847); Ferencz, «Kleiner Unitarierspiegel (Wien 1879). „Socinus (Lälius und Faustus), s. unter Socinianer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 896Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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